Beth Yarnelle Edwards

Vom Streben nach Glück
24.05.2007

Auf der Suche nach dem „Amerikanischen Traum“ in Kaliforniens Vorstadt-Idylle.

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Beth Yarnelle Edwards

"Beim Abschlag", 2001

© Beth Yarnelle Edwards

Beth Yarnelle Edwards Inszenierungen folgen individuellen Sehnsüchten und dem kollektiven Streben nach Glück.

Die freundliche Dame hat eine Vorliebe für Cowboystiefel und Klamotten mit aufgedruckten US-Fähnchen. Sie ist stolze Besitzerin eines dieser fahrenden Panzerschränke, die Arnold Schwarzenegger einst unter amerikanischen Exzentrikern mit Sinn fürs Martialische populär gemacht hat. Auf Beth Yarnelle Edwards nächstem Bild werden der ursprünglich fürs Militär gebaute Hummer und seine Fahrerin im Mittelpunkt stehen. "Ich fühle, dass das eine gute Metapher für das Amerika von heute ist", sagt Edwards, für die das Motiv der Abschluss ihres Suburban Dreams-Projektes sein könnte.

Über fünf Jahre lang hat sie den Lifestyle von Kaliforniens Mittelstand beobachtet und in großformatigen Tableaus inszeniert. Edwards fand hier Bilder des Amerikanischen Traums, jenes tief verwurzelten Staatsmythos´, dem zufolge allein durch persönlichen Willen und Leistung jeder Bürger seine Position im gesellschaftlichen Gefüge verändern kann. "Ich fühle, dass diese kulturelle Gruppe, die ich hier zeige, im Guten wie im Schlechten die Träume vieler Amerikaner und all jener Immigranten, die sich hier niederlassen wollen, repräsentiert", sagt die Fotokünstlerin.

"Für mich ist es das amerikanische Leben, wie es Film, Fernsehen und Werbung oft vermitteln."

Als fotoMAGAZIN vor drei Jahren Edwards Arbeiten vorstellte, hatte die Fotografin gerade begonnen, das narrative Element ihrer Bilder zu betonen. Bilder, die sie nach umfangreichen Recherchen alltagsnah und aufgeladen mit signifikanten Informationen konstruiert. "Als ich 1997 begann, konzentrierte ich mich auf Einzelpersonen in ihrem privaten Umfeld", erinnert sich die Amerikanerin. "Mein Schwerpunkt  liegt jetzt bei einer Kombination aus volrgefundener Kultur und den Aktivitäten der Menschen im Haus."

An die 80 Motive umfasst ihr Projekt heute.  Edwards erzählt uns von Ritualen, Bräuchen und dem Freizeitverhalten der menschen in Franciscos Bay Area. Sie forscht nach Geschlechterrollen,  zeigt Stress und Entspannungsstrategien einer sozialen Gruppe, der sie sich selbst zugehörig fühlt. Längst ist das hier nicht nur ein Bild gewordenes, ausgelebtes Ideal verwirklichter Vorstadtträume. Edwards Fotos berichten uns von Zeitmangel, Vereinsamung und permanenter Medienberieselung, von kleinen Fluchten und großen Sehnsüchten. Ihre Geschichten aus dem Leben der situierten Vorstadtbürgerschaft formieren sich letztlich zum Groß-Tableau des in der US-Verfassung ersehnten Strebens nach Glück (The Pursuit of Happyness).

Auszüge unseres Portfolios in fotoMAGAZIN 5/2003

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser Chefredakteur Manfred Zollner hat bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft sein Taschengeld als Konzertfotograf verdient. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur des Heftes leitet seit April 2019 die Redaktion. Darüber hinaus betreut er das einmal im Jahr erscheinende XXL-Heft fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios.