Josef Hoflehner

12.07.2010

Er liebt schlechtes Wetter und kalte, verlasssene Orte. Josef Hoflehner findet dort mit seinen schwarzweißen Langzeitbelichtungen magische Landschaften und dramatische Naturgewalten. Kein Wunder, dass der österreichische Autodidakt zum internationalen Star der Fine Art-Fotografie geworden ist

Es gibt sie tatsächlich, die Fotografen, die selbst tausendfach abgelichteten Motiven immer noch neue Blickwinkel und eine neue Vision abzuringen vermögen. Natürlich kennen wir San Franciscos Golden Gate Bridge. Dachten wir. Dann zeigte uns Josef Hoflehner seine Sicht des Bauwerkes im Nebel: eine Langzeitbelichtung, aufgenommen mit seiner Hasselblad-Kamera. Der Ozean ist wie so oft bei Hoflehners Motiven mit einer langen Aufnahmezeit zum milchigen Mysterium verschwommen, eine weiße Decke aus Wasser und Gischt, die die schwarzen Felsen der Bucht von San Francisco umso dramatischer zur Geltung bringt. 

Man kennt diesen Effekt, etwa von fotografierten Landschaftsveduten des 19. Jahrhunderts, als die Kameratechnik nur Langzeitbelichtungen ermöglichte. Wie das Wasser weht auch Nebel durchs Bild und verdeckt Teile der kalifornischen Brückenarchitektur. Hier muss ein Fotograf warten, bis die prägnanten Motive fragmenthaft erkennbar sind.

Hoflehner hat natürlich eben diesen Augenblick gefunden und sein Bild als harmonisches Zusammenwirken von Natur und Architektur aufgebaut. Seine Stärke ist die strukturelle Analyse eines Ortes im kontrastreichen Schwarzweiß, ob das nun eine moderne Megalopolis wie Dubai ist oder eine verlassene Insel am Ende der Welt. Schwarzweiß lässt mir mehr Raum zur Interpretation, bis hin zur vollständigen Abstraktion, sagt der österreichische Bildermacher, um dessen Fine Art-Meisterwerke heute dreizehn Top-Galerien rund um den Globus buhlen.

Die Kunst der Reduktion 

Die Reduktion des Bildinhaltes auf graphische Elemente ist mir oft wichtiger als eine detaillierte oder realistische Darstellung. Josef Hoflehners Aufnahmen sind ruhige, oft meditative Annäherungen an die Struktur der Welt, die heute nur zu oft in grellbunten, schreienden Farben festgehalten wird. Gerade in dieser Zeit hat ein gutes Schwarzweißbild einen besonderen Stellenwert, weiß der in Wels geborene Österreicher, einer der bildgewaltigsten Künstler der Schwarzweißfotografie unserer Tage.

Der Autodidakt fokussiert wie ein japanischer Tuschemaler auf die Essenz der Schönheit  einer Landschaft und entdeckt  dabei skulpturale Elemente in der Natur ebenso wie im wüstesten urbanen Moloch. 

Mit Zwanzig hat der heute 54-jährige zu fotografieren begonnen und früh einen Nikon-Award gewonnen. Das motivierte den Quereinsteiger. Fotografischen Übereifer konnte man seiner Familie nicht vorwerfen: nach eigenem Bekunden wurden im Hause Hoflehner einst Weihnachtsfeiern aus drei Jahren auf einer Rolle Film verewigt!  Umso besessener arbeitet der Fotokünstler heute, der neue Reisen und Projekte bis weit ins Jahr 2011 in Planung hat und dieser Tage bereits seinen zwölften Bildband veröffentlichte. 

Fotograf sei der einzige Job, in dem er sich von Anfang an wohlfühlte, verriet der Bildermacher mal in einem Interview. Heute ist er fast ein Drittel des Jahres unterwegs und seine Heimat kommt ihm bei jeder Rückkehr noch ein wenig kleiner vor. Welche Orte fesseln einen unermüdlichen Globetrotter wie ihn noch? Irgendwie sind es die scheinbar trostlosen Gegenden, die mich besonders beeindrucken, sagt Josef Hoflehner. Der für mich faszinierendste Ort ist diese riesige Fläche aus Eis und  Schnee, das Ross-Schelfeis in der Antarktis. Manfred Zollner 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.