Der Mann mit dem Röntgenblick

Das Innenleben analoger Kameras
23.02.2015

Fotograf Christian Baron fotografiert nicht nur gern analog.

Es sind Schwarzweißbilder, und auch 120 Jahre nach Entdeckung der Strahlen, die diese Bilder möglich machen, haben sie nichts an Faszination verloren: Röntgenbilder. Röntgenstrahlen durchdringen Menschen und Materialien und machen Dinge sichtbar, die wir sonst niemals zu sehen bekämen. 
Bis heute werden auf Röntgenstrahlen basierende bildgebende Verfahren in Medizin und Materialprüfung zur Diagnostik oder auch am Flughafen zur Durchleuchtung des Gepäcks eingesetzt. Breitentauglich wird dieses Verfahren aber wohl niemals werden: Die benötigte Strahlung ist krebserregend, deshalb sollte man möglichst selten damit in Berührung kommen.

Umso faszinierender ist es, Röntgenbilder von Alltagsdingen zu sehen, in die man normalerweise nicht hinein gucken kann - außer, man nimmt sie komplett auseinander. Und selbst dann würde man niemals den komplexen Eindruck erhalten, den Röntgenaufnahmen ermöglichen.

Fotograf Christian Baron mit seiner Leica

Fotograf Christian Baron mit seiner Leica

Fotograf Christian Baron mit seiner Leica M240 - ein Selbstportrait

© Christian Baron

Der Bonner Fotograf Christian Baron hat die Möglichkeit, solche Aufnahmen zu erstellen. Und er gewährt uns einen Blick in das Innere seiner analogen Kameras.

fotoMAGAZIN: Christian, wie kommst Du an ein Röntgengerät?

Christian Baron: Ich bin klinischer Spezialist für Computertomographie bei Philips Healthcare und arbeitete vorher in der Radiologie der Uniklinik Bonn. Ich habe also auch beruflich schon immer mit Fotografie zu tun gehabt, wenn auch auf einer anderen Wellenlänge. Da ich dadurch in der “Radiologischen Community” ganz gut vernetzt bin, habe ich auch Zugriff auf Röntgengeräte. So konnte ich diese Aufnahmen ermöglichen.

foMA: Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Baron: Naja, die Idee an sich ist ja nicht neu. Beruflich habe ich nun seit 20 Jahren mit Strahlung zu tun und mindestens genau so lange wollte ich solche Aufnahmen machen. Aber ich bin nie dazu gekommen. Bis ich schlussendlich dachte: “Ok, jetzt müssen meine Lieblingskameras mal dran glauben.” Und so machte ich ein paar Telefonate und zog los. 

foMA: Hast Du neue Erkenntnisse gewonnen?

Baron: Nein, mir ist nur was Blödes passiert: Ich habe mir einen teilbelichteten Kleinbildfilm, der noch in der Leica eingelegt war, durch die Röntgenaufnahmen versemmelt. Ich bemerkte es erst, als ich nach den Aufnahmen die Filmperforation auf den Röntgenbildern gesehen habe. Da ich hier mit deutlich höherer Energie gearbeitet habe, als sie zum Beispiel an Flughafenscannern üblich ist, kann ich den Film nun getrost wegwerfen: Der ist belichtet.

Darüber hinaus ist das Erstellen von Röntgenbildern nicht viel anders als “normales” Fotografieren. Auch für das bildgebende Verfahren beim Röntgen gab es verschiedene Film-Folien-Kombinationen, es gab unterschiedliche Empfindlichkeitsklassen analog der ASA/ISO beim Film, und es wurde in ähnlicher Chemie entwickelt, wie normale Schwarzweiß-Kleinbildfilme. Heute ist dies jedoch weitestgehend durch volldigitale Bilddetektoren ersetzt, eben ganz wie in der Fotografie.

Eine Hasselblad in den Händen des Fotografen

Eine Hasselblad in den Händen des Fotografen

Die Hasselblad in den Händen des Fotografen

--> zum Artikel Der Mann mit dem Röntgenblick

© Christian Baron

foMA: Es gibt auch Bilder, bei denen Du die Hasselblad in Deinen Händen hältst. Hast Du keine Angst vor den Strahlen?

Baron: Angst vor den Strahlen habe ich nicht wirklich, insbesondere weil die Extremitäten (hier Hände und Unterarme) ohnehin zu den strahlenunempfindlichsten Arealen des menschlichen Körpers gehören. Und zum anderen habe ich die Dosis für diese Aufnahmen natürlich auch mit Bedacht gewählt. Die Aufnahmen sind alle mit einem Streustrahlenraster und auf modernsten digitalen Bilddetektoren entstanden, wodurch sich die Dosis gegenüber dem alten “konventionellen” Röntgen nochmals deutlich reduziert.

foMA: Ok, was machst Du denn, wenn Du nicht gerade Deine Kameras röntgst?

Baron: Ich höre gerne und viel Musik, vorzugsweise von Vinyl-Platten - analog eben. Darüber hinaus ist die Filmfotografie wohl meine grösste Passion. Der Umgang mit dem analogen Material macht mir einfach mehr Spass: Die Bildentstehung ist eine ganz andere als bei der digitalen Fotografie. Es geht nichts über ein paar Rollen Film und eine Dunkelkammer voller Chemie.

Ich fotografiere vorwiegend Landschaft und Architektur,  aber auch an Menschen finde ich Gefallen. Neben Portraits widme ich mich hier vor allem der Musikfotografie.

Weiterführende Links

Christian Baron hat eine Galerievertretung in den Niederlanden bei der Unlimited Grain Gallery. Weitere Informationen gibt es auf seiner Homepage. In den sozialen Netzwerken kann meine seine Arbeiten auf flickr, Instagram, Twitter, Tumblr und Facebook verfolgen. 
 

 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Sandra Schink

Sandra Schink arbeitete seit den frühen 1990ern als Fotoreporterin für BILD, EXPRESS und die Westdeutsche Zeitung. Seit 1996 ist sie online und nie wieder offline gegangen. Sie nutzt das Internet als Netzwerk-, Recherche- und Blogplattform und hat Foren und Communities betreut, darunter bei stern die VIEW Fotocommunity. Seit 2014 arbeitet sie für das fotoMAGAZIN. Für das SMART SHOT Magazin macht sie Konzept und Redaktion. Im Team Socialgrafr gibt sie Workshops zur Smartphone-Fotografie.