Kolumne Zollners Zeilen: Aufmacher

Kolumne Zollners Zeilen: Manfred Zollner
Kolumne Zollners Zeilen: Manfred Zollner
© fotoMAGAZIN

Böse Hashtags

Zollners Zeilen
19.02.2020

Über das Location Hunting im Web und Hashtags, die zum Massenauflauf führen.

Was kann ein Hashtag bei einem Foto schon Schlimmes bewirken? Es ist doch nur ein scheinbar harmloses Wort, beispielsweise der Name eines wunderschönen Fleckens Erde. #GrandCanyon sollte unter normalen Umständen kein großer Aufreger sein. Denken wir uns jetzt ein tolles Foto dazu mit diesem Location-Tag – und schon droht heute Katastrophenalarm in der Fotoszene. Denn plötzlich hat der Gedanke, etwas könne „in Schönheit sterben“ eine bittere neue Bedeutung bekommen.

Bei Instagram kann sich jeder eine permanente Bildersuche nach seinen Lieblings-Hashtags einstellen.

Immer mehr Fotografen versehen ihre Bilder in den sozialen Medien mit Hashtags. Geo-Tagging von Landschaftsfotos wird immer beliebter. Das ist natürlich zuträglich für die Wahrnehmung (und Klickraten) der eigenen Bilder, gibt aber auch den abgebildeten Orten eine enorme Aufmerksamkeit. Selbst international bekannte Fotografen schätzen heute das Location Hunting im Web und bereiten so ihre Trips und ihre künftigen Bildkompositionen vor. Urlauber suchen sich ihre Reiseziele per Internet-Recherche und bei Instagram kann sich jeder eine permanente Bildersuche nach seinen Lieblings-Hashtags einstellen. So tauchen dort ständig die neuesten Ansichten des #GrandCanyon im Foto-Feed auf. Manche Gegenden wissen sich mittlerweile nicht mehr anders zu helfen, als öffentlich dazu aufzurufen, das Location Tagging gänzlich zu unterlassen.

Das Jackson Hole Travel & Tourism Board im US-Bundesstaat Wyoming startete im November 2018 eine Werbekampagne gegen die Verwendung von Tags. „Jedes Mal wenn jemand die erstaunliche Landschaft einfängt und mit einem Hashtag versieht, folgen ihm Menschenmassen“, klärt die Tourismusbehörde auf und fordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit Tags. Anstelle konkreter Geo-Tags bittet sie die Fotografen, aktiv zum Schutz der Wildnis aufzurufen. Dann dürften sie auch gerne weiter ihre Bilder posten. Ein Gedanke, der auch von deutschen Tourismusbehörden aufgegriffen werden sollte. Denn wenn plötzlich alle genau jene Naturbilder nachstellen wollen, die sie toll finden, dann ist die Natur an manchen tollen Orten schnell nicht mehr naturbelassen.

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 2/2019 erschienen.

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.