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Die Bilder des Gewinners Stephan Amm drehen sich um gefrorenes Wasser.
© GDT ENJ 2019, Fritz Pölking Preis, Stephan Amm

Fritz Pölking Preis 2019 – die Gewinner

Ausgezeichnete Naturfotografie
08.10.2019

Die diesjährigen Gewinner des Fritz Pölking Preises und des Fritz Pölking Jugendpreises gehen mit offenen Augen durch die Natur. Zum Glück – denn so zeigen ihre Bilder Dinge, die oft nicht mehr wahrgenommen werden.

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Die Bilder des Gewinners Stephan Amm zeigen Eis in unterschiedlichen Formen.

In Mitten eines steten Flusses verwandelt sich hier das Wasser auf einem Stein in eine temoräre Skulptur.

© GDT ENJ 2019, Fritz Pölking Preis, Stephan Amm

Mit dem Portfolio "The art of ice" gewinnt der oberfränkische Fotograf Stephan Amm den mit 2000 Euro dotierten Fritz Pölking Preis 2019. Der internationale Preis wird jährlich für ein herausragendes fotografisches Werk vergeben. Dies kann sowohl ein naturfotografisches Projekt als auch ein Portfolio sein. Bereits zum 12. Mal lud die Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) in diesem Jahr Amateur- und Profifotografen zur Teilnahme ein. Der Wettbewerb wird dabei im Rahmen des Wettbewerbs GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres von der GDT und dem Tecklenborg-Verlag veranstaltet. Ziel des Wettbewerbes ist es, die hohe Qualität und den spezifischen Stil der Naturfotografie darzustellen und den Naturschutzgedanken mit den Mitteln der Fotografie zu fördern.

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Die Bilder von Thomas Hempelmann drehen sich um Vögel.

Die Stare am Alexanderplatz sind so an den Menschen gewöhnt, dass man sie auch mit einem Weitwinkel fotografieren kann. Hier saß der Vogel auf einem Schild, und Hempelmann nahm eine tiefere Position ein.

© GDT ENJ 2019, Fritz Pölking Jugend Preis, Thomas Hempelmann

Die Jury suchte nach einer Arbeit, die aus der Flut an Aufnahmen hervorsticht. „Eine solche Arbeit hat Bestand im Meer der Bilder, weil sie mehr ist als nur ein Abbild. Eine solche Fotografie hat die Kraft eines Sinnbildes. Nach Bildern dieser Qualität haben wir bei der Jurierung gesucht und sind bei den Bildern von Stephan Amm (Fritz Pölking Preis) und Thomas Hempelmann (Fritz Pölking Jugendpreis) fündig geworden", betont Jury-Mitglied Willi Rolfes. "Die beiden Fotografen sind würdige Preisträger, da sie uns einladen, im Spiegel ihres Portfolios Fragen der Zeit und des Lebens nachzugehen. Sie haben den Mut, persönlich zu arbeiten und mit einem Auge nach innen zu schauen. Diese Arbeitsweise hat Kraft und Zukunft. Fritz Pölking hätte seine Freude daran!“

Wasser und Vögel

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Die Bilder des Gewinners Stephan Amm zeigen Eis in unterschiedlichen Formen.

Raureif überzog den Waldboden und verleihte dem alten Laub neuen Glanz. Zwar beendete die Morgensonne recht schnell das Schauspiel, doch dem Fotografen schenkte sie einen schönen Warm-Kalt-Kontrast.

© GDT ENJ 2019, Fritz Pölking Preis, Stephan Amm

Das Portofolio von Stephan Amm zeigt gefrorenes Wasser und seine vielfältigen Erscheinungsformen. "Als Fotograf, der einen Großteil seiner Aufnahmen am liebsten in der näheren Umgebung des Wohnortes macht, lernt man Eis schnell als eine Zutat zu schätzen, welche fähig ist, vielen Motiven das gewisse Etwas zu verleihen", erzählt er. „Mit meinem Interesse an klassischer Malerei, überrascht es mich immer wieder, wenn die eigentlich zufällige Kombination verschiedener natürlicher Stoffe ein vollkommen harmonisches Bild ergibt." Wie bei einem Gemälde, dem man bei kunsthistorischer Betrachtung viele Geheimnisse entlocken könne, lasse sich auch beim Eis jenseits der reinen Schönheit tiefer eintauchen und Mechanismen der Natur erkennen, beispielsweise das Mitwirken winteraktiver Pilze bei der Entstehung von Haareis.

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Die Bilder von Thomas Hempelmann drehen sich um Vögel.

"Ich entschied mich, den Kopf der Möwe abzuschneiden, wodurch ein schönes Zusammenspiel zwischen dem Tier und seinem Schatten entsteht", berichtet Hempelmann.

© GDT ENJ 2019, Fritz Pölking Jugend Preis, Thomas Hempelmann

Unter dem Titel "Weniger ist mehr" steht das fotografische Projekt von Thomas Hempelmann. Mit seinen Bildern gewann der junge Fotograf schließlich den mit 1500 Euro dotierten Fritz Pölking Jugendpreis 2019. Der Preisträger verfolgt mit seiner Arbeit einen minimalistischen Ansatz, der sich vor allem in einem sehr geringen Farbraum niederschlägt. „Manchmal braucht es gar nicht viel, um ein Bild interessant zu machen. Je reduzierter das Foto, desto mehr konzentriert man sich auf das Wenige, das es zeigt. Genau das ist es, was ich mit dieser Serie vermitteln möchte“, erklärt der Fotograf. Zudem wollte er alltägliche Arten so abbilden, wie man sie zuvor noch nicht gesehen hat. Und das, obwohl man ihnen fast täglich über den Weg läuft.

Die Fotografen

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Die Bilder von Thomas Hempelmann drehen sich um Vögel.

Neben vielen Schwarzkehlchen konnte Hempelmann im letzten Frühjahr auch das eine oder andere Braunkehlchen beobachten – und fotografieren.

© GDT ENJ 2019, Fritz Pölking Jugend Preis, Thomas Hempelmann

Schon als Kind kam der im oberfränkischen Kronach geborene Stephan Amm durch seinen Vater mit der heimischen Fauna und Flora in Kontakt. Die Leica seines Vaters war immer dabei, und so entwickelte sich schon früh Amms Interesse an der Fotografie. Während seiner Studienzeit kaufte er sich die erste eigene Spiegelreflexkamera und entwickelte in einem improvisierten Fotolabor seine ersten Schwarzweißfilme. Inzwischen deckt Stephan Amm alle Bereiche der Naturfotografie ab. Ein Großteil seiner Bilder entsteht in den verschiedenen Naturräumen seiner Heimat Franken und werden unter anderem in Fachmagazinen, Büchern sowie Kalendern publiziert. Im Jahr 2014 wagte er dann den Schritt in die Selbstständigkeit als Fotograf. Die Natur bleibt zwar weiterhin sein Schwerpunkt, doch Architektur und Reportage bilden noch zwei weitere Standbeine.
Hempelmann wurde 1998 in Kiel geboren und interessierte sich bereits von klein auf für die Natur und die Vogelwelt. "So oft ich konnte, war ich draußen und dokumentierte alles, was ich sah – zunächst mit Stift und Papier und seit 2012 dann auch mit der Kamera." Besonderen Spaß macht es ihm, gerade die Schönheit häufiger Arten zu zeigen, an denen man oft achtlos vorbeigeht. "Ein genaueres Hinschauen lohnt sich, denn die meisten Menschen stellen sich zum Beispiel Stare oder Rauchschwalben längst nicht so farbenfroh vor, wie sie tatsächlich sind, und so bekommen sie einen ganz anderen Blick auf die Tiere vor ihrer Haustür."

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Lea Spraul

Seit September 2019 ist Lea Spraul Volontärin in der fotoMAGAZIN-Redaktion. Sie ist vor allem zuständig für Angelegenheiten, die sich online abspielen – unter anderem Instagram, Facebook, YouTube und Beiträge auf fotomagazin.de. Neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion studiert sie „Digital Journalism“ im Master.