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© Alexandre Kurek

Alexandre Kurek

"Marokko ist ein Land voller Kontraste. Das hat mich einfach fasziniert"
02.06.2017

Alexandre Kurek entdeckte während seiner Marokko-Reise das Smartphone für sich und ist sich sicher: Mit seiner herkömmlichen Kamera hätten seine Bilder anders ausgesehen. Wohin sein nächstes Abenteuer gehen soll, hat er uns verraten

 

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Portrait von Alexandre Kurek

Der Fotograf Alexandre Kurek aus Berlin fotografiert seit seinem 14. Lebensjahr. Er ist im Herzen den Ruhrgebiets aufgewachsen und hegt neben der Fotografie außerdem eine Leidenschaft für Musik und Literatur

© Kirsten Becken

Er flog mit einer Tasche voll feinstem Kamera-Equipment nach Marokko und kam mit unzähligen Smartphone-Fotos wieder zurück: Sonst ist Alexandre Kurek als Freelancer unterwegs. Er fotografiert seit seinem 14. Lebensjahr und empfand die schwere Kameratasche während seiner Reise als lästig. Die geringe Größe seines Smartphones hingegen empfand er als befreienden Türöffner im Umgang mit den Marokkanern. Das nächste Abenteuer soll den Wahl-Berliner nach Algerien führen. Bei Instagram ist er unter @allcitiesarebeautiful zu finden.

fotoMAGAZIN: Alexandre, Du arbeitest freiberuflich als Fotograf in Berlin. Für welchen Zweig der Fotografie schlägt dein Herz?
Alexandre Kurek: Bereits seit meiner frühen Jugend gilt mein Interesse der Fotografie, der Literatur und der Musik. Ich bin zwar Autodidakt, arbeite mittlerweile aber schon seit fünf Jahren als freiberuflicher Fotograf. Ich entwickele mich durch Try & Fail, dem Lesen von Fachliteratur und der Teilnahme an Seminaren stetig weiter. Auch Praktika, beispielsweise bei der Agentur Ostkreuz, haben mich geformt. Mein fotografisches Interesse gilt vor allem aber der Dokumentar-, Reportage-, und Portraitfotografie.

In Marokko trugen meine Übungen mit dem Smartphone zum ersten Mal Früchte.

fM: Du warst im letzten Winter für etwa anderthalb Wochen in Marokko unterwegs. Vor Ort hast du dann vor allem mit deinem Smartphone fotografiert, obwohl du dein reguläres Equipment dabei hattest. War der Tausch „Kamera gegen Smartphone“ eine Art Türöffner für dich?
Kurek: Ich habe in der Vergangenheit zwar immer wieder mal sporadisch mit dem Smartphone fotografiert, allerdings ohne wirklich auf Inhalt und Komposition zu achten, einfach weil ich nie wirklich den Gedanken hatte, diese Art der Fotografie fokussierter zu betreiben oder gar auszubauen.

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Marokko-Alexandre-Kurek-Esel
© Alexandre Kurek

Es machte mir allerdings so viel Spaß, dass ich beschloss eine Art Übung daraus zu machen: Da ich mein Smartphone ja grundsätzlich immer bei mir habe, ließ sich das auch einfach umsetzen. In Marokko allerdings trugen meine Arbeiten und Übungen zum ersten Mal Früchte, da ich mehr und mehr Gefallen an meinen Bildern, den Motiven und der Arbeitsweise fand. Also ja, in dieser Hinsicht war dieser Tausch, wenn auch ungeplant, ein ziemlicher Türöffner für mich.

fM: Glaubst du, du hättest mit deiner schweren Kamera andere Bilder gemacht?
Kurek: Ja und nein. Ich denke, dass ich mit meiner regulären Kamera keine anderen Motive fotografiert hätte, inhaltlich zumindest nicht. Optisch hingegen hätten die Ergebnisse anders ausgesehen, da man beim Smartphone an die Festbrennweite der verbauten Kamera gebunden ist und ich den Zoom aufgrund des Qualitätsverlustes nicht genutzt habe.

fM: In deinem Instagram-Feed kriegen wir sowohl monochrome als auch bunte Farben von dir zu sehen. Auch das Format wechselt mal. Ist dies abhängig von deiner Stimmung?
Kurek: Die Fotos auf Instagram lade ich zwar ohne einen bestimmten Hintergedanken hoch, mache es also eher intuitiv, ich achte dabei jedoch sehr darauf, dass die einzelnen Bilder ingesamt optisch zusammenpassen, und ausgewogen und fließend erscheinen.

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© Alexandre Kurek

fM: Mit welchem iPhone hast du in Marokko fotografiert?
Kurek: In Marokko war ich mit meinem iPhone 6s unterwegs.

fM: Was machte für dich letzten Endes den Reiz aus, statt mit deiner herkömmlichen Kamera mit deinem Smartphone zu arbeiten?
Kurek: Ehrlich gesagt fasziniert mich die Praktikabilität: Ich habe es immer in der Tasche und es ist absolut unauffällig. In Marokko hatte ich einfach das Gefühl, dass die Menschen mir wesentlich freundlicher und offener begegneten, als in den Momenten, in denen ich mit meiner Kamera "bewaffnet" war. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit dem Smartphone viel freier bewegen konnte als mit der Kamera.

fM: Nutzt du denn auch bestimmte Apps zur Bearbeitung deiner Bilder oder bearbeitest du diese am Rechner?
eKurek: Wenn ich schnell ein Bild hochladen möchte, nutze ich meist Afterlight oder VSCO. Letztere nutze ich dann aber eher wegen der Filter. Die Aufnahmen aus Marokko habe ich allerdings am Laptop mit Lightroom und einem Set an VSCO Filtern bearbeitet.

fM: Gab es eine bestimmte Szene oder einen Moment, welcher dich emotional bewegt, amüsiert oder auf eine andere Art und Weise nachhaltig beeindruckt hat?
Kurek: Eine sehr amüsante Situation erlebte ich bei meiner Ankunft im Omnibusbahnhof von Meknès: Ich stand in einem vollbesetzten Bus und wollte aussteigen. Dies war zunächst nicht möglich, denn der vordere Eingang wurde längst von hineinströmenden Fahrgästen blockiert.

Die Hintertür ließ sich außerdem nur zur Hälfte öffnen, da eine der beiden Türen kaputt war. Auch dieser Ausgang wurde innerhalb kürzester Zeit von Aus- und Einsteigenden Menschen verstopft. Als schließlich zwei ältere und ziemlich beleibte Herrschaften Bauch an Bauch gedrängt in der Tür stecken blieben, kam der Verkehr im Bus komplett zum Erliegen. Beide brachen nach kurzer Irritation in großem Gelächter aus und schafften es dann aber doch sich wieder zu befreien und den Weg freizumachen.

Für mich hatte diese Situation schon fast etwas poetisches. Ich ärgere mich, dass ich kein Foto davon gemacht habe.

Ich war im ersten Moment ebenfalls ziemlich irritiert, da so eine Situation hierzulande eigentlich nicht vorstellbar wäre und mir bisweilen auch unbekannt war, genoss es aber – ebenfalls lachend – zu beobachten, wie die für den Moment „gegeneinander“ arbeitenden Seiten verstanden, dass sie sich nur aus dieser Enge befreien und ihr jeweiliges Ziel erreichen konnten, wenn sie zusammenarbeiteten. Für mich hatte diese Situation schon fast etwas poetisches. Im Nachinein ärgere ich mich sogar ein wenig darüber, dass ich die Situation im Bus nicht mit meiner Kamera festhielt. Habe dafür aber eben eine schöne Anekdote zu erzählen.

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Marokko-Alexandre-Kurek-Küste
© Alexandre Kurek

Denn genau genommen ist es doch so: Verglichen mit Westeuropa ist Marokko ein sehr chaotisches Land. Das Spannende an diesem Ort war für mich die Suche nach einer versteckten Ordnung inmitten all der Unordnung, die mir dort begegnete. Und ich fand dort eben auch überaus ausgewogene und ruhige Momente, die zwar keine Sensation darstellten, dafür aber einen Kontrast, welcher mich unheimlich faszinierte.

fM: Hast du seitdem weitere Ziele bereist und mit dem Smartphone dokumentiert?
Kurek: Bisher war diese meine erste Reise, die ich mit dem iPhone fotografiert habe. Ich plane aber schon seit einiger Zeit eine mehrwöchige Reise nach Algerien und im Anschluss möchte ich in meine Heimat, den Kongo. Genauer gesagt nach Kisangani, denn dort wurde ich geboren. Beide Reisen werde ich zwar ohne konventionelle Kamera bestreiten, zuvor möchte ich mir jedoch noch das iPhone 7 Plus zulegen: So kann ich dann auch den Laptop zu Hause lassen.

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Alexandre Kurek ist neben Charlotte Schreiber einer von insgesamt fünf Favoriten in unserem neuen Magazin SMART SHOT – Fotografieren mit Smartphone & Tablet. Gesucht wurden die spannendsten Fotos, welche mit dem Smartphone entstanden sind.

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.