Das Bild des Affen

Zollners Zeilen
31.05.2016

Über zeitgenössische Makaken-Fotografie und die Frage um das Copyright

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Affen-Selfie
© Thinkstock / lilkar

Affen gehen nicht vor Gericht. Doch wozu sonst gibt es die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals)? Die hat jetzt tatsächlich in den USA Justitia bemüht und tapfer dafür gekämpft, dass Affen das Copyright für von ihnen geschossene Selfies bekommen. Vergeblich!

Gestritten wurde ganz konkret um das Selbstportrait eines Makaken namens Naruto, das der britische Wildlife-Fotograf David Slater 2011 aus Indonesien mitgebracht hatte. Dort hatte Naruto Slaters unbeaufsichtigte Kamera auf einem Stativ entdeckt, daran eine Weile rumgefingert und das justiziable Selbstbildnis gemacht. Und was für ein Bild das war. Grinst Naruto hier etwa, fletscht er die Zähne, als wüsste er um die Bedeutung seines Bildnisses? Sein treuherziger Blick vor Dschungelgrün ging um die Welt. Und ließ die Menschen allzu Menschliches in dieses Selfie interpretieren. David Slater hat die Aufnahme veröffentlicht. Er war der Meinung, das Copyright läge bei ihm und echauffierte sich nun öffentlich, dass weltweit „sein“ Foto verbreitet wurde und niemand Honorar zahlen wollte. PETA hielt 2015 dagegen. Die „Autorenschaft“ sei nach dem US-Copyrightgesetz entsprechend offen definiert, dass es nicht nur die Spezies Homo Sapien schütze sondern generell einzigartige Werke wie eben dieses Selfie von Naruto.

Grinst Naruto hier etwa, fletscht er die Zähne,
als wüsste er um die Bedeutung seines Bildnisses?

PETA-Anwalt Jeff Kerr vertraute der Huffington Post an: „Das Copyright ist, was den Urheber betrifft eindeutig: Es liegt nicht bei der Person, der die Kamera gehört, sondern bei dem, der das Foto gemacht hat. Der kalifornische Richter William Orrick entschied Anfang Januar in San Francisco dennoch anders. Er fand PETAs Argumente etwas seicht und bestimmte: für Affen gibt es kein Urheberrecht. Eine Hintertür bleibt nach dem Rechtsspruch noch offen. Orrick verweist auf die Entscheidungsträger in der Politik: „Das ist ein Thema für den US-Kongress und den Präsidenten. Falls die anderer Meinung sein sollten, können sie das ändern. Für die zeitgenössische Makaken-Fotografie wird das Urteil wohl folgenlos bleiben. Neue Selfies aus Indonesiens Dschungelgebieten sind uns zumindest nicht bekannt.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 3/2016 erschienen.

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.