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Oskar Smolokowski im exklusiven fM-Interview:Aufmacher
© The Impossible Project

Oskar Smolokowski

"Impossible-Filme bald günstiger."
27.10.2016

Er ist erst 26 Jahre jung und schon CEO von The Impossible Project: Oskar Smolokowski spricht in unserem exklusiven Interview über geplante Preissenkungen und den aktuellen Trend zur Sofortbildfotografie

 

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Oskar Smolokowski: Der CEO von The Impossible Project im exklusiven fM-Interview

Oskar Smolokowski: Der CEO von The Impossible Project verrät im exklusiven fM-Interview die nächsten Schritte des Sofortbild-Herstellers

© Harriet Browse

Der Raum, in dem wir uns mit dem CEO von The Impossible Project treffen gleicht einer Besenkammer: es ist eng, unglaublich warm und um uns herum tobt der photokina-Messetrubel. Uns gegenüber sitzt Oskar Smolokowski (26), Sohn des Milliardärs und Großinvestors Wiacezlaw „Slava“ Smolokowski. Der gebürtige Warschauer hat Mechanical Engineering und Liberal Arts studiert und entdeckte die Sofortbildfilme der Legende nach vor vier Jahren in einem New Yorker Impossible Project-Store. Kurz darauf überzeugte er seinen Vater, in die Firma zu investieren (Slava Smolokowski ist heute Hauptaktionär). Noch im gleichen Jahr kam Oskar als Assistent von Florian Kaps nach Wien. Nach dem Weggang des Firmengründers Kaps wurde er 2015 der neue Chef von Impossible in Berlin. In unserem exklusiven Interview kündigt Oskar Preissenkungen seiner Sofortbildfilme an und spricht über die aktuellen Neuentwicklungen auf dem Markt der analogen Fotografie.

fotoMAGAZIN: Herr Smolokowski, wie hat sich The Impossible Project entwickelt, seit sich Florian Kaps aus der Firma zurückgezogen hat?
Oskar Smolokowski: Die grundsätzliche Strategie der Firma hat sich nicht verändert. Wir wollen immer noch das Gleiche, aber ich bin ja auch nicht der direkte Nachfolger von Florian Kaps. Letzten Endes versuchen wir hauptsächlich, unseren Film dahingehend zu verbessern, dass die Entwicklungszeit möglichst kurz gehalten werden und er zu einem günstigeren Preis angeboten werden kann. Dafür müssen wir zunächst die Chemie unter Kontrolle kriegen. Und wir möchten eine weitere, günstigere Kamera rausbringen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg: Es ist nur wirklich schwer, diesen Film herzustellen und die Prozesse dauern länger, als man sich vorstellen kann.

Jetzt gelangen wir an einen Punkt, an dem alles rentabel wird. Weil wir die einzige Firma neben Fujifilm sind, die in der Lage ist, Integralfilm zu produzieren. Im Gegensatz zu Fujifilm haben wir das Originalformat.

fM: Es gab eine Zeit, in der sich Impossible Polaroid angenähert hat und sogar ein gemeinsamer Film in Planung war. Am Ende klappte das dann leider doch nicht: Besteht die Möglichkeit, dass der Name Polaroid eines Tages wieder bei einem Ihrer Sofortbildfilme auftaucht oder ist das Thema ein für alle Mal durch?
Smolokowski: Wir haben eine nette und offene Beziehung zu Polaroid und sind regelmäßig im Gespräch miteinander. Aktuell konzentrieren wir uns doch eher auf Impossible als reine Impossible-Marke. Ich würde jedoch niemals nie sagen …

Wie man an den Instax-Filmen und -Kameras von Fujifilm sehen kann, ändern sich die Dinge jeden Tag, weil dieser Bereich der einzige in der Fotografie ist, in dem wir ein ernstzunehmendes Wachstum verzeichnen. Dass Fujifilm seinen Instax nun um ein quadratisches Format ergänzt, bestätigt uns nur: In den letzten acht Jahren haben wir immer wieder gesagt, dass die Instant-Fotografie ein interessanter Bereich ist, und dass das Sofortbild die einzige Sache ist, die das Smartphone wirklich überleben wird. Natürlich wird es für Profis auch weiterhin Kameras geben, für den Durchschnittsverbraucher gibt es jedoch immer weniger Gründe, warum er eine eigene Kamera braucht. Jetzt bekommen wir Bestätigung von Fujifilm, die unser Format (den Sofortbildfilm) kopieren, und von Leica, die sich jetzt ebenfalls in die Sofortbild-Welt vorwagen.

fM: Hat Leica mit Ihnen mal über eine Kooperation gesprochen?
Smolokowski: In der Zeit von Florian Kaps bei Impossible gab es Gespräche, aber aktuell nicht. Mit uns wird eine Zusammenarbeit erst dann richtig interessant, wenn der Film wirklich schnell ist und wir über den potenziellen Preis sprechen können.

fM: Welches Preisniveau peilen Sie an?
Smolokowski: Ich verkünde jetzt keine neue Preisgestaltung, weil das noch ein bisschen zu früh wäre. Wir sind momentan jedoch dabei, eine Strategie zu entwerfen und müssen unseren Job ordentlich machen. Den Preis werden wir jedoch definitiv senken. Ob das nun um 20 oder 50 Prozent ist, werden wir dann sehen. Alles was ich Ihnen jetzt sagen kann: dies wird voraussichtlich im nächsten halben Jahr passieren.

fM: Können Sie uns Zahlen nennen, wie sich der Markt für Sofortbildfilme entwickelt?
Smolokowski: Nichts, was Sie nicht ohnehin schon wissen. Wir haben ein jährliches Wachstum von etwa 20 Prozent, ausgehend von etwa einer Million verkauften Stückzahlen unserer Filme. Aber die wirklich verrückten Zahlen – von denen, die den Weg ebnen – kann Fujifilm vorweisen. Die sind mittlerweile größer, als Polaroid es war. Auch wenn ihr Produkt in vielerlei Hinsicht kein sonderlich schönes ist, trifft es genau den Punkt: Es hat eine großartige Chemie, es ist schnell und präzise. Lustig, dass dieser Gigant, der mehr Filme produziert, als Polaroid es damals tat, trotzdem immer noch unser Tun beobachtet.

 

fM: Wird es am Ende sogar gut für Sie sein, dass es noch einen anderen Wettbewerber gibt?
Smolokowski: In Bezug auf Konkurrenz befinden wir uns immer noch in einer besseren Position als viele andere Firmen, weil wir lediglich einen einzigen Mitbewerber haben.

fM: Vielleicht sorgt der ja sogar für wichtige öffentliche Aufmerksamkeit. Wenn Sie ganz allein in einer kleinen Nische wären …
Smolokowski: Absolut. Grundsätzlich wird das einen positiven Effekt haben. Fujifilm ist ein kluger Wettbewerber. Die haben viel Geld und gehen sehr klug vor. Es wird interessant: Wir spielen jetzt in der Riege der ganz Großen mit!

fM: Wie weit planen Sie mit Ihren Produkten voraus? Smolokowski: Aktuell arbeiten wir mit einem Drei- bis Fünfjahresplan.

fM: Und wie lange wird es dauern, bis Sie dunkle Schwarztöne in Ihren Schwarzweißfilmen haben werden?
Smolokowski: Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem Schwarzweißfilm und den dunklen Tönen, abgesehen davon, wie er bei Feuchtigkeit oder Hitze altert. Das würde ich noch beheben. Ich denke, die Töne sind wirklich sehr schön. Aber wir werden sie definitiv noch verbessern. Der Farbfilm ist allerdings wesentlich komplexer und aktuell stecken wir all unsere Energie in die Weiterentwicklung der bunten Variante.

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Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln: geschossen mit der Polaroid SX-70 und dem Color Instant Film für selbige Kamera

Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln: geschossen mit der Polaroid SX-70 und dem Color Instant Film für selbige Kamera

© Anne Schellhase

fM: In der Anfangszeit der Firma gab es eine Art Star-System, das auf die Zusammenarbeit mit bekannten Fotografen setzte. Werden Sie das wieder aufgreifen?
Smolokowski: Ja, wir arbeiten noch immer mit Fotografen und einigen Prominenten zusammen.

fM: Arbeitet Nobuyoshi Araki noch für Sie?
Smolokowski: Tatsächlich habe ich Araki gerade letzte Woche getroffen.

fM: Und wer ist noch dabei?
Smolokowski: Wir arbeiten außerdem zum Beispiel mit Jack White, Tim Barber ... und vielen anderen!

fM: Bei Ihrer Arbeit geht es nicht allein um Filme, sondern auch viel um Emotion: Man kauft nicht nur einen Film, sondern immer auch eine Philosophie, oder?
Smolokowski: Ja, absolut! Man muss schon ziemlich verrückt sein, um im Augenblick unseren Film zu benutzen … Aber ich denke, wir haben ein paar wirklich tolle Leute, die das tun. Mich eingeschlossen. Es ist eine Herausforderung mit großem Suchtpotenzial, schöne Ergebnisse zu erzielen. Die Philosophie ist: Je mehr du reinsteckst, desto mehr kriegst du auch raus.

Unser Technischer Direktor war in gleicher Position bei Polaroid. Wir haben also noch immer das gleiche Können und wir kennen die Materie, haben jedoch mit einem anderen Problem zu kämpfen: Wir leben in einer anderen Zeit mit anderen Regeln.

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Selbstportrait von Fotografin Tamara Skudies aus Landshut: geschossen mit der SX-70 Sonar und dem dazugehörigen B&W Instant Film

Selbstportrait von Fotografin Tamara Skudies aus Landshut: geschossen mit der SX-70 Sonar und dem dazugehörigen B&W Instant Film. Die Filmfehler wirken bei dieser Aufnahme besonders charmant

© Tamara Skudies

fM: Wie viele Millionen haben Sie bis heute reingesteckt?
Smolokowski: Zu viele. Millionen Stunden kann ich Ihnen sagen. Unsere derzeitige Lage ist interessant. Es war teurer bis hierher zu kommen, als wir dachten und es hat deutlich länger gedauert. Zeit ist Geld. Jetzt gelangen wir an einen Punkt, an dem alles rentabel wird. Weil wir die einzige Firma neben Fujifilm sind, die in der Lage ist, Integralfilm zu produzieren. Im Gegensatz zu Fujifilm haben wir das Originalformat und sie die Kopie.

fM: Stellte es sich anfangs als großes Problem dar, dass Polaroid in Besitz der ganzen Sofortbild-Patente war?
Smolokowski: Das ist nicht ganz richtig, selbst wenn viele das denken. Der Grund, warum wir keine Polaroid-Filme mit der alten chemischen Rezeptur machen, hat nichts mit Patenten zu tun. Die richtige Antwort wäre so lang und langweilig, dass keiner sie hören will. Polaroids Chemie funktionierte nur im Zusammenspiel mit bestimmten Firmen: Es gab Subunternehmen, die Polaroid an sich gebunden hatte. Firmen, die lediglich eine einzige Chemikalie für sie hergestellt haben. Als dann das Polaroid-Geschäft verschwand, haben diese Firmen ihre Maschinen und ihr Know-how vernichtet.

fM: Der Firmengründer Florian Kaps hat doch für Impossible dereinst eine der alten Polaroid-Fabriken in den Niederlanden gekauft?
Smolokowski: Ja, die hatten eine Maschine von hunderten. Jene Maschine, die alle Teile zusammensetzte. Darum interessiert diese Geschichte heute auch niemanden – weil sie wirklich kompliziert ist. Selbst wenn man eine Chemikalie des Polaroid-Sofortbildfilms herstellen könnte, wäre das nur die Rekonstruktion eines Bestandteils. Eine dieser Chemikalien darfst du heute zum Beispiel gar nicht mehr verwenden, weil die Auflagen zu hoch sind. Dann gibt es obendrauf noch Umweltauflagen, sodass weitere Elemente der Originalrezeptur wegfallen. Also mussten wir alles neu konzipieren. Und deswegen hat es so lange gedauert.

fM: Haben Sie nicht auch einige der alten Polaroid-Ingenieure angestellt?
Smolokowski: Unser Technischer Direktor war in gleicher Position bei Polaroid. Wir haben also noch immer das gleiche Können und wir kennen die Materie, haben jedoch mit einem anderen Problem zu kämpfen: Wir leben in einer anderen Zeit mit anderen Regeln.

fM: Wie viele Menschen arbeiten heute für Impossible?
Smolokowski: Um die 130.

fM: Ist die Belegschaft gewachsen?
Smolokowski: Die Belegschaft ist wahnsinnig gewachsen. Das war auch nötig, um die Produktion ordentlich abzuwickeln und die Qualität zu sichern. Hinzu kommt: Wir haben eine deutlich alternde Belegschaft. Aus diesem Grund mussten wir schon jetzt an die nachfolgende Generation denken und einige Positionen doppelt besetzen.

fM: Und auf welche Altersgruppen zielen Sie mit Ihren Produkten ab?
Smolokowski: Die Altersgruppen, die am meisten bei uns kaufen, sind die Mittzwanziger und Mittdreißiger. Auch bei der jüngeren Generation gibt es jede Menge Begeisterung, aber das Ganze ist oft einfach teuer.

fM: Das ist das Hauptproblem von Impossible?
Smolokowski: Es ist so ziemlich das einzige Problem.

fM: Haben Sie mal untersucht, wieviel die Menschen für einen Polaroid-Film zu zahlen bereit sind?
Smolokowski: Wir haben bisher nicht viele Recherchen betrieben, doch wir ziehen das durchaus in Erwägung.

fM: Auf der nächsten photokina werden Sie also schon einen Schritt weiter sein?
Smolokowski: Wir werden hoffentlich drei Schritte weiter sein.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.