Blusen für Bunnys: Der Playboy zieht seine Häschen wieder an

Zollners Zeilen
14.03.2016

Hugh Hefner´s Bunnys müssen sich künftig warm anziehen, denn der Playboy entdeckt seine Vorliebe für Damenoberbekleidung

62 Jahre nach seiner Gründung und nach hunderten Akt-Sitzungen mit hübschen Playmates (zu deutsch: Spielgesellinnen) entdeckt der Playboy jetzt tatsächlich noch seine Vorliebe für die Damenoberbekleidung. Seit diesem Monat sollen sich in der US-Ausgabe des Herrenmagazins keine Nackedeis mehr räkeln. Schluss mit der Weichzeichner-Erotik und der weiblichen Freikörperkultur! Busen-Boykott!!

Das Internetzeitalter befriedigt die Lust der
Voyeure längst gratis und anonym.

Was Facebook kann, das soll auch die Zentralstelle der amerikanischen Aktfotografie können. Künftig zieht man die perfekt geformte Traumfrau beim Playboy eben an, nicht aus. Die Kernkompetenz dieser Zeitschrift lag ja ohnehin schon immer im Journalismus und bei tollen Interviews. Zwinker, zwinker. Schon klar. Der Grund für das radikale Umdenken in Sachen Schlüsselreiz-Fotografie ist nicht etwa plötzliche Prüderie oder der Gedanke, derlei Bildmaterial könne als sexistisch empfunden werden. Natürlich wird hier nicht wie beispielsweise bei Facebook und Instagram Nacktheit zensiert. Hugh Hefners Mannen reagieren einfach auf den heutigen Bildermarkt. Das Internetzeitalter befriedigt die Lust der Voyeure längst gratis und anonym. Jede Art von Sex sei heute im Web nur einen Mausklick entfernt – und kostenlos, erklärte Playboy-Chef Scott Flanders im Oktober der New York Times.

Ästhetisch war die Aktfotografie der Bunny-Portfolios ohnehin schon lange im Look der späten Achtzigerjahre verhaftet geblieben. Online verzichtet der US-Playboy übrigens schon seit August 2014 auf seine Nackten. In der Folge soll sich im Web das Durchschnittsalter der Leser von 47 auf 30 verjüngt haben. Jetzt hofft man also, mit bekleideten Playmates auch jüngere Zeitschriftenleser zu erreichen.

In Deutschland will man bislang von dem
US-Verzicht der Nackedeis nichts wissen.

In Deutschland will man von der neuen Kleiderordnung allerdings nichts wissen. Unmittelbar nach Bekanntgabe des US-Verzichts auf Nackedeis meldete sich der deutsche Playboy-Chef Florian Boitin zu Wort. Er will weiter Aktfotos in seinem Magazin zeigen. Vielleicht ist man hierzulande einfach ein wenig verunsichert. Einen zwischenzeitlichen Abschied von Busen-Bildern gab es selbst bei Europas legendärem Pin-up-Kalender von Pirelli. Letztlich hat man sich dort immer wieder für pralle Erotik entschieden.

 

Diese Kolumne ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 12/2015 erschienen.

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.