Bryan Adams

25.11.2013

Klick statt Gig? Bildband statt Bandprobe? 
Mancher Rockstar hat die Fotografie für sich entdeckt und feiert damit beachtliche Erfolge.

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© Bryan Adams /Aus der Ausstellung Exposed in der Wiener OstLicht Galerie vom 19.06. bis 22.09.2013

Bezeichnete sich bislang jemand als Fan von Bryan Adams, so hieß das, dass er auf seine Songs stand. Was auch sonst? Inzwischen ist das nicht mehr so eindeutig. Denn der Rockstar macht außer Musik auch Fotos, und zwar durchaus exzellente. Shootings mit Amy Winehouse, Dustin Hoffman und Mickey Rourke etwa. Erotische Modeaufnahmen genauso wie Portraits von Oberhäuptern. Viele der Fotos erschienen in dem von Adams selbst gegründeten Zoo Magazine, aber auch in i-D, Vogue und Vanity Fair.

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Pop-Star Pink

© Bryan Adams/Aus der Ausstellung Exposed in der Wiener OstLicht Galerie vom 19.06. bis 22.09.2013

Zuerst nahm er die Kamera nur deshalb in die Hand, weil er sich für seine Plattencover selbst portraitieren wollte, so erzählt man. Dann wurde mehr daraus. Innerhalb von knapp zehn Jahren hat er zusätzlich zu seinem musikalischen bereits ein kleines fotografisches Werk geschaffen. Ein Fotoband bei Steidl und Einzelausstellungen ehren die lichtbildnerische Seite des Stars. Dabei dreht sich sein Fokus nicht nur um die Welt der Berühmten, zu denen ihm sein Kollegenstatus einen besonderen Zugang schafft. Er entwickelt auch eigene fotografische Projekte, die damit rein gar nichts zu tun haben. So portraitiert er in einer berührenden Serie britische Kriegsversehrte ihren Stolz, ihre Willenskraft, ihren Humor. Ist Adams nun ein seltenes Multitalent?

Ein Blick in die Branchen zeigt: Die Liebe für die Musik und die Liebe für die Fotografie scheinen sich näher als vermutet und das durchaus im prominenten Bereich. Andy Summers etwa, von 1977 bis 1986 Gitarrist von The Police, hatte bei Auftritten nicht nur sein Instrument sondern stets auch seine Kameras dabei. Zwei Nikons, drei Objektive und jede Menge Filme warteten darauf, dass Summers die Finger von den Saiten ließ. Zeit und Muße, den Auslöser zu drücken hatte er sehr oft, jedenfalls kam viel Material zusammen. Allein für seinen jüngsten Bildband Ill be watching you, der ausschließlich Schwarzweißfotos aus den Jahren 1980 bis 1983 zeigt, wurden 25.000 Aufnahmen gesichtet. Heraus kam eine Art fotografisches Tagebuch. Zu sehen: Die Band, die Fans, die Auftritte, die Proben, die Fahrten. Natürlich Hotelzimmer, Pools, nackte Mädchen, Gitarren. Aber Summers sammelte auch Eindrücke jenseits von Sex, Drugs & Rockn Roll. Lichtete ab, was ihm an den Orten ihrer Gigs weltweit begegnete. Es lassen sich weitere Beispiele aufführen: Farin Urlaub etwa, Sänger der Ärzte, fotografiert seit Jahrzehnten auf seinen ausgiebigen Reisen, um andere Länder besser zu verstehen. Inzwischen hat ihn die Editionsgalerie Lumas im Laden. Auch der Soulsänger Seal und Ex-Mann von Heidi Klum macht Fotos, die sich sehen lassen. Schließlich hat ihn sogar Leica zu seinem Markenbotschafter gemacht. Warum nur wechseln Musiker die Seiten? Sonst stehen sie vor den Kameras, nun dahinter. Doch Vielleicht sind sich die Welt der Musik und die Welt der Fotografie gar nicht so fern. Natürlich wird auch in der Musikszene ständig an Bilder gedacht, die Musiker sind das gewohnt. Bands setzten sich in Szene, Sänger posen wie das auf den Aufnahmen wirkt, ist garantiert einkalkuliert. Und natürlich ist Musik nicht nur etwas für die Ohren. So gehören zu jedem Erfolgssong mehr als ein paar Audiospuren, nämlich mindestens ein Musikvideo. Roch´n´Roll braucht Bilder, das ist klar. Warum sollen dann nicht auch Rocker Bilder machen?   Anja Martin
BUCHTIPP Ill Be Watching You: Inside The Police, 1980-83 (Taschen 2007) Ein Fotoband des Police-Gitarristen Andy Summers

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

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