Back to the Roots: Kameradesign heute

Warnkes Secondhand-Kolumne
07.03.2017

Design ist nicht alles, aber es ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Mensch und Kamera. Dass das Kameradesign von heute eigentlich den analogen Klassikern entspricht, fällt immer mehr ins Auge. Wir haben genauer hingeschaut

Design gibt uns eine emotionale Heimat. Ja, Kameras sind unbestritten Handwerkszeug, Maschinen, die Bilder produzieren. Aber Fototechnik soll auch schön anzuschauen, angenehm anzufassen sein – Ästhetik und Haptik wecken ebenso das Haben-wollen-Gefühl. Gerade die klassischen Kameras manifestieren gutes Design für die Ewigkeit. Olympus‘ neue digitale Pen-F will ganz bewusst hier anknüpfen. Ihr analoges Klassik-Pendant Pen F(T) besticht durch seine Einfachheit der Form als ästhetische Raffinesse.

Grazile Eleganz und handschmeichelnde Kompaktheit wurden mit sicherer Funktion kombiniert.

Seien wir ehrlich: Der Kamera-Gebrauchtmarkt bezieht wichtige Impulse besonders aus dem ansprechenden Äußeren, dem ästhetischen Reiz, kombiniert mit dem Gefühl der Wertigkeit und Langlebigkeit. Diese Schätzchen werden oft zum Spielen und Befühlen gekauft. Die Vitrine ist ihre Heimat, nicht das raue Foto-Schlachtfeld. Klassiker sind gefragt, im Gegensatz zu vielen Analog-Oldies steigen ihre Preise. Olympus war schon immer gut in Formgebung.

Der begnadete japanische Chef-Konstrukteur und Formgeber Yoshihisa Maitani war Schöpfer der legendären SLR Olympus OM-1, der vielleicht schönsten Spiegelreflex, die produziert wurde: Grazile Eleganz und handschmeichelnde Kompaktheit wurden mit sicherer Funktion kombiniert. Auch das Colani-Produkt Canon T90 vermittelt, dass Technik und weiche Formen sich nicht widersprechen müssen. Diese technisch anspruchsvolle Kamera wurde zum Design-Maßstab für fast alle heutigen DSLRs, nur ist sie viel konsequenter und hübscher.

Design ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Kamera auf allen Ebenen.

Wer die 8x11-mm-Silberlinge von Minox einmal in die Hand nahm, gab sie nicht wieder her. Form und Feeling sind einmalig, unaufdringlich und einfach schön. Design mit Inhalt, eben nicht nur Dekoration. Dass nicht jede Design-Rückbesinnung durchschlagenden Erfolg haben muss, dokumentiert vielleicht die Nikon DF. Ja, Drehräder sprechen mehr an als Tasten, doch die Anzahl schießt dann wohl über das Ziel hinaus. „Form follows function“ heißt ja gerade nicht, dass sich Design unterordnen muss. Design ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Kamera auf allen Ebenen. Das Gefühl Fotoapparat ist eben mehr als ein auf Ergonomie getrimmter Computer mit Linse.

 

Dieses Interview ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 04/2016 erschienen.

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Über den Autor
Winfried Warnke

Vermutlich kennt niemand den Kamera-Gebrauchtmarkt in Deutschland besser als unser Kolumnist und Autor Winfried Warnke: Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit Schätzen aus zweiter Hand.  Einmal im Jahr erstellt er für das fotoMAGAZIN den Secondhand-Guide, auch als FOMAG-Liste bekannt. Für unser Technik-Forum schreibt er in jeder Ausgabe die Second-Hand-Kolumne.