Das haben sie sich verdient: was Profis verdienen

Aktueller Gehalts-Check
16.03.2018

Was kostet ein Luftbild? Und wieviel verdient man als Fotoreporter oder in der Werbebranche? Der aktuelle Gehalts-Check in der Profifotografie liefert Antworten.

 

1. Der Wildlife-Fotograf

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Wildlife-Profis wie Ingo Arndt riskieren für ein gutes Bild einiges.

© Ingo Arndt

​Wer Tiere fotografiert, begibt sich unter Umständen in Lebensgefahr. Für ein gutes Bild setzen Fotografen wie der vielfach preisgekrönte Wildlife-Experte Ingo Arndt immer wieder mal ihre Gesundheit und ihre Existenz aufs Spiel. Arndt macht das nun schon seit fast dreißig Jahren. Zumeist zusammen mit seiner Frau Silke unternimmt er für Magazine, Ausstellungen und Bücher aufregende Reisen zu hühnengroßen Berggorillas oder zu umherstreifenden Braunbären. Es ist ein Abenteuer und ein riesiger Spaß – vorausgesetzt natürlich, die Honorare stimmen. Doch zu seinem Missfallen hat der 49-jährige Frankfurter feststellen müssen, dass diese immer weniger stimmen. Das macht sich nicht unbedingt in seiner eigenen Geldbörse bemerkbar, dafür aber in der gesamten Branche um ihn herum.

Es gibt immer wieder  Kollegen, die Bilder für ein Butterbrot verkaufen.

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Außergewöhnliche Naturaufnahmen, wie diese hier, kosten Geld. Sie fordern vom Fotografen besonders viel Geduld.

© Ingo Arndt

​Zuweilen würden Fotos sogar verschenkt. Dabei seien es längst nicht mehr nur Anfänger und Amateure, die sich durch Rabattschlachten Zugang in einen enger werdenden Markt erhoffen; immer öfter seien es auch erfahrene Kollegen. Mit unmoralischen Angeboten versuchten diese Kunden zu locken. Für Ingo Arndt ein „no go“. „Ich bringe weder für Verlage noch für Ausstellungen mein eigenes Geld mit“, so die Überzeugung des Profis. Wer Bilder verschenke, der zerstöre die Grundlage einer ganzen Branche. Allenfalls bei Naturschutzprojekten mache Ingo Arndt gelegentlich einmal eine Ausnahme. Doch die namhaften Magazine, die mit den teuer erkämpften Bildern noch immer gutes Geld verdienten, bekämen bei Arndt das Material nicht umsonst. Das, so sagt er, sei eine Frage der Wertigkeiten. Nur so könne er für sich garantieren, dass es ihm auf dem hart umkämpften Markt weiterhin gut gehe.

2. Die Partyfotografin

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Wenn Alkohol im Spiel ist, ist das Honorar oft auch ein Schmerzgeld.

© Katha Mau

​Katha Mau fotografiert den Spaß der Anderen. In den Nächten von Freitag auf Samstag zieht die gebürtige Grazerin mit ihrer Kamera in die angesagtesten Clubs von Berlin und dokumentiert dort ausgelassene Gäste beim Tanzen, Trinken, Party-machen. „In der Regel stellen die Clubs diese Bilder anschließend auf ihre Web-Seite. Damit wollen sie den Traffic der Seite erhöhen.“ Der Traffic auf Katha Maus Konto verharrt dabei eher im Stillstand.

Es gibt  Clubs, die zahlen gerade einmal  14 Euro die Stunde.

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Katha Mau sieht den Job als Party-Fotografin eher als Mittel zum Zweck: Oftmals entwickeln sich daraus Aufträge von finanzkräftigen Kunden, die sie dankend annimmt.

© Katha Mau

Das sei natürlich vollkommen indiskutabel. Damit sei man ähnlich unterbezahlt wie die Barleute und Türsteher – mit dem entscheidenden Unterschied aber, dass man zuvor ein teures Equipment angeschafft und ein aufwendiges Studium absolviert hätte. „Solche Jobs kann man nur machen, um ein bisschen in die Eigenwerbung zu investieren. Wenn man auf einer Party mit einer Kamera herumläuft und ein wenig sympathisch auftritt, dann kommt ab und an eine Anfrage rein, bei dem finanzkräftigere Gäste einen Fotografen suchen.“ Aufträge, bei denen dann auch Katha Mau mehr verlangt. Bei privaten oder halböffentlichen Partys vereinbare sie in der Regel eine Pauschale. Die liege zwischen 250 und 350 Euro. „Oft muss ich dafür dann nur vier Stunden aktiv fotografieren. Doch wenn man bedenkt, dass in dem Honorar auch noch die Nachbearbeitung mit enthalten ist und dass die meisten Partygäste irgendwann vollkommen betrunken sind, dann ist das gerade einmal ein angemessenes Schmerzensgeld.“

3. Der Architekturfotograf

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Macht sich mittlerweile nicht mehr so viele Gedanken über seine Preise: Architekturfotograf Achim Birnbaum.

© Achim Birnbaum

Der Stuttgarter Architekturfotograf Achim Birnbaum hat in den zurückliegenden Jahren viel Erfahrung mit der Kalkulation seiner Honorare sammeln können. Er kennt die Branche aus allen Perspektiven. Der 43-Jährige hat einen Meistertitel im Malerhandwerk, einen Abschluss in Architektur und einen in Fotografie. Seit sieben Jahren arbeitet Birnbaum nun schon als freier Architekturfotograf. „Meine Bilder erklären, wie Dinge zusammenkommen, zeigen Größenverhältnisse und Zusammenhänge auf, tragen zur räumlichen Klärung bei.“ Kurz: Birnbaums Bilder sind eigentlich perfekt.

Doch  wie errechnet man für  Perfektion einen  Preis?

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Jede Foto-Session unterliegt einer genauen Kalkulation.

© Achim Birnbaum

​Gerade in den Anfangsjahren habe sich Achim Birnbaum darüber viele Gedanken gemacht. „Durch eine Assistenz bei einem Kollegen habe ich bereits vor der Selbständigkeit eine Vorstellung davon entwickelt, aus welchen Leistungsbausteinen sich ein Honorar zusammensetzt“, sagt er. Endgültige Klarheit habe dann ein Besuch bei einem Steuerberater gebracht. Heute weiß der Stuttgarter, dass in die Kalkulation eines angemessenen Honorars verschiedene Fragestellungen einfließen müssen: „Wieviel Zeit brauche ich für eine vorher festgelegte Zahl an Bildern? Wie schnell sollen die Fotografien zur Verfügung gestellt werden? Welche Nutzungsrechte räume ich ein? Wieviel Recherche ist notwendig?“ Hinzu kämen Gedanken zur Sozialversicherung zu Urlaubszeiten und Kameraausrüstung. Und ein Gewinn, so ergänzt er, solle ja auch noch in die Kalkulation einfließen. Das Ergebnis: „Ein Mittelwert zwischen 60 und 80 Euro in der Stunde.“ Ob das den Mühen der Selbständigkeit entspricht? Achim Birnbaum glaubt, dass sich etwas ändern muss – weniger in der Honorierung, dafür in der Einstellung: „Die individuelle Handschrift eines Fotografen sollte eine größere Rolle spielen. Dann würde sich ein angemessenes Einkommen erzielen lassen.“

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Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.