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© Pascal Kerouche

Snapshot Stories: Bildband von Pascal Kerouche in den Startlöchern

Crowdfunding-Tipp der Woche
07.11.2016

Erst im Juni hatten wir Pascal Kerouche im exklusiven fM-Interview. Er erzählte uns von seinen Erlebnissen in New York und wie viele glückliche Zufälle dazu führten, dass er ein halbes Jahr lang mit Snoop Dogg unter einem Dach wohnte. Auf 228 Seiten kriegen wir nun in seinen "Snapshot Stories" einen Blick hinter die Kulissen seiner ereignisreichen Zeit in Amerika. Eine Crowdfunding-Kampagne soll dem Projekt zum Druck verhelfen und wir haben den Fotografen mit ein paar Fragen gelöchert

 

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Der Fotograf Pascal Kerouche höchstpersönlich

Der Fotograf Pascal Kerouche höchstpersönlich. Neben der Musik- und Werbefotografie interessieren ihn außerdem bildjournalistische Projekte

© Olaf Lumma

Vor einigen Monaten erst erzählte uns Pascal Kerouche von seinen Plänen, einen Bildband auf den Markt zu bringen, in dem er Schnappschüsse und private Bilder aus seiner Zeit in New York zeigt. Samt dazugehöriger Geschichte natürlich, denn davon hat er eine Menge auf Lager: So hielt sich der 33-Jährige anfangs mit gerade einmal 70 Dollar über Wasser, indem er sich dreimal täglich ein Croissant vom Corner Store gönnte und teilte sich mit sechs weiteren Personen eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Bronx. Er schlich sich heimlich für seine Fotos auf Konzerte und wurde eher beiläufig ein Mitglied in Ja Rules Murder Inc. Gang. Eben so zufällig schoss er das erste Foto von Lil´Kim nach ihrem Gefängnisaufenthalt und landete nur Stunden später mit einem Haufen anderer Leute in Snoop Doggs Hotelzimmer – der Beginn einer Freundschaft, die bis heute Bestand hat und dazu führte, dass er zum Haus- und Hof-Fotografen eines weltbekannten Stars wurde.

Kerouches “Snapshot Stories” stehen nun in den Startlöchern, pickepacke voll mit privaten Einblicken. Wie sieht es also aus, das tägliche Leben in New York? Die kleinen Kriege auf den Straßen der Bronx? Im Studio mit den ganz großen Hip Hop-Stars? Und wie ist es, Rita´Ora im Umgang vor der Kamera zu schulen, noch bevor sie ihren großen Durchbruch hat? Oder sich in einem Hotel in Vegas zu verlaufen, um zur Belohnung den Auftritt eines der größten Rap-Stars live mit der Kamera zu begleiten?

Snapshot Stories” bei Indiegogo: die Crowdfunding-Kampagne zum Buch

All das und noch viel mehr gibt es in Kerouches “Snapshot Stories” auf insgesamt 228 Seiten zu entdecken. Der Bildband ist größtenteils in Eigenregie entstanden und für die Finanzierung des Drucks hat Kerouche eine Crowdfunding-Aktion via Indiegogo in´s Leben gerufen. Das Finanzierungsziel von rund 8000 Euro wurde innerhalb von zehn Tagen erreicht und jeder weitere Cent, der nun in den Geldtopf fließt wird genutzt, um das Buch noch dicker und schöner zu machen, so Kerouche. Im Angebot Pakete im Wert von 30 Euro für das Buch ohne Zusatz bis hin zu dem Paket für 9999 Euro. Darin enthalten ist neben dem Buch ein Shout Out samt einer kleinen Nachricht von Snoop Dogg persönlich. Außerdem zur Wahl stehen Pakete samt Tshirt, Pullover, Poster oder aber einem persönlichen Meet & Greet.

4 Fragen und 4 Antworten zu den "Snapshot Stories"

fotoMAGAZIN: Das Funding-Ziel für deinen Bildband war innerhalb weniger Tage erreicht: Hast du mit diesem Erfolg gerechnet?
Kerouche: Ehrlich gesagt nicht. Ich hatte zwar keinen Zweifel daran, das Ziel zu erreichen und natürlich hatte ich die Hoffnung, dass viele Freunde mein Buch supporten und ein wenig Geld zusammen kommt. Mein Plan war, sehr viel mehr Aufwand dafür zu betreiben. So waren verschiedene Events und eine kleine Promotour angedacht, das war jetzt alles gar nicht nötig.

Zu Beginn der Kampagne war ich in Island. Nachdem Aktion bei Indiegogo online ging, war ich für zwei Stunden unterwegs zu einer Location, hatte also keinen Internetempfang. Als ich nach zwei Stunden bei der Location ankam, waren bereits 3.000 Euro zusammegekommen … ein unglaubliches Gefühl! Ich hätte auf keinen Fall gedacht, dass es ein solcher Selbstläufer wird. Ich hab ja nichts weiter gemacht, als einen Facebook-Post dazu zu schreiben, dieser wurde offenbar mit sehr viel Liebe geteilt … Jetzt steigt natürlich der Druck bei mir, die Anforderungen zu erfüllen (lacht).

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Aufnahme aus der Serie "Homicide Harlem" von Pascal Kerouche

Aufnahme aus der Serie "Homicide Harlem" von Pascal Kerouche: Fotografiert in den "Wagner Projects" in Harlem, NYC

© Pascal Kerouche

fotoMAGAZIN: Wieso hast du dich für die Finanzierung via Crowdfunding entschieden? Hast du den Entwurf vorab an Verlage verschickt und Absagen erhalten?
Kerouche: Irgendwie mag ich den Crowdfunding-Gedanken und ich glaube das ist auch der Grund dafür. Ich habe selbst schon Bildbände unterstützt, unter anderen die "Tales of an American Summer" von Ben Bernschneider. Es bringt mir einfach Spaß zu beobachten, was passiert und wie man gewissermaßen Teil des Ganzen wird. Das baut einen Spannungsbogen auf und genau das wollte ich auch.

Außerdem ist mein Buch sehr, sehr persönlich: Wenn man den Inhalt auf das Wesentliche runter bricht, ist es im Grunde ein persönliches Tagebuch. Und ich hatte schon immer den Wunsch, ein Buch komplett alleine zu machen und die ganze Kontrolle zu haben. Und um ehrlich zu sein wusste ich nicht, wie man an Verlage rantritt, somit war dies keine wirkliche Option für mich. Nachdem die Kampagne online ging, sprachen mich jedoch einige Verlage an: Ich solle ihnen mal was schicken und sie nehmen das in die Hände. Aber ich habe alle Angebote abgelehnt, auch solche von Freunden, die mir einfach das Geld geben wollten und fertig.

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Aufnahme aus der Serie "Homicide Harlem" von Pascal Kerouche: Fotografiert in den Wagner Projects in Harlem, NYC

Für das soziale Wohnprojekt wurden 2.154 Wohnungen errichtet

© Pascal Kerouche

fotoMAGAZIN: Und was bedeutet es für dich, dieses Buch auf den Markt zu bringen? Ein Buch, in dem du so private Einblicke gewährst?
Kerouche: Ich habe das alles sehr lange unter Verschluss gehalten, weil ich dachte es interessiert eh niemanden – gerade weil es so persönlich ist. 2015 hielt ich jedoch ein paar Vorträge und zeigte genau diese Bilder. Ich merkte, dass es doch ein Publikum dafür gibt. Teilweise fällt es mir auch nicht gerade leicht über gewisse Dinge aus dem Buch zu sprechen. Vor allem ist das Buch aber ein schönes Werk, weil die meisten Menschen, die dort zu sehen sind, mittlerweile sehr gute Freunde von mir sind.

Aber was die Veröffentlichung jetzt im Einzelnen für mich bedeutet, kann ich gar nicht so einfach sagen … Es schließt sicherlich einige meiner alten Kapitel ab und es öffnet neue Türen für mich. Und im Grunde würde ich meinem Sohn auch gerne etwas hinterlassen: Der bekommt schon mit, das Papa immer nach Amerika fliegt, um dort zu arbeiten. Irgendwann kann ich es ihm zeigen, damit das alles einen Sinn für ihn ergibt. Und ganz vielleicht sieht er es auch irgendwie als Motivation und Inspiration für sich an.

fotoMAGAZIN: Wie sehen die nächsten Schritte bzgl. deiner "Snapshot Stories" aus?
Kerouche: Die Crowdfunder kriegen das Buch schon vor Weihnachten, der eigentliche Release ist allerdings erst Mitte Februar. Im Dezember wird es dann einmal eine riesen Party geben: Ein paar Musiker-Freunde haben ihre Unterstützung angeboten, da komme ich dann drauf zurück. Und im Februar geht’s dann richtig los! Da packe ich dann einen Van voll mit meinen Büchern und fahre damit von Stadt zu Stadt.

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Anne Schellhase

Das jüngste Mitglied der fotoMAGAZIN Redaktion ist Anne Schellhase. Die studierte Sozialpädagogin fotografiert leidenschaftlich, vor allem analog, gerne als Lomographin - was in der Redaktion immer wieder zu interessanten Debatten führt. Anne kümmert sich um unseren Online-Auftritt und ist meist die Erste, die antwortet, wenn Sie auf dieser Seite kommentieren oder uns über Social-Media-Kanäle kontaktieren.