Gebrauchtmarkt: Klassiker – noch zum Schnäppchenpreis

Warnkes Secondhand-Kolumne
09.09.2015

Welche früher hochpreisigen Modelle heute erschwinglich sind

Retro im Kamera-Design liegt im Trend. Es sind die Kamera-Klassiker, die heute Hinguckeffekte bei Neuware produzieren. Retro schafft auch Klassiker und macht diese aktuell. War die Preisentwicklung bei analogen Kameras in den letzten Jahren auf breiter Front abwärts gerichtet, so dreht sich bei bestimmten Typen der Markt – noch gibt es Aufregendes günstig.

Es sind die Modelle aus der Analog-Ära, bei denen man sich früher an der Schaufensterscheibe die Nase plattgedrückt hat und die sich finanziell im Reich der Träume bewegten. Eine Nikon F2 oder später Nikon F3 wurden abgelegt in der Schublade der unerfüllbaren Wünsche. Heute ist eine gut erhaltene F3 für 150 Euro ein wahrer Revival-Schatz. Jeder hat eigentlich seine eigenen Klassiker, die persönliche Foto-Geschichte produziert uns diese. Ob nun eine Pentax Spotmatic oder Minolta SRT: alles Typen, die Maßstäbe setzten und Biografien schrieben. Keine 30 Euro kostet diese Dokumentation der eigenen Fotogeschichte.

Jeder Klassiker hat seine eigene Faszination: Mit einer Canon F1 (120 Euro) erwirbt man eher eine Maschine als einen Fotoapparat; Schönheit und Eleganz vermittelt eine Olympus OM-1 (30 Euro); ein glasklares Sucherbild und Feinmechanik pur strahlt die Leicaflex SL aus (70 Euro) und der Design-Klassiker Contax RTS (50 Euro) überzeugt durch Schlichtheit und Aufgeräumtheit. Gemeinsam ist allen die förmlich fühlbare Wertigkeit des Materials und der Mechanik. Wer einmal das Ablaufgeräusch des Selbstauslösers bei einer Nikon F gehört hat, der hat gespürt, wie Mechanik arbeitet. Nicht der reale Nutzen zählt bei der Anschaffung dieser klassischen Modelle, sondern die Mischung aus positiver Nostalgie und jetzigem Design-Reiz machen diese Objekte so begehrenswert.

Schmückend sind sie außerdem, als Zimmer-Deko sind sie wahre Hingucker. Dem Reiz, den der kleine Minox Silberling (Minox C, 50 Euro) versprüht, kann sich niemand entziehen. Schraub-Leicas aus den 30er- und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts sind die Schnäppchen-Knüller. Ein gut erhaltener Body (160 Euro) ist ein einzigartiges Dokument des Kamerabaus und erin- nert an den Ursprungsmythos Leica. Echte Klassiker sind zeitlos, gebraucht sind sie noch günstig zu erwischen.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 06/2014 erschienen.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand.  Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.