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Die Preisträger der Vonovia Awards für Fotografie 2020
Die Preisträger der Vonovia Awards für Fotografie 2020: Ingmar Björn Nolting, Tine Edel, Valentin Goppel und Anja Engelke (v.l.)
© Lea Spraul
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Vonovia Award 2020 | Preisverleihung und Gewinner

Anja Engelke gewinnt Vonovia Award für Fotografie 2020

Zuhause in einer Fotografie
09.10.2020

Am 8. Oktober wurden die Preisträger des diesjährigen "Vonovia Award für Fotografie" bekannt gegeben. Wir stellen die Preisträger mit einer Auswahl aus ihren Bildserien vor.

Bereits im letzten Jahr waren wir bei der Preisverleihung des "Vonovia Awards für Fotografie" vor Ort, doch in diesem Jahr war alles etwas anders. Aufgrund der Corona-Pandemie verfolgten die meisten Zuschauer die Preisverleihung vor ihren Smartphones oder Computern. Per Livestream wurde die virtuelle Preisverleihung, die von Nina Sonnenberg moderiert wurde, aus Hamburg übertragen. Vor Ort war die Anzahl der Personen daher überschaubar. Auf der Bühne widmeten sich unter anderem Amélie Schneider (leitende Bildredakteurin Die Zeit), Peter Miller (Künstler und Fotograf) und Ingo Taubhorn (Kurator am Haus der Photographie in den Deichtorhallen) dem Thema "Visual Story telling". 

Am Ende des Abends verkündete Nina Sonnenberg dann die Gewinner. Den ersten Platz für die "Beste Fotoserie" erhielt Anja Engelke. Den zweiten und dritten Platz belegten Ingmar Björn Nolting und Tine Edel. Als Nachwuchspreisträger wurde Valentin Goppel ausgezeichnet.

Platz 1 – Anja Engelke "Room 125"

Der amerikanische Fotograf Stephen Shore reiste 1973 durch die USA, um seinen Alltag und sein Heimatland fotografisch zu dokumentieren. Dabei ist unter anderem das Foto "Room 125, Westbank Motel, Idaho Falls, Idaho, July 18, 1973" entstanden. Auf dem Bild ist der Ausschnitt eines Hotelzimmers inklusive der Beine und Füße des auf dem Bett-liegenden Künstlers zu sehen. 45 Jahre später baute Anja Engelke nun dieses Foto in ihrer eigenen Wohnung exakt nach und dokumentierte ihr Leben darin. Der Reiz, in eine selbstgewählte Fotografie einzuziehen, sie zu bewohnen und Veränderungen an ihr vorzunehmen, inspirierte sie. In ihrem eigenen Room 125 hat es Engelke so gut gefallen, dass sie auch jetzt – obwohl sie das Projekt inzwischen beendet hat – noch in ihm wohnt. Das Hinzufügen persönlicher Gegenstände in die zitierte Wohnsituation, die Erweiterung durch eigene Alltagssituationen oder das Auftauchen weiterer Referenzen mehrer Fotografien Stephen Shores sowie andere wichtige fotografische Positionen werden innerhalb der Arbeit aufgegriffen. Zu ihrem Projekt "Room 125" hat Engelke schließlich auch das gleichnamige Buch veröffentlicht.

Platz 2 – Ingmar Björn Nolting "Neuland – eine Reise durch Deutschland während der COVID-19 Pandemie"

Den zweiten Hauptpreis, in Höhe von 12.000 Euro, erhielt Björn Nolting. Für seine Serie "Neuland – eine Reise durch Deutschland während der COVID-19 Pandemie" reiste der Fotograf rund 9000 Kilometer durch die Bundesrepublik. Im Zentrum seiner dokumentarischen Fotografie-Serie steht die neue Realität während des Lockdowns. Er dokumentiert mit seinen Bildern die plötzlichen Veränderungen des gesellschaftlichen Alltags. "Ingmar Björn Nolting hat Deutschland im Schockzustand des Corona-Lockdowns bereist. Er zeigt uns, in ein kaltes Licht getaucht, vertraute Orte als uns plötzlich fremd gewordene", erzählt Peter Miller, Künstler, Fotograf und Jury-Mitglied.

Platz 3 – Tine Edel "Die vier Wände"

Die Fotografin und Dozentin Tine Edel erhielt den dritten, mit 10.000 Euro dotierten, Hauptpreis. Ihre analogen Schwarz-Weiß-Aufnahmen – oder genauer gesagt Fotogramme – entstehen im Rahmen ihrer intensiven Arbeit in der Dunkelkammer. Für die Serie "Die vier Wände" arbeitete sie mit Papierschablonen, die jedoch als komplexe Komposition die Illusion dreidimensionaler Räume vermitteln. Das lichtempfindliche Fotopapier wird in der Arbeit zur Spielfläche für räumliche Versuche in Graustufen. "Mit dem Mittel der Papierschablonen versuche ich das Licht zu verstärken und abzuschatten, lege fest, wo sich helle oder dunkle Bildteile befinden, wie sie ineinander übergehen oder aneinandergrenzen", erklärt Tine Edel. 

Beste Nachwuchsarbeit – Valentin Goppel "allá en la pampa"

Valentin Goppel fotografierte in dem Dorf Maria Susana, das in der argentinischen Pampa liegt – vier Stunden von der nächst gelegenen Großstadt Rosario entfernt. Das Leben der dortigen Jugend, gefangen zwischen Stillstand und Aufbruch, Frust und Langeweile, dokumentierte Valentin Goppel während eines Gastaufenthalts mit seiner Kamera. Es entstanden meist nächtliche Aufnahmen voller feinjustierter Hell-Dunkel-Kontraste. Mit seiner Serie "allá en la pampa" gewann Goppel den mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis. "Besonders beeindruckend finde ich das Gruppenbild der jugendlichen Mädchen am Pool. Jedes Mädchen schaut in eine andere Richtung. Sie wirken arrangiert und doch echt und natürlich. Vielleicht gehört das Inszenieren so sehr in unser Leben, dass wir es als natürlich empfinden", sagt Linn Schröder, Fotografin, Professorin für Fotografie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und Mitglied der Jury. 

Ab dem 5. Dezember 2020 werden die Arbeiten der Preisträger 2019 und 2020 im Sprengel Museum Hannover zu sehen sein. Des Weiteren findet eine Ausstellung mit den Serien der Shortlistkandidaten in der Städtischen Galerie Kubus in Hannover statt. 

Rekordzahl an Einreichungen

Mit 575 Einreichungen wurde in diesem Jahr ein neuer Rekord für den – zum vierten Mal verliehenen – Fotografie-Preis erreicht. So fiel es der Jury nicht leicht die Shortlist und anschließend die Gewinner zu wählen. „Das Reduzieren der Einreichungen auf eine Shortlist war eine große Herausforderung dieses Jahr. Es ist ein Luxusproblem, aus so vielen herausragenden Arbeiten 33 auswählen zu müssen“, erzählt Daniel Riedl, Mitglied der Jury und des Vorstands der Vonovia SE. In diesem Jahr nominierte die Jury 33 Kandidaten für die Shortlist: 25 in der Kategorie „Beste Fotoserie“ und acht Kandidaten in der Kategorie „Beste Nachwuchsarbeit“.

Über den "Vonovia Award für Fotografie"

Der Vonovia Award für Fotografie ruft jährlich Profifotografen und Nachwuchstalente dazu auf, Bildserien zum Thema „Zuhause“ einzureichen. Der Wettbewerb lädt Künstler und Fotografen ein, das Thema mit verschiedenen fotografischen Herangehensweisen, künstlerisch-inszeniert, konzeptionell oder dokumentarisch, neu zu interpretieren. Aufgrund der Corona-Pandemie gab es in diesem Jahr viele eingereichte Arbeiten, die an das Thema neu herangegangen sind.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Lea Spraul

Seit September 2019 ist Lea Spraul Volontärin in der fotoMAGAZIN-Redaktion. Sie ist vor allem zuständig für Angelegenheiten, die sich online abspielen – unter anderem Instagram, Facebook, YouTube und Beiträge auf fotomagazin.de. Neben ihrer Tätigkeit in der Redaktion studiert sie „Digital Journalism“ im Master.