Liza Ambrossio "Blood Orange"

Weitere Bildbände von Ed Kashi und Wolfgang Zurborn
14.04.2022

Die mexikanische Fotokünstlerin Liza Ambrossio findet manipulative Bilder, die uns von der Kraft der Hexerei und einer Seelensuche im Fegefeuer der Verlorenen berichten.

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Bildband "Blood Orange"

Liza Ambrossios Bildband "Blood Orange". Erschienen im Kehrer Verlag.

Liza Ambrossio folgt auch in ihrem zweiten Bildband quälenden Dämonen und konfrontiert uns mit alptraumhaften Inszenierungen und schier wahnhaften Schnappschüssen, die sich wie aufblitzende Rituale aus den Folterkammern einer geplagten Psyche aneinanderreihen. Archaische, anarchische Begegnungen aus dem Niemandsland zwischen Traum und Trauma.
Sie findet manipulative Bilder, die uns von der Kraft der Hexerei und einer Seelensuche im Fegefeuer der Verlorenen berichten. Ein Werk wie das Bildtagebuch aus einer Parallelwelt. Als würde der Regisseur David Lynch an der Seite des Malers Hieronymus Bosch auf Meskalin-Trip durch das mexikanische Hochland stolpern. In seiner Radikalität und mit all den Anklängen von Voodoo-Zauber und Azteken-Riten bekommt Ambrossios Werk einen verstörenden Subwoofer und eine authentische Kraft, die direkt auf das Unterbewusstsein wirkt. Ein Werk von seltener Originalität! 
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Bildband Blood Orange

"Blood Orange"

Foto: © Liza Ambrossio

Liza Ambrossio "Blood Orange"
18,5 x 23 cm, 124 Seiten, 77 farbige Abb., Kehrer Verlag,
38 Euro

Ed Kashi "Abandoned Moments"

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Bildband "Abandoned Moments"

"Abandoned Moments" von Ed Kashi. Erschienen im Kehrer Verlag.

Dieses Buch sei seine Liebeserklärung an die Fotografie, sagt der Fotojournalist Ed Kashi. Und stürzt sich und uns hier sogleich vorbildlich ins ausgebreitete „Chaos der Wirklichkeit.“ Ihrer alten Tagesaktualität entrissen, bekommen seine Bilder hier im dynamisch-explosiv komponierten Rückblick auf sein Lebenswerk ein zweites Leben als „verlassene Momente“, die sich nach Kashis höchst individuellen Auswahlprozessen neu zusammenfinden. In diesem mächtigen Taifun der Emotionen vermengen sich Seite an Seite Momente der Gewalt, des Elends und des Glücks. Als fraktale, intuitiv ausgewählte Gegenpole zu Cartier-Bressons „entscheidendem Augenblick“ führen sie uns zu einer Condition humaine im Dickicht manchmal konfuser, nicht immer eindeutig lesbarer Emotionen. Ed Kashi ist ein „Street Photographer“ in den Transitzonen der Geschichte, der in seinem Schaffen die Psyche des Menschen erforscht und dabei das Staunen nie verlernt hat.     ✸  ✸  ✸  ✸ 

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Bildband Abandoned Moments

"Abandoned Moments"

Foto: © Ed Kashi

30 x 24 cm, 136 Seiten, 42 farbige & 26 SW-Abb.,
Kehrer Verlag, 45 Euro

Wolfgang Zurborn "Play Time"

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Cover "Play Time"

Wolfgang Zurborns Bildband "Play Time", Fotohof Edition.

Wolfgang Zurborns Aufnahmen verdichten Zeit und Raum zu Filtraten des Konsumzeitalters. Die Farben der allgegenwärtigen Werbeästhetik quetschen sich hier ins städtische Treiben, das in radikalen Bildausschnitten fragmentiert ins Motiv stürzt. Die Referenz des Titels an den vom Fotokünstler geschätzten Filmemacher Jacques Tati (und dessen Meisterwerk „Play Time“) ist konsequent. Zurborn überführt den surrealen Alltag in seine subjektive Sicht auf Gesten, Muster und die Strukturen der Moderne: in seine Spielwiese des neuen Sehens, auf der sich die Kulissen ins Universum des urbanen Pop fügen.
Zurborns „Play Time“ ist nicht weniger als eine Achterbahn der Sinneswahrnehmungen – voller visueller Loopings und rasanter gestalterischer Steilkurven. Ein derartiges Tempo im Bilderflow wünschten wir uns öfter.     ✸  ✸  ✸  ✸ 

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Zurborn "Play Time"

"Play Time"

Foto: © Wolfgang Zurborn

21 x 27,5 cm, 272 Seiten + 24 Seiten Beiheft, 240 farbige Abb., Fotohof edition, 39 Euro.

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✸  ✸  ✸  ✸  ✸  Muss unbedingt in Ihr Regal
✸  ✸  ✸  ✸  Hat das Zeug zum Klassiker
✸  ✸  ✸  Der Kauf lohnt sich
✸  ✸  Nur für thematisch Interessierte
✸  Darauf können Sie verzichten

Diese Bildbände haben wir im fotoMAGAZIN 1, 2 und 3/2022 vorgestellt.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.