aufmacher_fotowettbewerbe.jpg

Wettbewerb
Der Einsatz, um an einem Wettbewerb teilzunehmen, kann lohnenswert sein.

Fotowettbewerbe – wann und warum sich die Teilnahme lohnt

Wie Wettbewerbe heute Karrieren fördern
09.02.2021

Das Angebot an Fotowettbewerbs-Ausschreibungen ist heute fast unüberschaubar, der Nutzwert einer womöglich kostenpflichtigen Einsendung manchmal fragwürdig. Wir haben Wettbewerbssieger, Veranstalter und Jurymitglieder nach ihren Erfahrungen befragt.

deutscher-jugendfotopreis-djf_2020_malte_andersen_05.jpg

Bildserie "Fight in Peace"

Mit seiner Serie „fight in peace“ zählt der 17jährige Malte Andersen zu den Gewinnern des Deutschen Jugendfotopreises 2020.
Seine Arbeit zum Thema #LOVEPEACE brachte ihm nicht nur Anerkennung, sondern zudem ein kleines Preisgeld von 300 Euro ein

© Malte Andersen/ Deutscher Jugendfotopreis

Über den für gewöhnlich mageren Geldfluss in der Fotografie ist eigentlich alles gesagt. Das Einkommen für professionelle Kamerakünstler ist niedrig und Auftraggeber werden von Jahr zu Jahr rarer. Geht es allein um regelmäßige Honorierung, dann ist eine Kehrtwende wohl nicht in Sicht. Wie also soll man leben, wenn man als junger Fotograf ein Auskommen und als gestandener Profi etwas Anerkennung bekommen möchte? Wenn Honorar-
vereinbarungen und Rahmenverträge nicht mehr weiterhelfen, kann es nicht schaden, dem Glück etwas nachzuhelfen. Denn wie in nahezu allen anderen Künsten auch, stehen sich die Musen gelegentlich gut mit der Göttin Fortuna. An Wettbewerben für Anfänger, junge Talente und Ausschreibungen für alte Hasen jedenfalls herrscht auch in der Fotobranche kein Mangel und allerorten urteilen Juroren über Exzellenzen und fotografische Spitzenleistungen. Vom angesehenen Nachwuchswettbewerb „Deutscher Jugendfotopreis“ über das „UNICEF-Foto des Jahres“ bis zum begehrten Profi-Preis „World Press Photo Award“ oder dem edlen „Prix Pictet“ haben Stiftungen, NGOs und Museen, zuweilen aber auch nur clevere Geschäftemacher ein weites Netz an zusätzlicher Honorierung über die deutsche wie internationale Fotoszene gespannt.

Welcher Fotowettbewerb lohnt sich wirklich?

Wo gibt es echte Anerkennung und wo werden besonders den Unerfahrenen und Neueinsteigern zusätzliche Gebühren aus den Taschen gezogen?

Wettbewerbe erzeugen in der Szene Aufmerksamkeit.
Peter Franck, Sony World Photography Award-Gewinner

Man sollte zunächst nicht pessimistisch sein. Die Zahl der Fotografie Wettbewerbe, Stipendien und Preise – allein in Deutschland dürfte ihre Anzahl jährlich bei gut 200 liegen – scheint von Jahr zu Jahr zu wachsen und die Preisgelder versprechen zuweilen ein gutes Zubrot abzuwerfen. Zudem können die begehrten Auszeichnungen einen Kick für die eigene Karriere bedeuten, viele renommierte Profis jedenfalls haben das in der Vergangenheit erfahren dürfen. Zu ihnen gehört der in Stuttgart lebende Fotokünstler Peter Franck.

2019-sony-world-photography-awards-ceremony-c-joana-saramago.jpg

SWPA-Gewinner

Auf dem Weg nach oben: der Hauptpreisträger der Sony World Photography Awards 2019, Federico Borella. Als Fotograf des Jahres bekam Borella bei der Londoner Wettbewerbsgala im April 2019 ein Preisgeld von 25.000 US-Dollar überreicht.

© Joana Saramago/Sony World Photography Awards 2019

Gleich mehrfach sind die Aufnahmen des studierten Kunstmalers in den zurückliegenden Jahren mit einem „Sony World Photography Award“ (SWPA) ausgezeichnet worden. 2009, im dritten Jahr des mit je 7000 US-Dollar ausgezeichneten Preises, erhielt Franck ihn in der Kategorie „Advertising“, 2010 bei den „Landscapes“, ein Jahr später waren es die „Still Lifes“, und 2012 erhielt ihn der Stuttgarter, der mittlerweile von zwei europäischen Galerien vertreten wird, sogar dreimal: Zum einen in der Kategorie „Campaign“, dann bei den „Fashions“ und schließlich in „Travel“. Peter Franck ist somit der Experte, wenn es um die Berechenbarkeit des kleinen Glücks geht. Seine stark grafischen, oft digital bearbeiteten Bilder fallen auf und sind stilistisch vielfältig. Und dennoch: Ohne den großen Preisregen – er erhielt zudem mehrmals den „Felix Schoeller Award“ und den „Lens Culture Art Photography Award“ – wäre die Karriere des Stuttgarters vielleicht ganz anders verlaufen.
„Solche Wettbewerbe erzeugten natürlich Aufmerksamkeit, allerdings erfolgt die eher innerhalb einer bestimmten Szene. Da guckt man eben, was Kollegen oder bestimmte Künstler so machen“, sagt Franck, der nach den Gewinnen der ersten SWPA-Awards von seiner heutigen Londoner Galerie kontaktiert und ins Programm gehoben worden ist. Dass Glück indes dennoch nicht planbar ist, das weiß auch ein Mehrfachgewinner wie Franck: „Man kann einige Dinge beachten“, sagt er. „Dazu gehört etwa, dass man bei seinen Bildern um die Ecke denken sollte. Wenn es etwa eine Ausschreibung für einen Schwarzweiß-Wettbewerb gibt, dann ist es in der Regel nicht hilfreich, einen klassischen Schwarzweiß-Akt einzureichen.“ Derlei Bilder habe man in den Jurys schon zu oft gesehen; besser sei es also, man hebe sich vom Mainstream ab. Auch das Verlassen der gewöhnlichen Kategorien könne helfen. Wenn ihm bei einem Thema oder einem Genre nichts einfalle, sagt Franck, dann könne es letztlich besser sein, bei den anderen Rubriken zu schauen. Sich zu verkrampfen jedenfalls bringe gar nichts. Besser also, man schaut sich das Profil eines Wettbewerbs vor jeder Einsendung bis ins kleinste Detail an – das spart Zeit, Arbeit, aber auch Geld. Denn gerade bei vielen internationalen Ausschreibungen von vorwiegend privaten Anbietern werden Anmeldegebühren fällig. In der Regel liegen die zwar nur zwischen 20 und 30 Euro, doch bei Mehrfach-Anmeldungen kann am Ende eine stattliche Summe zusammenkommen. Bedenkt man zudem, dass die Veranstalter solcher Awards zuweilen Anmeldungen in vier- bis fünfstelliger Höhe bekommen, so ist offensichtlich, wer der eigentliche Gewinner solcher zumeist rein online abgehaltener Wettbewerbe sein wird.

peter-franck_wettbewerbe_web.jpg

Frau am Steuer von Peter Franck

Die Arbeiten von Peter Franck überzeugen seit vielen Jahren bereits internationale Jurys. Mehrfach konnte Franck mit seinen hintersinnigen Aufnahmen, die stets einen hohen Wiedererkennungswert haben, in den Professional-Kategorien der Sony World Photography Awards Preise gewinnen. Das Geheimnis des Fotografen: Er versteht es, um die Ecke zu denken.

© Peter Franck

Fotowettbewerbe für Kinder und Jugendliche

Wichtig ist also ein Blick auf das Renommee und auf die Geschichte eines Awards. Je bekannter der Veranstalter und je tradierter der Wettbewerb, umso schöner ist am Ende auch ein Gewinn – da ist es fast egal, ob der dann bei 500 oder bei satten 5.000 Euro liegt. Denn bei den guten Wettbewerben steht man in der Regel in einer Reihe mit den großen Legenden. So ist es etwa beim Deutschen Jugendfotopreis, einer Auszeichnung, die sich dediziert an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von 25 Jahren wendet. Jan Schmolling, Leiter dieses vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend gestifteten Preises, ist stolz darauf, dass der Wettbewerb bereits seit fast 60 Jahren über die Bühne geht. Nahezu jeder in der Fotoszene weiß, für welch hohe Qualität der Deutsche Jugendfotopreis steht. „Er ist einer der traditionsreichsten Fotowettbewerbe in Deutschland. Viele erfolgreiche und stilprägende Fotografinnen und Fotografen hatten bei diesem Wettbewerb als Jugendliche und junge Erwachsene ihre ersten Ausstellungen, so etwa Ute Eskildsen, Volker Krämer, Wilfried Bauer, Frieder Blickle, Katharina Bosse und Wiebke Loeper“, schwärmt Schmolling. Wenn er heute sähe, wie einstige Teilnehmer, darunter etwa der heutige Ostkreuz-Fotograf Julian Röder, mit ihren Aufnahmen längst für jedes gute Magazin gebucht werden, dann sei er durchaus stolz auf den alle zwei Jahre ausgelobten Wettbewerb, bei dem die Gewinner in verschiedenen Altersgruppen und Kategorien ein Preisgeld von je 500 Euro gewinnen können.
Verglichen mit anderen Preisen ist das nicht viel Geld, dafür aber ist der „Deutsche Jugendfotopreis“ vollkommen unabhängig von Intentionen und Einflüsterungen Dritter. Es geht hier einzig und allein um die Fotografie. Kein Lobbyismus, keine politischen Ziele. Das ist nicht bei allen Preisen so. Da gibt es etwa Wettbewerbe, die es sich zur durchaus berechtigten Aufgabe gemacht haben, besondere Berufsgruppen oder gesellschaftliche Minderheiten zu fördern oder solche, die im Namen bestimmter Unternehmen oder Hersteller verliehen werden.

Fotowettbewerbe mit großen Namen

Andere Wettbewerbe wiederum haben in ihrer Ausrichtung nicht nur die späteren Gewinner im Fokus. Ihnen geht es vor allem um das Andenken an bestimmte Namensgeber oder um die Fortschreibung einer besonderen fotografischen Ästhetik. Der im Jahr 2000 erstmals vergebene „Marta-Hoepffner-Preis“ für Schwarzweiß-Fotografie etwa gehört in diese Kategorie. Ursprünglich als ein reiner Frauenwettbewerb ins Leben gerufen, soll er heute vor allem an das Werk der zu Unrecht vergessenen Pionierin der abstrakten Fotografie, Marta Hoepffner, erinnern.

marta-hoepffner-preis.jpg

Ausstellung Marta Hoepffner-Preis

Blick in die Ausstellung zum Marta Hoepffner-Preis für Schwarzweiß-Fotografie 2020. Das Thema war in diesem Jahr „Fremder Blick“. Der Preis, der an die Fotolehrerin und Fotografin Marta Hoepffner erinnern soll, wurde im Juni 2020 an Nikolaus Stein verliehen.

© Marta Hoepffner Preis

Auch der nun bereits zum 13. Mal verliehene und mit 3000 Euro dotierte „Aenne-Biermann-Preis“ ist solch ein Erinnerungs-Award und selbst der von der Kölner SK-Stiftung Kultur alle zwei Jahre ausgeschriebene „August-Sander-Preis“ soll, obwohl der Namensgeber längst zu den unvergessenen Klassikern der internationalen Fotokunst zählt, eine Ästhetik fördern, wie sie im Interesse August Sanders gelegen hätte: „Mit der Auslobung des Preises verbindet sich die Idee, junge, zeitgenössische künstlerische Ansätze im Sinne der sachlich-konzeptuellen Fotografie zu fördern“, heißt es daher in den Richtlinien zum Preis. „Vor dem Hintergrund der bedeutenden Portraitfotografien von August Sander sollen sich die fotografischen Werke der Bewerber vorrangig auf das Thema des menschlichen Portraits beziehen.“ Bei solch einer Vielfalt kann es nur helfen, sich vor jeder Einsendung ganz genau zu überlegen, ob ein Preis zu der eigenen Arbeit wirklich passt und welche Bilder man am Ende einreicht.

Der Gewinn hilft mir sicherlich bei zukünftigen
Anträgen für Projektförderungen.
Marlene Pfau

kunstpreis-lotto-marlene-pfau.jpg

Serie "Sorgearbeit"

Die Land Brandenburg Lotto GmbH (LBL) setzt sich seit 1993 für die Gegenwartskunst ein. Der aus diesem Engagement hervorgegangene Kunstpreis Lotto in Höhe von 10.000 Euro wurde 2020 an Marlene Pfau für ihre Serie „Sorgearbeit“ verliehen.

© Marlene Pfau/Kunstpreis Lotto

„Ich habe im Vorfeld viel recherchiert“, sagt etwa Marlene Pfau, Gewinnerin des diesjährigen „Kunstpreis Fotografie“, der seit 1993 von der Land Brandenburg Lotto GmbH vergeben wird. „Ich habe geschaut, wer in der Jury sitzt, was in den vorangegangenen Jahren nominiert worden ist und ob der Preis wirklich eine Schnittstelle zu meinem Werk aufweist.“  Marlene Pfau hat auf diese Weise schon an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen, doch der Gewinn des „Kunstpreis Fotografie“, der besonders in der Berliner Fotoszene hohe Anerkennung besitzt, ist für die Absolventin der Neuen Schule für Fotografie eine besondere Ehre – nicht nur, weil ihr Werk aus 160 Einreichungen herausstach und am Ende mit einer Ausstellung und einer kleinen Publikation gewürdigt worden ist, der Award ist vor allem ein bleibendes Highlight in der eigenen Künstlerbiografie. „Der Gewinn hilft mir sicherlich bei zukünftigen Anträgen für Projektförderungen“, glaubt Pfau, die sich über die Aufmerksamkeit im Umfeld der Preisverleihung sehr gefreut hat. „Nach so einer Verleihung ebbt das Interesse natürlich auch wieder ab, aber dennoch ist der Gewinn gut für den weiteren Marktwert.“ Es kann also nie schaden, wenn man für eine Wettbewerbsteilnahme weder Arbeit noch Mühen spart. Das gilt auch für die Präsentationsform der eigenen Bilder.

Verleihen Sie Ihren Fotos eine persönliche Note

Katharina Raab, eine Berliner Galeristin, die im letzten Jahr in der Jury für den „IBB-Preis für Photographie“ saß, kann noch immer nicht glauben, wie nachlässig zuweilen die Mappenpräsentationen und die zusammen mit den Bildern eingereichten Unterlagen für den seit 2007 von der UdK Berlin und der Karl Hofer Gesellschaft vergebenen (und mit immerhin 5000 Euro dotierten) Award zusammengestellt waren. „Ich finde das Format der Mappe ohnehin problematisch“, so Raab, die in diesem Punkt eher die Preis- ausrichter, denn die Teilnehmer in der Pflicht sieht. Gerade für junge Talente im Bereich künstlerischer Fotografie, so die einstige Jurorin, sollte man auch Möglichkeiten schaffen, Bilder gerahmt und an der Wand hängend zu präsentieren.
Doch wichtiger als das „Wie“, sei am Ende natürlich das „Was“. Für Katharina Raab steht fest, dass jeder Beitrag eine Chance habe, der innovativ sei. „Ich habe bei vielen Einreichungen das Gefühl, dass ich Umsetzungen und Thematiken schon dutzende Male gesehen habe.“ Das sei am Ende natürlich enttäuschend, bedeute im Umkehrschluss aber auch, dass es bei Juroren und Stiftern einen unablässigen Hunger nach frischen und unverbrauchten Bildsprachen gäbe. An den Stil der letztjährigen Siegerarbeit aus dem Atelier der UdK-Absolventin Yuni Kim jedenfalls könne sich Katharina Raab noch genau erinnern. „Natürlich verfolge ich nicht unablässig ihre weitere Arbeit. Ich glaube aber, ich würde auch neue Bilder von ihr erkennen.“ Für Raab ist es das, was preiswürdige Bilder ausmacht: eine eigene Handschrift, ein unverkennbarer Stil. Wer mit derlei Gaben gesegnet ist, der sollte auch weiterhin die wirklich guten Fotowettbewerbe für sich und die eigene Arbeit im Auge behalten.

Das könnte Sie auch interessieren:
> So gewinnen Sie Wettbewerbe

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.