Giuseppe Felici

25.09.2011

Die Felici-Familie hat in den vergangenen 150 Jahren elf Päpste portraitiert und war immer dabei, wenn Religionsgeschichte geschrieben wurde. Wie wird man eigentlich Papstfotograf? Ein Interview mit dem Firmenchef Giuseppe Felici


Popstars haben Lieblingsfotografen. Königliche Hoheiten auch. Und Päpste? Aber ja! Seit 150 Jahren sogar. Doch wer fotografiert eigentlich den Heiligen Vater? Jedenfalls nicht Mario Testino, so viel steht fest. Wir waren neugierig und beschlossen, ein wenig zu recherchieren. Einen Steinwurf vom Vatikan entfernt in der Via Cola di Rienzo wurden wir fündig,  inmitten einer der wuseligsten Einkaufsstraßen Roms.    

Als wir durch die Pforten von Fotografia Felici schreiten, entfaltet sich in unglaubliches fotografisches Universum. Hinter dem Schreibtisch hängt ein altes Foto der riesigen Kuppel des Petersdoms. Das Bild daneben ist eine jüngere Aufnahme von Papst Benedikt XVI. Auf dem Tisch liegt jetzt reichlich Bildmaterial, das Zeugnis über jahrzehntelange fotografische Aktivitäten ablegt, die dem Fotografieren der wichtigsten religiösen Ereignisse der römisch-katholischen Kirche gewidmet worden sind vor allem aber dem Kirchenoberhaupt und Heiligem Vater. Das Felici-Archiv soll das weltweit bedeutendste sein, das die religiösen Aktivitäten des Vatikans fotografisch dokumentiert. Das heutige Familienoberhaupt der Felicis, Giuseppe Felici, begrüßt uns herzlich und beginnt sogleich, die Geschichte seiner Familie zu erzählen. Eine alte Lamberti-Garbagnati-Kamera aus dem Jahr 1880 steht noch heute hier im Laden der Felicis und wird stummer Zeuge eines Gesprächs über das Geschäft mit den Fotos des Papstes.

fotoMAGAZIN: Wie fingen die fotografischen Aktivitäten der Felicis an?
Giuseppe Felici: Zunächst faszinierten ihn (den Firmengründer) die gleichen Dinge, wie die Maler jener Tage: die unterschiedlichen Blickwinkel auf Rom und seine Monumente, aber auch die Vororte Roms. 1863, also vor fast 150 Jahren, hat er dann Fotografia Felici gegründet und fast zufällig einige Portraits der päpstlichen Zouaves (den ehemaligen Soldaten des Papstes) gemacht. Das sollte der Wendepunkt in seiner Karriere werden, denn diese Fotos hat man im Vatikan gesehen und sehr geschätzt. So holte Papst Pius IX Giuseppe, weil er ein Portrait von sich wünschte. 1888, einige Jahre später, hatte er mit der Vatikan-Ausstellung seinen ersten großen Auftrag. Bei dieser Gelegenheit ehrte ihn Papst Leo XIII mit einer Goldmedaille für seine fotografische Arbeit. 1901 erhielt er schließlich den offiziellen Titel Fotograf des Papstes.

1901 wurde der erste Felici offizieller Fotograf des Papstes

fotoMAGAZIN: Wieviele Päpste sind bis heute offiziell von den Felicis portraitiert worden?
Felici: Von Pius XI bis Benedikt XVI waren das elf Päpste.
fotoMAGAZIN: Bittet Sie der Vatikan um ein offizielles Portrait, sobald ein neuer Papst gewählt worden ist?
Felici: Früher, zur Zeit von Johannes Paul II und davor, als wir noch Analogkameras benutzten, machten wir offizielle Portraits. Damals musste man noch die ideale Beleuchtungssituation für ein Portrait aufbauen. Seit wir Digitalkameras verwenden, hat sich das verändert. Heute haben wir das Privileg, bei vielen Gelegenheiten nahe am Heiligen Vater sein zu dürfen und es ist viel einfacher geworden, ein spontanes Portrait zu bekommen. Bei Benedikt XVI haben wir also kein gestelltes Bild gemacht, sondern viele spontane Portraits fotografiert.
fotoMAGAZIN: Ist er sehr schwierig zu portraitieren?
Felici: Ganz im Gegenteil. Er ist eine sehr herzliche Person, die auf die Leute zugeht. Und er lacht oft. Außerdem zeigt er großes Einfühlungsvermögen bei den Menschen, mit denen er spricht.
fotoMAGAZIN: Sie haben die Veränderungen im digitalen Zeitalter bereits erwähnt. Wie wirken sich diese auf Ihre Arbeit sonst noch aus?
Felici: Wir machten die Umstellung 2005. Als wir noch bei päpstlichen Audienzen analog arbeiteten, hatten wir die Negative sechs bis sieben Stunden, nachdem die Menschen mit dem Papst fotografiert wurden. Heute bekommen sie die Bilder bereits kurz nach der Audienz. Der Zeitaspekt ist sehr wichtig.
fotoMAGAZIN: Können Sie das ein wenig erläutern?
Felici: Während der Audienzen verweilt jede Person, die offiziell empfangen wird, etwa acht Sekunden vor dem Papst. In dieser kurzen Zeit machen wir 30 Fotos. Das ermöglicht den Leuten eine größere Auswahl. Nachdem die Fotos sofort fertig sein sollen, machen wir keine Bildbearbeitung mehr. Die Bilder müssen also technisch perfekt sein. Während einer normalen Audienz schießen wir etwa 1500 bis 2000 Fotos.
fotoMAGAZIN: Welches Mitglied Ihrer Familie war dabei, als Papst Johannes Paul II im Jahr 1981 am Petersplatz angeschossen wurde?
Felici:  Das war ich. Ich erinnere mich noch gut daran, da das ein sehr intensiver Moment war. Ich stand auf der anderen Seite des sogenannten Papamobils (dem Auto des Papstes) und fotografierte den Papst bei seinem Weg durch die Menge. Als die Waffe abgefeuert wurde, sah ich gelbe Flammen. Sofort danach hörte ich auf zu fotografieren. Vielleicht hätte ich weiter fotografieren sollen? Ich machte es nicht, weil rund um mich so viel Konfusion war. Und weil ich unter Schock stand. Erst später, als ich das Foto entwickelte, ist mir dann klar geworden, dass man darauf tatsächlich die Hand (des Attentäters) mit der Pistole sehen konnte.

 

fotoMAGAZIN: Ein weiteres historisches Foto von Ihnen ist das Bild der Begegnung von Papst Johannes Paul II mit Mutter Teresa im März 1997. Haben Sie das ebenfalls fotografiert?
Felici: Ja, ich erinnere mich noch daran, wie aufgeregt die Medien damals angesichts dieser Begegnung zweier weltbekannter Persönlichkeiten waren. Ich hatte nur ganz kurze Zeit für mein Foto gewährt bekommen. Aber ich weiß noch, welch ungeheure Zuneigung der Papst gegenüber Mutter Teresa zeigte.
fotoMAGAZIN: Vom Firmengründer Giuseppe Felici bis heute haben fünf Generationen im Vatikan fotografiert. Die fünfte Generation steht mit Rodolfo Felici kurz davor, das Geschäft zu übernehmen. Wie hat sich dieses Interesse an der Fotografie über die Generationen vererbt?
Felici: Wie Sie sich vorstellen können, war die Fotografie in unserer Familie immer sehr präsent. So wurden die technische Erfahrung und das Wissen natürlich weitergereicht von Generation zu Generation. Die Fotografie war bei uns immer ein Thema, über das wir viel diskutiert haben.
fotoMAGAZIN: Auf Ihrer Website findet sich die dramatische Botschaft: Helfen Sie uns. Nach fast 150 Jahren stehen wir kurz davor, schließen zu müssen. Wie geht es nun weiter?
Felici: Unsere Geschäfte waren immer eng verbunden mit dem Vatikan und sind es auch heute noch. Die Arbeit hängt von der Zahl der Besucher ab, die der Heilige Vater empfängt. Ein junger Papst schafft es, mehr Leute zu empfangen. Ein älterer Papst muss seine Aktivitäten ein wenig reduzieren. Über die Jahre hatten wir unsere Ups and Downs. Heute stecken wir mitten in der Krise.  Ich arbeite auch noch als Rechtsanwalt und mein Sohn Rodolfo, der mir immer mehr beim Fotografieren hilft, hat einen Universitätsabschluss als Architekt. Wir haben also parallel zur Fotografie einen weiteren Beruf. Aber wie ich schon sagte: Wegen unserer Firmengeschichte fühlen wir uns der Fotografie stark verbunden.

Heute stecken wir mitten in der Krise

fotoMAGAZIN: Haben Sie die Sorge, dass Sie Ihr Fotogeschäft aufgeben müssen?
Felici: Obwohl wir momentan unsere Aktivitäten auf einen sehr niedrigen Level betreiben, glaube ich, dass wir es am Ende schaffen zu überleben.
fotoMAGAZIN: Werden Sie also 2013 noch 150 Jahre Fotografia Felici feiern?
Felici: Ha ... vielleicht. Wir neigen dazu, diskret zu bleiben. Aber ja, ich hoffe sehr, dass wir weitermachen. Es ist schon eine ganz besondere Erfahrung, Fotos vor 50.000 Menschen an der Piazza San Pietro zu machen. Das möchte ich nicht missen.
Interview: Jesper Storgaard Jensen

 

 

FACTFILE: Die Felicis

Die Firma Felici wurde 1863 von Giuseppe Felici gegründet, der als 20-jähriger nach Rom kam, um eigentlich das Geigenspiel zu lernen, sich dann aber für die Fotografie begeisterte. 1901 wurde er offiziell als Fotograf des Papstes ernannt. Über vier Generationen haben die Felicis mittlerweile elf Päpste fotografiert und wichtige Ereignisse im Vatikan dokumentiert. Heute leitet das 62-jährige Familienoberhaupt Giuseppe Fotografia Felici. Guiseppes Sohn, der 32-jährige Rodolfo, wird in fünfter Generation das Geschäft übernehmen.
Website: www.fotografiafelici.com

 

 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Jesper Storgaard Jensen