Paradies Gebrauchtmarkt

Warnkes Secondhand-Kolumne
05.07.2016

Der Secondhand-Begeisterte von heute kann sich über imposante Ersparnisse freuen – und zwar viel mehr als noch vor 30 Jahren

Früher war alles besser – zumindest für den Foto-Gebrauchtmarkt stimmt dieses Motto nicht, denn: Früher war hier fast alles teurer! 30 Jahre Secondhand-Guide (früher foMAG-Liste) dokumentieren diese überraschende Aussage.

Gehen wir, um das Erinnerungsvermögen nicht allzu stark zu strapazieren, zwei Dekaden zurück, so finden wir Mitte der neunziger Jahre einen gänzlich anders aufgebauten Fotomarkt vor. Analoge Fotografie beherrscht den Fotoalltag vom Knipser bis zum Vollprofi. Manuellfokus-Legenden, wie die nicht tot zu kriegende Nikon F3, behaupten sich neben der AF-Nikon F4, dem Profi-Highlight von Nikon. Es ist die Epoche der letzten faszinierenden Hightech-Analogen, wie Canon EOS 1(n), Contax RTS III, Leica R7 und Olympus OM-4(Ti).

Analoge Fotografie beherrscht in den neunziger Jahren den Fotoalltag vom Knipser bis zum Vollprofi.

Ein Blick in die foMAG-Liste von 1995: Im Vergleich zu heute war auch auf dem Gebrauchtmarkt das Preisniveau deutlich höher. Berücksichtigt man, dass das durchschnittliche Netto-Gehalt von 1360 Euro im Jahre 1995 auf heutige 1770 Euro gestiegen ist, so wird dieser Trend besonders deutlich. Durch alle Anwendergruppen fallen die Gebrauchtpreise bis auf eine Ausnahme deutlich günstiger aus. Ein Urlaubsfotograf musste für eine gebrauchte analoge Kompakt-Knipse mit Dreifachzoom (Olympus mju-Zoom) vor zwanzig Jahren umgerechnet 110 Euro zahlen, heute bekommt er vergleichbar Digitales (Panasonic FX50) bereits für gut 50 Euro. Für eine Einstiegs-SLR musste er happige 200 Euro hinlegen (Canon EOS 1000 mit 35-80 mm). Das digitale Pendant (EOS 1000D mit 18-55 mm) bringt 2015 gerade mal 100 Euro. Engagierte Amateure können sich freuen: Vergleicht man ein analoges Gehäuse der Nikon F-801 mit der digitalen D300, kommt der Käufer heute über 100 Euro günstiger weg.

Das Preisniveau auf dem Gebrauchtmarkt war vor 20 Jahren deutlich höher.

Bei Objektiven fällt der Vergleich noch drastischer aus: Ein gutes Mittelklasse-Zoom kostet heute gebraucht etwa ein Drittel weniger. Auch die anspruchsvollen Amateure können sich freuen: Ein Vergleich der analogen und digitalen Technologie-Boliden (Canon EOS-1(n) und EOS-1D Mark III) samt anspruchsvollem Objektivpark (2,8/28-70 oder 24-70 mm und 2,8/70-200 mm) führt zu imposanten Ersparnissen für den heutigen Secondhand-Begeisterten. Für dieses Profi-Equipment werden heute über 1000 Euro weniger auf den Tisch gelegt.

Keine Regel ohne Ausnahmen, denn Leica ist teurer geworden. Eine gebrauchte digitale M9 mit 50er Summicron kostet im Vergleich mit einer damaligen M6 mit identischem Objektiv heute fast 1500 Euro mehr. Leica ist elitärer geworden, auch auf dem Gebrauchtmarkt.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe  fotoMAGAZIN 12/2015 erschienen.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand. Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.