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Fotograf Jasper Doest
Fotograf Jasper Doest FOTO: © MANFRED ZOLLNER

Jasper Doest

Bilder eines besonderen rosa Vogels
08.01.2020

Als ein Flamingo, der unter Menschen lebt und als Botschafter in Schulen unterwegs ist, führt Bob ein etwas anderes Leben als seine Artgenossen. Den besonderen Alltag des Vogels hält Fotograf Jasper Doest auf seinen Bildern fest.

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Bob der Flamingo fotografiert von Jasper Doest in der Küche

Am Ende eines langen Tages in ihrer Tierarztpraxis macht Odette in Begleitung von Bob und Willy, einem zweijährigen frei fliegenden Ara ein Abendessen. Odette und ihr Sohn teilen sich ihr Zuhause mit neun Katzen und zehn Hunden. Bob ist von seinen Mitbewohnern unbeeindruckt.

© Jasper Doest, Netherlands, 1st Place, Professional, Natural World & Wildlife (Professional), 2019 Sony World Photography Awards

Die Geschichte von Bob dem Flamingo beginnt mit einem tragischen Unfall. Eines Tages flog Bob auf der Karibikinsel Curaçao frontal gegen die spiegelnde Glasscheibe eines Hotelfensters und verletzte sich dabei schwer. Die Tierärztin Odette Doest, die auf der Insel eine Reha-Station für verletzte Tiere und die Wohltätigkeitsorganisation Fundashon Dier en Onderwijs Cariben (FDOC) betreibt, nahm den Vogel bei sich auf. Unter anderem auf Grund seiner Verletzungen konnte das Tier nicht mehr ausgewildert werden. Bob der Flamingo lebt heute völlig zahm unter Menschen. Und Odettes Cousin Jasper Doest hat ihn über Nacht zum berühmtesten Flamingo der Welt gemacht. Der niederländische Fotograf fotografierte den surrealen Alltags des Vogels und gewann mit seiner Reportage über das neue Leben des Flamingo-Botschafters Bob den ersten Preis der Kategorie „Natur und Wildlife“ bei den Sony World Photography Awards 2019 in London. Wir sprachen mit Jasper am Tag nach der Preisverleihung. 

fotoMAGAZIN: Zu welchem Zeitpunkt wussten Sie, dass die Geschichte von Bob, dem zahmen Flamingo eine gute Fotoreportage werden könnte?
Jasper Doest: Ich war tatsächlich ursprünglich nur auf die Insel gekommen, um die Flamingos und andere Tiere für die tierärztliche Praxis meiner Cousine zu fotografieren, die dort arbeitet. Es war überhaupt nicht mein Plan, dort eine Reportage zu fotografieren und so versuchte ich zunächst nur, ein paar gute Einzelbilder zu bekommen. Meine Cousine hatte mir vorab etwas von diesem Flamingo geschrieben und ich dachte mir lediglich, das könnte ein leicht zu realisierendes Portrait werden. Dann wachte ich am Tag nach meiner Ankunft auf, als der Flamingo gerade in mein Schlafzimmer spazierte. Ich fing natürlich sofort an, ihn zu fotografieren. Zwar sah ich gleich eine größere Story, hatte aber beim ersten Besuch nicht die Zeit, dort so in die Tiefe zu gehen, wie ich wollte. Deshalb bin ich noch dreimal angereist, um all die Elemente herauszuarbeiten, die diese Reportage benötigte.

fotoMAGAZIN: Ist Bob bereits ein Star auf Curaçao?
Jasper Doest: Er wird langsam ein Star, wir haben ihn über die Sozialen Medien zum Star gemacht. Instagram hatte einen großen Einfluss darauf.

fotoMAGAZIN: Hat Bob mittlerweile seine eigene Instagram-Seite?
Jasper Doest: Nein, ich lasse das noch immer über meine Seite laufen, denn ich denke, ich habe noch nicht genug Material, um eine Bob-Seite am Laufen zu halten. Viele Leute bitten mich jedoch dieser Tage, etwas aufzubauen. Solch eine Seite könnte also durchaus noch kommen.

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Bob der Flamingo fotografiert von Jasper Doest in der Toilette

Bob geht durch den Flur, am Badezimmer vorbei, zurück in sein Zimmer. Dieses teilt sich der besondere Flamingo mit anderen geretteten Vögeln.

© Jasper Doest, Netherlands, 1st Place, Professional, Natural World & Wildlife (Professional), 2019 Sony World Photography Awards

fotoMAGAZIN: Sie sagen, Bob der Flamingo sei heute eine Art Botschafter. Was bringt diese Aufgabe mit sich?
Jasper Doest: Er besucht zusammen mit meiner Cousine Schulen. Er und andere Vögel, die nicht mehr ausgewildert werden können und relativ zahm sind kommen dann in die Klassenzimmer. Meine Cousine berichtet den Kindern, wie man Tiere richtig schützt und mit ihnen umgeht. Daneben hat Bob noch eine wichtige Rolle bei der Reha anderer Flamingos übernommen.

fotoMAGAZIN: Bob hat also mittlerweile tägliche feste Arbeitszeiten?
Jasper Doest: Nicht täglich. Sie besuchen vielleicht einmal pro Woche Schulen. Meine Cousine gibt ihm immer genug Zeit und Raum, um draußen ganz der Flamingo in der Natur zu sein. Sie hat einen Swimming Pool mit Salzwasser-Becken vors Haus gebaut. Den habe ich auch für meine Reportage fotografiert. Dort können sich Bob und die anderen Flamingos aufhalten, wenn ihnen danach zumute ist. Überhaupt: Sie können sich völlig frei im ganzen Haus bewegen oder rausgehen.

fotoMAGAZIN: Denkt Bob noch immer, er sei ein Flamingo?
Jasper Doest: (lacht) Ich hatte nie die Gelegenheit, ihn zu fragen. Er verhält sich jedenfalls so wie jeder andere Flamingo.

fotoMAGAZIN: Glauben Sie das wirklich? Es sieht ehrlich gesagt nicht so aus, wenn wir ihn auf Ihren Fotos beispielsweise direkt neben einer Katze vorfinden.
Jasper Doest: Meine Cousine Odette hat drei Flamingos und Bob ist der Zahme in dieser Runde. Die Katzen im Haus haben definitiv mehr Angst vor den Vögeln als umgekehrt. Das hat mich sehr überrascht. Auf einem meiner Bilder stolzierte Bob gerade in die Küche, als die Katzen ihre Mahlzeit zu sich nahmen. Und du siehst richtig, wie eine Katze ihn anstarrt, als ob sie ihn fragen wollte: Was machst du hier, warum störst du mich?  Ich esse gerade! Generell glaube ich, dass Flamingos keine sonderlich große Angst vor anderen Tieren zeigen – abgesehen von uns Menschen.

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Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.