Gebrauchtmarkt: Kameras und Rendite

Warnkes Secondhand-Kolumne
26.01.2016

Warum sich Investitionen in Kameras lohnen können

Nachts schlafen Sie schlecht, weil Ihre Ersparnisse nur noch mickrige Zinsen bringen? Ihre risikolosen Festgeld­anlagen und die treuen Bundesschatzbriefe bringen Erträge, die selbst unter der Lupe kaum erkennbar sind? Wohlhabende Chinesen machen es anders. Wer das illustre Bieter-Publikum bei der „100 Jahre Leica“­Auktion bei WestLicht in Wien ge­nauer betrachtet hat, staunt über die große Leica-Leidenschaft der Asiaten. Sie waren es, die für bestimmte Leica­-Modelle hunderttausende Euro auf den Tisch legten.

Mal unterstellt, dass die Käufer ihre nächste Familienfeier nicht unbedingt mit diesen Kameras fotografieren wollen, und dass Geld weite­res Geld riecht, könnte man geneigt sein, auch so clever in wertsteigende Fotoraritäten zu investieren. Für Oldtimer fehlt Ihnen der Platz und antike Kunstwerke passen nicht zu Ihrem Wohnzimmer? Doch mit alten Kameras könnten Sie etwas anfangen, erst recht, wenn sie renditestark sind? Das wird wohl nichts. Mal davon abgesehen, dass auch diese wenigen Top­-Raritäten Einstiegskapital von mehreren 10.000, eher 100.000 Euro aufwärts erfordern, so zeigen dreijährige Analyse-­Intervalle, dass nach exorbitanten Preissprüngen genauso schnell wieder erdrutschartige Rückgänge vorkom­men.

Wer heute eine hübsche Nikon F, eine wunderschöne Leica M3 oder die grazile Olympus OM­1 erwirbt und ab und zu damit spielt, bekommt einen nutzbaren Gegenwert mit vermutlich positiver Verzinsung.

Die Linsen­Rarität Leitz Noctilux 1,2/50 mm brachte es 2012 auf einen sagenhaften Zuschlagspreis von fast 20.000 Euro, weil zwei Bieter es unbedingt haben wollten – 2014 fiel der Preis dann rasant auf 15.000 Euro ab und wird sich wohl wieder bei der Normallinie von 10.000 Euro oder darunter einpendeln. Die Hammer­Rarität, eine schwarz lackierte Leica MP, schoss von gut 100.000 Euro in 2011 und 2012 auf über 400.000 Euro im Jahre 2014, um noch im gleichen Jahr wie­ der auf 220.000 Euro abzufallen. Ähnliche Preissprünge gibt es auch im 1000­ bis 10.000­-Euro­-Segment. Für fotobegeister­te Anleger, die, mal von den Summen abgesehen, eher risi­koscheue Schatzbrief­-Anhänger sind, ist das kaum verlockend.

Klar, die Geldanlage in Sachwerte hat ihren Reiz. Dieses dingliche Gefühl von Besitz geben Geldscheine nicht so her, Zahlen auf dem Kontoauszug schon gar nicht. Also, geben Sie sich einen Ruck, nehmen Sie von Ihrem Ersparten einen überschaubaren Betrag und investieren Sie in eine kleine Palette Ihrer persönlichen Kamera­-Raritäten; vielleicht in Mo­delle, die Sie sich früher nicht leisten konnten. Wer heute eine hübsche Nikon F, eine (normale) wunderschöne Leica M3 oder die grazile Olympus OM­1 erwirbt und ab und zu damit spielt, bekommt einen nutzbaren Gegenwert mit vermutlich positiver Verzinsung.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 04/2015 erschienen.

 

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand.  Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.