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Aufmacher Scott Gray
© World Photography Organisation

Scott Gray

"Unsere Aufgabe ist es, Fotografen zu fördern"
04.10.2017

Der Gründer und CEO der World Photography Organisation Scott Gray über seine Gedanken zu den Sony World Photography Awards, deren Erfolgsgeschichte und künftige Herausforderungen für den erfolgreichen Fotowettbewerb

 

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Scott Gray

Scott Gray

© World Photography Organisation

fotoMAGAZIN: Wie sind Sie vor etwa zehn Jahren auf die Idee gekommen, die World Photography Awards zu initiieren?
Scott Gray: Ich liebe die Fotografie, jedoch eher als Sammler. Ich war also wieder mal auf der Suche nach guter Fotografie – und konnte nichts finden. Es ist jetzt zehn bis zwölf Jahre her, dass ich diese Idee hatte. Wir befanden uns mitten in der digitalen Revolution und ich fragte mich, ob das nicht die Gelegenheit sein könnte, einen neuen internationalen Maßstab für Fotografie zu schaffen.

fM: Wollten Sie so etwas wie die Oscars der Fotografieins Leben rufen?
Gray: Ganz genau. Ich hatte das Gefühl, dass wir das machen sollten. Ich habe darüber mit vielen Leuten gesprochen und mir eine kompetente Award-Jury gesucht. Das war mein Traum: Lasst uns die Oscars der Fotografie vergeben! Wir wollen Künstlern und Fotografen neue Möglichkeiten bieten. (Der Hauptsponsor) Sony hat sofort an das Konzept, an unsere Leidenschaft für die Idee geglaubt.

fM: Welcher Zeitraum war Ihrer Meinung nach nötig, bis sich das Ganze richtig entwickeln würde?
Gray: Wir hatten die Idee, dass sich das bis zu einer gewissen Größenordnung entwickeln wird, doch diese Vorstellung wurde sehr schnell übertroffen. Natürlich waren wir sehr glücklich darüber, wie schnell alles aufgenommen worden ist. Das zeigt eigentlich nur, wie vielen Menschen die Fotografie gefällt. Es ist ja nicht so, dass ich hier etwas Besonderes gemacht hätte. Die Leute lieben die Fotografie. Sie beschäftigen sich damit, haben immer ihre Smartphones dabei, sie besitzen Laptops. Wir sind es gewöhnt, Fotos zu konsumieren, aber auch selbst zu fotografieren. Wenn du dann auch noch gute Fotos siehst, dann kann dich das richtig inspirieren.

Das war mein Traum: Lasst uns die Oscars der Fotografie vergeben!

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Scott Gray: Awards Night

Scott Gray, Sony World Photography Awards

© World Photography Organisation

fM: Inwiefern können Sie die Qualität der Arbeiten beeinflussen, die Sie bei den World Photography Awards erhalten? Lässt sich hier etwas durch die Besetzung der Jury beeinflussen oder eher durch die Auswahl der Gewinnerfotos?
Gray: Das ist überhaupt die größte Herausforderung! Große Teilnehmerzahlen sind schön, doch wir wollen Qualität. Daran arbeiten wir sehr hart. Wir sprechen mit Galeristen, Agenturen, Institutionen – mit vielen Leuten, weil wir deren Fotografen in unser Programm holen möchten. Zudem besetzen wir die Jury mit Experten, die wirklich etwas von der Fotografie verstehen. Es müssen viele Bilder gesichtet und selektiert werden. Dann wählen wir die Gewinner der einzelnen Kategorien. Ganz am Ende dieses Prozesses selektiert der und die Vorsitzende der Jury den Gesamtsieger – auf Basis der Qualität der Fotos, und nicht aufgrund der Geschichte, die uns diese Bilder erzählen!

fM: Die Sterbehilfe-Serie von Sabine Cattaneo (Gewinnerin der Kategorie „Konzept“) in diesem Jahr hätte überhaupt nicht ohne die Begleittexte funktioniert ...
Gray: Aber das sind Dinge, die wir sehen wollen. Wir wollen gute Geschichten sehen, die gut fotografiert wurden. Hoffentlich werden die Jurymitglieder auch jedes Jahr besser.

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PHOTOFAIRS Shanghai 01

PHOTOFAIRS Shanghai

© World Photography Organisation

fM: Haben Sie versucht, den Foto-Kurator des Tate Modern und des V&A in Ihre Jury zu bekommen oder zögern diese noch bei diesem Wettbewerb?
Gray: Nein, überhaupt nicht. Wir arbeiten tatsächlich mit vielen Museen zusammen. Uns ist es allerdings wichtiger, dass die Galerien bei uns künftig ihre Fotografen finden. Wir wollen, dass auch Ihre Leser hier Bilder einreichen. Es geht uns schlichtweg darum, gute Fotografen aus aller Welt zu finden. Schließlich gibt es heute mehr Bildermacher als je zuvor. Und wie wird ein Fotograf bekannt, wie bekommt seine Karriere einen Schub? Durch Initiativen wie diese!

Große Teilnehmerzahlen sind schön, doch wir wollen Qualität. Daran arbeiten wir sehr hart.

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PHOTOFAIRS Shanghai

© World Photography Organisation

fM: Welche Erfolgsgeschichten kommen Ihnen bei Ihrem Wettbewerb sofort in den Sinn?
Gray: Wir hatten Studenten, die ein Master-Stipendium in New York bekamen, es gab Professionals, die eine Galerie gefunden haben, und Amateure, die zu Profis wurden. Wir hatten Amateure, die von Magnum aufgenommen wurden. Es gibt wirklich viele Erfolgsgeschichten. Nehmen wir Maroesjka Lavigne, die letztes Jahr in der Kategorie „Landschaft“ mit dem wunderschönen Nashorn-Foto gewonnen hat. Durch die Presseberichte nach ihrem Gewinn wurde sie in den USA bekannt und hat dort jetzt eine Galerie, die sie vertritt.

fM: Mir fällt hier Cristina de Middel ein. Ihr Afronauts-Bildband war bereits Kult, doch ihre Prints habe ich erstmals hier im SWPA-Wettbewerb gesehen ...
Gray: Sie hat gewonnen und in der Presse jede Menge Resonanz bekommen. Das ist genau das, was Fotografen brauchen: Sie brauchen mehr Publicity.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.