Die Ergonomie der Kameragriffe

Die Secondhand Kolumne
26.03.2021

Manche Fotografen haben Hände wie Bärenpranken, andere eher Pianistenfinger. Für die angenehme Handhabung von Kameras müsste dies eigentlich gravierende Design-Konsequenzen für die Kamerahersteller haben.

Bei den Käufern stehen vorzugsweise technische Daten im Vordergrund für Kaufentscheidungen, denn Bildqualität ist ihnen heilig, egal ob ihnen dann das Anfassen und Handling der Kamera das gute Gefühl gibt, im wahrsten Sinn des Wortes alles im Griff zu haben.
So ist es nicht verwunderlich, dass ergonomische und haptische Gesichtspunkte von Materialien und Formen bei den Herstellern scheinbar keine große Rolle spielen. Ärgerlich, wenn beim Halten der Kamera Muskelverkrampfung einsetzt, Bedien­elemete von den Fingern nicht erreicht werden können oder Druckpunkte von Tasten nicht spürbar sind. Haptik und Ergonomie müssen kein Widerspruch sein; glattes, wertiges Metall kann durchaus mit ansprechenden griffigen Oberflächen kombiniert werden.

Sport- oder Tierfotografen mit ihren langen Tüten sind dankbar für bequeme Grifflösungen.

Heute unterscheidet sich bei den Kameras mit Wechseloptik das Griff-Design erheblich. Die erfolgreiche Sony Alpha 7-Baureihe hat hinsichtlich der Griffigkeit nicht den besten Ruf, während die Olympus OM-D E-M1-Baureihe zeigt, dass mit einer geschickten Griffgestaltung Kompaktheit und Handling vereinbar sind. Nachträglich angebrachte Griffansätze und -leisten sind doch eher Verlegenheitslösungen, vom Anfassgefühl her nicht optimal und designmäßig eine Katastrophe. Gerade im Bereich der Kompaktkameras gibt es aktuell keine überzeugenden Lösungen. Die haptisch ansprechenden Sony RX100-Modelle sind auch für zarte Finger fummelig zu bedienen, angeklebte Mini-Griffe wirken billig. Manche benötigen eben Masse und Volumen: Sport- oder Tierfotografen mit ihren langen Tüten sind dankbar für bequeme Grifflösungen.

Nun, da die Unterschiede in Sachen Bildqualität innerhalb der einzelnen Kamera-Ligen immer geringer werden, sollten haptische und ergonomische Qualitäten eine größere Rolle spielen. Fotografisches Werkzeug sollte gern benutzt werden.

> hier finden Sie weitere Secondhand-Kolumnen von Winfried Warnke.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.