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© Anne Schellhase

#welovehh-Gründer Sebastian Timm

Allerhand Tipps vom Instagram-Profi
11.06.2016

Social Media-Berater Timm über seine erste Instagram-Ausstellung, das Vereinen von Hobby und Beruf und das Schenken von Zeit

 

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Die Initiatoren und Kuratoren Sebastian Timm (links) und Steffen Thiel (rechts)

© Anne Schellhase

"Ich liebte ein Mädchen auf Instagram, bis sie ohne Filter nach Hause kam." Filter hin, Filter her: Zahlreiche Instagrammer bringen ihre Liebe zur Hansestadt schon lange bei Instagram zum Ausdruck und noch viel mehr Hashtags rund um Hamburg existieren inzwischen. Dabei gibt es einen Hashtag, der rund 430.000 Bilder ziert und mittlerweile zum zweitgrößten inoffiziellen Städte-Hashtag avanciert ist: #welovehh.

Um die Perlen dieser vielen Bilder sichtbar zu machen, organisierte Sebastian Timm, Social Media-Berater und Gründer des gleichnamigen Instagram-Accounts @welovehh, seine #weshowhh Gallery im Hamburger Oberhafenquartier. Gezeigt werden 200 Exponate unterteilt in zehn Kategorien: Neben den Hotspots, dem Hafen, der U-Bahn und dem Hamburger Dom lassen sich außerdem Beiträge zur Architektur, den Menschen und Streetart finden. Ja, sogar Fotografien von Pfützen, Türen und Treppenhäusern der Stadt finden auf rund 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche Platz. Herausgekommen ist die Essenz kreativen Schaffens von rund 120 Instagrammern, die noch bis zum 18. Juni in der Film Fabrique im Oberhafenquartier begutachtet werden kann. Ausgesucht und betreut von zehn Paten, die selbst aktiv in dem beliebten Netzwerk unterwegs sind.

Wir haben uns auf der Ausstellung umgesehen, ein paar Worte mit dem erfolgreichen @welovehh-Gründer gewechselt und ihm den ein oder anderen Tipp für erfolgreiches Instagrammen entlockt – immerhin betreibt er mit rund 31.000 Followern einen der erfolgreichsten Accounts der Stadt. Doch lesen Sie selbst.

Interview: Anne Schellhase

fotoMAGAZIN: Dein Instagram-Account @welovehh verzeichnet inzwischen über 1.700 Beiträge. Siehst du Hamburg mit anderen Augen, seit du diesen Account betreibst?
Sebastian Timm: Ich komme auf jeden Fall mehr rum. Es liegt wahrscheinlich nicht nur an Instagram, sondern an meiner Leidenschaft für Smartphone-Fotografie selbst, dass ich immer gucke, ob sich ein Motiv für Instagram eignet.

Heutzutage geht es vor allem um Zeit. Wenn es ein Bild schafft, dass andere ihre Zeit damit verbringen dieses  anzuschauen, dann ist das Bild ein wirklich gutes Bild.

fM: Sowohl deinen privaten Account @s_timmung als auch @welovehh verfolgen unglaublich viele Menschen. Wie schafft man es, so viele Follower zu generieren?
Timm: Ich habe ungefähr drei Wochen nach dem Start von Instagram 2010 angefangen, dort aktiv zu sein. Bis vor wenigen Monaten war es dort so, dass besonders aktive Accounts von Instagram ausgewählt und auf eine Liste gesetzt wurden, die sogenannte Suggested User-Liste. Damit wurde neu registrierten Usern eine Auswahl an Accounts vorgeschlagen wurde. Und auf dieser Liste war ich dreimal zu finden.

fM: Seit 2010?
Timm: Ja, seit 2010. Und dementsprechend habe ich sehr viele Follower bekommen. Ich schätze etwa 40.000 der knapp 52.000 Follower meines privaten Accounts sind deshalb auf mich gekommen. Das Problem bei dieser Liste ist allerdings, dass die Leute einem zwar folgen, dies aber kein Garant dafür ist, dass sie deine Bilder auch mögen und dir weiterhin aktiv folgen. Ich habe zwar viele Follower, aber verhältnismäßig wenige Likes auf meinen Bildern. Das heißt ich habe einige "Karteileichen" rumfliegen: Sie machen deinen Account zwar groß, bringen dir insofern aber nichts.

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Irrungen und Wirrungen. Die "Treppenhäuser in Hamburg" machen eine von insgesamt zehn Kategorien aus

Irrungen und Wirrungen. Die "Treppenhäuser in Hamburg" machen eine von insgesamt zehn Kategorien aus

© Anne Schellhase

fM: Hattest du von Anfang an ein Ziel oder gar eine Strategie? Oder hast du dich einfach aus reiner Neugier angemeldet, um zu schauen wie Instagram  funktioniert?
Timm: Nein, überhaupt nicht. Mein erstes Bild ist im Bett entstanden. Zu sehen ist die Deckenlampe meines Schlafzimmers mit dem Geo-Tag der nächstgelegenen U-Bahn-Station. Total verfiltert und mit Rahmen versehen – all das, was ich heute nicht mehr machen würde. Eine Strategie hatte ich damals wie heute nicht. Und mit diesem Erfolg habe ich ehrlich gesagt anfangs auch nicht gerechnet.

fM: Benutzt tu Apps oder bestimmte Tools, um noch mehr Follower zu generieren?
Timm: Nein, wozu auch? Ich kann mir 1.500 Follower für 7,50 Euro kaufen, dafür braucht man keine App. Solche Tricks bringen einem ähnlich viel, wie auf der Suggested User-Liste zu stehen. Du bekommst Follower, die selbst aber gar nicht aktiv sind. An dem Punkt, an dem ich mich heute mit meinen beiden Accounts befinde macht das jedoch keinen Sinn – interessant wären diese Optionen ganz am Anfang gewesen, damals gab es solche Tools aber noch nicht. Außerdem mag ich als Social Media-Berater ohnehin die ehrliche Kommunikation: Ich möchte durch meine Inhalte glänzen, nicht durch Zahlen. Um ein wenig Anschwung für den Account zu bekommen, kann ich sowas aus Unternehmenssicht durchaus nachvollziehen. Ich empfehle diese Option jedoch weder meinen Kunden noch nutze ich sie selbst.

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Sechs der zwanzig Beiträge zum Thema "Menschen in Hamburg" in der #weshowHH-Gallery

Sechs der zwanzig Beiträge zum Thema "Menschen in Hamburg"

© Anne Schellhase

#weshowhh Gallery -
Die Instagram-Ausstellung

Adresse:
Foto Fabrique
Stockmeyerstraße 43
20457 Hamburg
Eintritt frei
www.welovehh.de für weitere Infos

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fM: Wie sieht dein Nutzungsverhalten in Bezug auf Hashtags aus? Benutzt du branded und besonders populäre Hashtags?
Timm: Die ersten drei Jahre meiner Instagram-Aktivität habe ich überhaupt keine Hashtags benutzt. Das kommt daher, dass ich schon lange vor Instagram bei Twitter aktiv war – dort waren Hashtags früher eher verpönt. Dementsprechend wenig Aufmerksamkeit habe ich früher auch bekommen. Generell machen passende und gut ausgewählte Hashtags jedoch sehr viel aus. Privat nutze ich es schon aus, 30 Hashtags benutzen zu können; durch einen kleinen Trick sind es sogar 60. Mit @welovehh benutze ich – bis auf wenige Ausnahmen im Rahmen von Kooperationen – tatsächlich nur meine eigenen Hashtags und keine anderen, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erhalten.

fM: War dir anfangs klar, dass du mit deinem Projekt so eine große Reichweite erzielen würdest?
Timm: Sagen wir es mal so, ich kenne ähnliche Projekte von Facebook und dachte mir halt, dass ich das dort nicht so schnell wieder aufholen kann, was andere erreicht haben. Und da ich ein sehr visueller Mensch bin, machte mir Instagram von Anfang an Spaß. So ist dann auch der Gedanke aufgekommen der Erste sein zu wollen, der solch ein Projekt für Hamburg macht.

fM: Und sind die Bilder, die du auf @welovehh postest, alle von dir?
Timm: Bis auf die Favs und etwa zehn Bilder, die ich irgendwann mal anderweitig bekommen habe, sind die Bilder alle von mir. Mit den Favs sind meine acht Favoriten gemeint, die mit #welovehh markiert wurden. Diese Bilder wähle ich wöchentlich aus und stelle sie vor.

Instagram eine Community, die dazu einlädt
sich mit anderen auseinander zu setzen und richtige Kommunikation zu betreiben.

fM: Wie läuft die Motivsuche bei dir ab? Ziehst du los und hast ein Bild im Kopf oder sind das tatsächlich alles eher Schnappschüsse, die in deinem Alltag entstehen?
Timm: Also, ich warte durchaus auch mal ab, bis der Mensch die Straße überquert hat, damit die Straße leer ist und das Bild besser aussieht, aber ich habe kein Konzept im Kopf. Dafür bin ich auch viel zu ungeduldig. Ich würde mich eher als professionellen Schnappschuss-Instagrammer bezeichnen. Bei @welovehh steht vor allen Dingen auch das Thema im Vordergrund, sprich die Stadt. Für alles andere fehlt mir einfach auch die Zeit.

fM: Warum hast du so wenig Zeit? Ist Instagram noch Hobby oder eher schon Beruf?
Timm: Also ich könnte, wenn ich es richtig ausreizen würde, davon leben. Möchte ich aber gar nicht, denn ich bin einfach zu sehr Berater und möchte gerne auch weiterhin beratend für Unternehmen tätig sein. Ihnen dabei helfen tolle Kommunikation zu betreiben und coole Kampagnen zu fahren, damit sie selbst auf Instagram groß werden können. Außerdem möchte ich weiterhin solche Projekte wie diese Ausstellung hier machen können. Und teilweise macht es einfach auch Sinn, wenn ich in eine andere Rolle schlüpfe und die Message eines Unternehmens mit verbreite. Vorausgesetzt das Unternehmen und die Message passen zu meinem Projekt.

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"Treppenhäuser in Hamburg". Ein beliebtes Motiv unter Hamburgern und Liebhabern der Hansestadt. #weshowHH-Gallery

"Treppenhäuser in Hamburg". Ein beliebtes Motiv unter Hamburgern und Liebhabern der Hansestadt

© Anne Schellhase

fM: Du sagtest eben, dass du von Instagram auch leben könntest, wenn du es ausreizen würdest. Du machst also ab und an auch richtige Kooperationen mit Unternehmen?
Timm: Ja, ich versuche allerdings eher wenige Kooperationen zu machen, wenn dann sollen diese aber richtig cool sein. Ich könnte jetzt nicht für Schwarzkopf ein Selfie machen und dabei eine Flasche Shampoo in die Kamera halten. Dafür bin ich selbst zu selten auf meinen Bildern zu sehen und es würde auch einfach nicht zu meinem Account passen. Es gibt aber viele Marken, mit denen sich sowas verbinden lässt, gerade wenn es um das Thema Smartphones geht, um Gadgets allgemein, Technik und Reisen. So habe ich beispielsweise mit Mercedes das ein oder andere Mal etwas gemacht.

fM: Wie läuft sowas in der Regel ab? Wird das Unternehmen auf den Instagrammer aufmerksam oder sucht sich der Instagrammer coole Firmen raus, mit denen er sich eine Kooperation vorstellen kann?
Timm: Beides. Ich kann mittlerweile aus einem Pool von Anfragen schöpfen, die einfach so reinkommen. Teilweise entwickele ich aber auch selbst Ideen und schreibe die Firmen gezielt an, mit denen ich mir eine Kooperation vorstellen kann. Außerdem bin ich als freier Berater sowieso an den Firmen dran, oft entstehen dabei gemeinsame Ideen.

fM: Hast du einige ultimative Tipps für einen erfolgreichen Instagram-Auftritt?
Timm: Erstens reicht es nicht aus, wenn man nur tolle Fotos hat. Thematisch gut gewählte Hashtags machen durchaus Sinn und diese sollte man auch setzen. Zweitens ist Instagram eine Community, die dazu einlädt sich mit anderen auseinander zu setzen und richtige Kommunikation zu betreiben. Es bringt natürlich nichts auf Teufel komm raus jedes zweite Bild zu liken und zu kommentieren, ohne sich mit dem Motiv als solches beschäftigt zu haben. Drittens würde ich Instagram nicht als geschlossene Plattform sehen, sondern auch kanalübergreifend auf die eigenen Aktivitäten in dem Netzwerk hinweisen. Snapchat und Instagram lassen sich beispielsweise hervorragend miteinander kombinieren.

fM: Letzte Frage: Was macht für dich ein gutes Bild aus?
Timm: Heutzutage geht es vor allem um Zeit. Wenn es ein Bild schafft, dass andere ihre Zeit damit verbringen dieses anzuschauen, dann ist das Bild ein wirklich gutes Bild. Mit anderen Worten: es soll dazu anregen, es näher betrachten zu wollen. Gerade in dieser Flut von Bildern, die jeden Tag auf uns einprasselt, ist dies ein wichtiger Faktor für ein gelungenes Bild.

Das Interview führte Anne Schellhase am 10. Juni 2016.

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Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.