Faszination Sofortbildkamera: von damals bis heute

Warum das analoge Bild wieder im Trend ist
30.01.2018

Das Sofortbild lebt! fM-Redakteurin Anne Schellhase erklärt, wieso die Sofortbildkamera einfach nicht totzukriegen ist und woher der Hype kommt. Sie verrät außerdem ihre Top-7-Kameras.

 

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Anne Schellhase

fM-Redakteurin Anne Schellhase kümmert sich um den Online-Bereich des Magazins und fotografiert leidenschaftlich analog. Sie ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie uns über unsere Social Media-Kanäle kontaktieren.

© Tamara Skudies

Sofortbildkameras sind nichts Neues, ganz im Gegenteil: Erfunden und entwickelt wurde die Sofortbildkamera, wie wir sie heute kennen, bereits in den 40er-Jahren von dem Amerikaner Edwin Herbert Land. Angeblich hat er es keiner geringeren als seiner damals dreijährigen Tochter zu verdanken, dass er heute zu den Pionieren der Fotografie-Geschichte zählt. So beschwerte sich die kleine Dame 1943 darüber, dass es immer furchtbar lange dauern würde, bis sie die Ergebnisse aus Papas analoger Kamera zu sehen bekäme.

Tüftler und Erfinder der er war, brütete Land an einer Lösung des Problems. Es vergingen ungefähr vier Jahre, bis er der Fachwelt im Februar 1947 seine Erfindung präsentieren konnte: Eine Kamera, die binnen kürzester Zeit ein komplett entwickeltes Foto lieferte. Magie zum Zuschauen und Anfassen, sozusagen. Die Polaroid-Kamera war eine Sensation: So etwas hatte es zuvor noch nicht gegeben, Land ahnte zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht, dass seine Erfindung den Beginn vieler erfolgreicher Jahre markieren würde und dies ist nur einer vieler weiterer Gründe, weswegen sich das Sofortbild auch im Digitalzeitalter behaupten kann.

 

Doch war der Weg nicht immer leicht, denn 2008 musste Polaroid das Ende seiner Produktion bekannt geben. Der einstige Gigant – der zu Spitzenzeiten Standorte weltweit und rund 50.000 Mitarbeiter verzeichnete – war bankrott. Die Maschinen in Enschede sollten demontiert werden und die Abrissbirnen schaukelten sich bereits warm. Der Film als solcher geriet mit dem Aufkommen der Digitalkamera ohnehin immer mehr ins Hintertreffen. Wer brauchte denn auch diesen alten Analogkäse, wenn er Pixel haben konnte?

Die Polaroid hat uns von der Dunkelkammer befreit
– F. C. Gundlach

 

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Typisch Holland, Hollandräder nebeneinander, Schellhase, SX-70

Typisch Holland! Das obligatorische Gazellenbild darf bei einem Besuch auf keinen Fall fehlen.

© Anne Schellhase

Doch gab es einen Mann, der sich damit ganz und gar nicht abfinden wollte und dessen Faszination nicht nachließ: Polaroid lud Florian Kaps – der zu diesem Zeitpunkt bereits drei Jahre lang mit Polaroid-Filmen handelte und sich auch heute noch für den Erhalt des Films einsetzt – zum großen Bankrottbankett nach Enschede, Holland ein. Dort erfuhr der Österreicher vom damaligen Produktionsleiter, dass der Abriss für die kommende Woche geplant sei. Binnen weniger Tage organisierte Kaps die nötigen finanziellen Mittel, um das Sofortbild vor dem Aussterben zu retten. Er machte das Unmögliche möglich: The Impossible Project war geboren.

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Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.