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Aufmacher Maestro-Wettbewerb
© Martin Schubert

European Maestro 2017: die drei besten "Street Photographers" Europas

08.11.2017

Die Gewinner des Wettbewerbs European Maestro 2017 zum Thema „Street Photography“ visualisieren Emotionen, Strukturen und entscheidende Augenblicke des Alltags in Europas Metropolen. Wir zeigen Ihnen die Top-3

 

Die kleinen Wunder des Alltags sind aufregend. „Kein Filmregisseur kann das Unerwartete so inszenieren, wie du es auf den Straßen vorfindest“, erklärte Robert Doisneau, der französische Lyriker der Street Photography einmal. Der zeitgenössische Flaneur mit Kamera gibt auf der Pirsch nach diesen Alltagswundern dem Zufall eine Chance. Dabei mag er vielleicht ein wenig nachhelfen, wenn er sich Gegenden mit einem perfekten Bildhintergrund sucht und dort auf das rechte Licht, die passenden Menschen und Momente wartet.

Es ist die Kunst der richtig guten Fotografen, das Straßengeschehen mit flinkem Auge zu beobachten, kommende Ereignisse zu erahnen und intuitiv in einem perfekten Bildaufbau zu erfassen. Der Amerikaner Garry Winogrand meinte einmal, er fotografiere, um herauszufinden, wie etwas fotografiert aussehe. Das klingt zunächst etwas schlicht, trifft aber genau die Essenz. Im Bild, in diesem geronnenen Moment spiegelt sich in Wahrheit der Blick des Fotografen und der Bildermacher lernt immer auch ein wenig über sich selbst.

Tony Sellen, der Zweitplatzierte des diesjährigen European Maestro-Wettbewerbs der EISA (European Imaging and Sound Association), sieht dies ähnlich, wenn er jetzt erklärt, beim Fotografieren zeige er immer etwas auf seine ganz eigene, individuelle Sichtweise. Der Brite liebt das Reisen und hat in diesem Jahr Straßenszenen mit einem stark graphisch strukturierten Bildaufbau eingereicht. Die Architektur gibt hier die dynamischen Diagonalen vor, in denen sich der Mensch bewegt und letztlich immer ein Bauwerk in seiner imposanten Dimension zeigt.

Der tschechische Wettbewerbssieger Martin Schubert ist hingegen ein „Straßenkünstler“, der uns Lichtstimmungen in den Farben der Nacht vermittelt. In seinen besten Bildern spiegeln sich die Neonreklame der Hausfassaden und der dramatische Abendhimmel und machen ein Motiv zum scheren-schnittartigen Stimmungsbild. Einige der besten Straßenfotos zeigen uns die zufälligen, bisweilen absurden Parallelen des Alltags.

Der Pole Slawomir Rogowski praktiziert das in klassischer Schwarzweißfotografie. Er sieht die Nonne vor der Teufels-Grafik, knipst die Oma vor dem frustrierten Pandabär-Darsteller oder die Bettlerin vor dem glamourösen Werbeplakat eines Fashion-Labels. Rogowski belegt den dritten Platz in der Endrunde dieses Fotowettbewerbs. Unser deutscher Maestro hat in dem starken Umfeld diesmal leider nicht den Sprung unter die ersten Drei geschafft.

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Dieser Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 10/2017 erschienen. Zur Einzelheftbestellung gelangen Sie hier.

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Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

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