Kolumne Zollners Zeilen: Aufmacher

Kolumne Zollners Zeilen: Manfred Zollner
Kolumne Zollners Zeilen: Manfred Zollner
© fotoMAGAZIN

Der Preis der Bilder

Zollners Zeilen
08.01.2021

Jedes Foto hat heute seinen Preis – und dieser lässt sich nicht immer in Euro bemessen. Vergessen scheint die Zeit, in der die Menschen erfreut lächelten, als Fremde ihre Kamera auf sie richteten.

Mittlerweile ist das Foto eine Ware geworden, eine Handelsware. Lyrisch gesinnte Bildermacher wie der Regisseur Wim Wenders sprachen vor Jahrzehnten mal davon, ein Foto warte darauf, vom Fotografen gefunden zu werden. Bei der zeitgenössischen Street Photography wartet eher ein Anwalt mit dem drohenden Hinweis auf die DSGVO. Die heutige Rechtssprechung schützt verständlicherweise die Privatsphäre der Abgebildeten und weist die Kreativität der Fotografen in ihre Schranken. Jedenfalls in der westlichen Welt.

Lass mich gut aussehen, dann stehe ich dir gerne
als Model zur Verfügung.

Wenn Kriegsfotografen in Syrien Tote, Schwerverletzte und Trauernde im tiefsten Leid ablichten, können sie dergleichen Bildmaterial noch ohne Weiteres über die bekannten Nachrichtenkanäle global verbreiten. Meist finden sich dann eben keine Anwälte, die schützend gegen eine Veröffentlichung vorgehen. Der Preis des Bildes ist in diesem Fall ein unausgesprochener Rechtsbruch des Fotografen unter dem Deckmantel der Tagesaktualität.
Der Promi-Fotograf zahlt hingegen für sein Foto mit dem Versprechen medialer Verbreitung. Der Staatsmann oder der Superstar aus Hollywood schenken ihm dafür kostbare Zeit aus ihrem eng getakteten Arbeitstag. Der Deal: Die Bilder werden sich später auf dem Cover des New Yorker, des Stern oder von Paris Match finden. Je berühmter der Abgebildete, desto weniger Zeit bekommt der Fotograf meist. Je renommierter das Medium, desto größer erscheint die Chance auf einen Portrait-Termin.
Doch selbst beim Bildnis des Amateurs von seiner Gattin oder Freundin gibt es bei genauerer Betrachtung schon immer ein unausgesprochenes Abkommen: „Lass mich gut aussehen, dann stehe ich dir gerne als Model zur Verfügung.“ Gängige Schönheitsideale und Abbildungsweisen sollten also beim Portrait immer berücksichtigt werden, plant man eventuelle Folge-Sessions.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.