Markus Schaden

Markus Schaden
Foto: Damian Zimmermann

Fotobuch-Talks: Interview mit Markus Schaden

„Die Wiedergeburt des Fotobuchs gebiert eine neue Literatur“
06.06.2015

Wir haben Markus Schaden, den Initiator des Kölner PhotoBookMuseums, nach seiner Sicht der aktuellen Entwicklungen im Fotobuchmarkt befragt.

fotoMAGAZIN: Warum sind Fotobücher für Sie eigentlich so spannend?      

Markus Schaden: Fotografie ist das Medium der Zukunft. Bilder und Fotografien sind DAS Esperanto einer fast universellen globalen Sprache. Die Wiederentdeckung des Fotobuchs als Ausdrucksmittel gebiert da sozusagen eine neue Literatur: Romane, Novellen, Dokumentationen, Reportagen, Reiseberichte, Poesie, Manifeste ...all das in Fotografien!

fotoMAGAZIN:  Sie hatten mit Schaden.com jahrelang selbst einen Laden und eine Website, die sich auf den Verkauf von Fotobildbänden spezialisierten. Warum ist es so schwierig, damit als Buchhändler heute Geld zu verdienen?

Schaden: Kurz und knapp: Als Buchhändler–  und auf jeden Fall als unabhängiger Buchhändler – war es schon immer schwer Geld zu verdienen und ist es auch jetzt noch. Bücher sind eben keine Immobilien oder Aktien. Dazu kommt viel Kleinkram, der viel Arbeit macht und oft nicht einträglich ist. Das liegt an der speziellen Struktur dieses Handelszweiges. Es wären einige Innovationen nötig, um das neu zu organisieren, aber der Buchhandel ist sehr traditionell und schwerer zu reformieren als der Vatikan!
Resultat: Junge Verleger und Buchkäufer und Buchhändler suchen sich Nischen abseits der traditionellen Handelsströme und finanzieren sich oft noch durch andere Einkommen.

fotoMAGAZIN: Wo bekommt man dieser Tage gute Fotobücher?

Schaden: Es gibt schon eine Reihe von Fachbuchhandlungen, Kunstbuch-Sortimenten und Indie-Stores, in denen man kaufen kann. Ebenso im Netz. All around the world. Aber was und welche? Denn heutzutage scheint es mir nicht so schwer zu sein Fotobücher zu kaufen als vielmehr herauszubekommen, welche Bildbände die wirklich guten Fotobücher für mich sind, wo kann ich sie mir anschauen und dann kaufen kann.

fotoMAGAZIN:  Sie sind Initiator des Kölner PhotoBookMuseums. Warum braucht Deutschland künftig ein solches Fotobuchmuseum?

Schaden: Die Welt braucht ein Fotobuchmuseum! Es gibt reichlich viele Museen für Fotografie und reichlich Museen für Bücher. Also jetzt auch eins für beides. Wir in Deutschland fangen damit an. Die Fotografie und das Buch sind eine optimale Kombination. Es braucht deshalb eine unabhängige Institution die sich um dieses Medium kümmert. Ein Paradigmen-Wechsel in der Wahrnehmung und Rezeption von Fotografie ist im vollem Gange. Das Gedächtnis, die Geschichte und Rezeption der Fotografie formiert sich doch viel mehr im Medium Buch aus, als nur in fotografischen Abzügen. Deshalb: The PhotoBookMuseum. Hier und jetzt. Unterstützt uns!

Wir brauchen eine unabhängige Institution, die sich um das Medium Fotobuch kümmert

fotoMAGAZIN: Gibt es Ihrer Meinung nach momentan zu viele Bildbände auf dem Markt?

Schaden: Insgesamt gibt es nicht zu viele, eher zu viele die nicht wirklich überzeugen. Da kann und muss noch an der Kultur des Fotobuchs gearbeitet und die Qualität verbessert werden.

fotoMAGAZIN:  Wie sollten junge Fotografen mit einem guten Projekt am besten ein Fotobuch verlegen: Finanziert per Selfpublishing, Crowdfunding, mit Druckkostenbeteiligung oder nur bei Verlagen, die ihnen dafür Geld zahlen?

Schaden: Alles geht. Man sollte jede Möglichkeit nutzen. Viel wichtiger sind meiner Meinung nach folgende Fragen: Ist mein Fotobuchprojekt optimal editiert und auf den Punkt gebracht in Konzept, Inhalt und Form? Kann es genug Aufmerksamkeit und Nachfrage zu generieren!"

Hintergrundinformationen zu diesem Fotobuch-Thema finden Sie in der Reportage "Der BücherBoom" von Manfred Zollner, die in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 06/2015 erschienen ist.

Mehr Interview-Bonusmaterial zum Thema Bildbände und Fotobuch auf unserer Übersichtsseite "Dialoge über die Zukunft des Bildbandes".

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.