Cecilia Ragan-Rabini

Kinder als Profimodels
12.05.2013

Ein Interview mit Cecilia Ragan-Rabini, Geschäftsführerin von Younger Models in Berlin, über Phasen, Posen, Zahnspangen und die Länge eines Kindertags

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Cecilia Ragan-Rabini

Cecilia Ragan-Rabini in ihrer Agentur

© Younger Models

fotoMAGAZIN: Wem ist das Modeln wichtiger – den Eltern oder den Kindern?
Cecilia Ragan-Rabini: Ich sage den Eltern immer: Wenn sie merken, die Kinder wollen das nicht, dann sollen sie sofort aufhören. Man kann kein Kind zwingen. Die Leichtigkeit muss bleiben, man darf ein Kind nicht von Casting zu Casting schleppen.

fM: Ist der Wunsch zu Modeln auch eine Frage des Alters?
Cecilia Ragan-Rabini: Auf jeden Fall. Bei einem Baby ist es völlig klar, dass es sich darüber keine Gedanken gemacht hat. Bei Schulkindern kommt der Wunsch oft von den Kindern und das wird durch die ganzen Castingshows ständig stärker, die sich auch schon relativ junge Kinder ansehen. Die Kinder üben teils Posen, bei denen man denkt: Hallo, bleib doch Kind! Ich will ja gar keine kleinen Modepuppen, ich will Kinder haben.

fM: Gibt es ein generell schwieriges Alter?
Cecilia Ragan-Rabini: Nein, nicht wirklich. Außer vielleicht die 3- bis 4-Jährigen. Hier rate ich jedem Kunden, zwei Kinder für den Job zu buchen. Eins auf Reserve. Die können ein super Casting hinlegen, dann kommen sie zum Shooting und haben keine Lust. Das sind halt Kleinkinder.

fM: Was kann ein Kind denn leisten?
Cecilia Ragan-Rabini: Ich habe oft Fotografen als Kunden, die ganz viel von den Kindern erwarten. Sie wurden ja über eine Agentur gebucht, deshalb sind sie Profis. Aber es gibt kein Profi-Kind, es ist immer noch ein Kind. Und es soll ein Kind bleiben. Oft denken die Auftraggeber auch nicht dran, dass ein Kindertag nur rund drei Stunden dauert, keine acht Stunden.

fM: Sind die Eltern immer dabei?
Cecilia Ragan-Rabini: Bei den Größeren nicht, aber bei den Kleinen. Die Eltern sollen aber nicht direkt daneben stehen. Besser ist es, wenn sie beim Shooting hinter einer Trennwand warten. Denn dann ist das Kind freier. Bei unseren Agentur-Castings geht das Kind ganz alleine mit der Fotografin in den Raum. So können wir auch sehen, ob es sich  etwas traut. Das ist wie ein kleiner Test.

fM: Überschätzen die Eltern ihre Kinder gerne?
Cecilia Ragan-Rabini: Klar, das ist die Liebe zum Kind: Mein Kind ist das Schönste und mein Kind lässt sich zuhause so gut fotografieren und springt immer auf, wenn es eine Kamera sieht. Wenn das Kind dann bei uns oder bei einem Job steht, ist das aber eine ganz andere Situation. Kinder können auch zuhause Gedichte aufsagen und bekommen bei einem Casting kein Wort raus.

fM: Machen Sie auch Trainings?
Cecilia Ragan-Rabini: Nein, gar nicht. Unsere Philosophie ist: Entweder das Kind kann das oder nicht. Bei Kinofilmen macht das Coaching allerdings Sinn. Für größere Rollen beschäftigt die Filmgesellschaft dann auch immer einen Kindercoach.

fM: Gibt es beim Aussehen auch Trends?
Cecilia Ragan-Rabini: Es gibt eine ganz kleine Gruppe von Kindern, die von verschiedenen Kunden immer wieder ausgesucht wird. Und das ist eine Art Zeitgeist, der da einfließt. Ich bin aber keine Trendforscherin, ich kann nicht definieren, was genau es ist. Aber ich weiß, es gibt auch beim Kinderlook Tendenzen. Aber immer sind es sehr, sehr offene Kinder. Sie scheinen einem aus dem Bild entgegenzuspringen. Es hat sehr viel mit den Augen zu tun.

fM: Was bedeutet das vorläufige Ende der Modelkarriere?
Cecilia Ragan-Rabini: Die feste Zahnspange ist in vielen Fällen ein Nachteil. Wir haben so viele Kinder, die mit 12 oder 13 eine Spange bekommen. Ich habe das Gefühl, es werden immer mehr. Das gehört ja auch zu unserer Zeit, das mit den Korrekturen. In diesem vorpubertären Alter gibt es aber auch weniger Anfragen. Sie sind keine Kinder mehr und noch keine Teenager. Und in der Werbung will man ja oft ganz klare Aussagen. Dann sucht man ein Baby, Kleinkind, Schulkind, Teenager. Aber 12-jährig ist so was dazwischen.

fM: Wie sind die rechtlichen Vorschriften?
Cecilia Ragan-Rabini: Das Kind braucht eine Genehmigung von der Schule, vom Arzt und vom Jugendamt, dass es arbeiten darf. Der Auftraggeber reicht dann zusätzlich einen Antrag beim Amt für Arbeitsschutz ein. Es gibt ganz feste Regeln bezüglich der Arbeitszeiten. Von drei bis sechs Jahren dürfen Kinder zwei Stunden drehen und maximal drei Stunden am Set sein. Bis zum vollendeten zehnten Schuljahr dürfen sie maximal vier Stunden drehen und fünf Stunden am Set sein. Bei den Kleinen bis drei Jahre gibt es keine Genehmigungspflichten. Da sind die Eltern verantwortlich.

fM: Was verdienen Kindermodels?
Cecilia Ragan-Rabini: Zwischen 50 und 500 Euro am Tag. Dazu kommen die Verwertungsrechte. Bei 350 Euro Tagesgage kommen vielleicht noch mal hundert Prozent für drei Monate Nutzung dazu.

Die Model-Agentur YOUNGER MODELS

Younger Models gibt es seit 2004, gegründet wurde sie von drei Frauen: Andrea Matthias, die mit Viva Models bereits eine Agentur für Erwachsene gestartet hatte, die Fotografin Edith Held, die seit Jahren international erfolgreich tätig ist und den sicheren Blick für Neuentdeckungen auf der Straße hat und Cecilia Ragan-Rabini, eine studierte Modedesignerin, die alles organisiert. Inzwischen sind über tausend Models vom Baby bis zum Erwachsenenalter in der Kartei. Die Castings finden immer in Berlin statt, die Jobs sind auch mal in Prag oder Südafrika. Zu den Kunden zählen McDonald‘s, Rewe, Toyota, Maggi und Ebay, sowie Filmgesellschaften.

Website der Agentur: www.younger-models.de

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Younger Models

Sympathisches Grinsen: Die Kids von Younger Models

© Courtesy Younger Models

Das Interview ist wurde in unserer Ausgabe 5/2013 veröffentlicht.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Anja Martin - Journalistin
Über den Autor
Anja Martin

Die langjährige fotoMAGAZIN-Autorin Anja Martin lebt in Berlin, wenn Sie nicht gerade irgendwo an einer exotischen Location am anderen Ende der Welt unterwegs ist. Denn Reisereportagen sind der zweite große Schwerpunkt der Journalistin, die sonst unter anderem auch für die Süddeutsche Zeitung, die taz oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt.