Messgerät zur Kontrolle der Verschlusszeiten einer analogen Spiegelreflexkamera
© Klaus Grah
fM: Ist eine bestimmte Marke besonders reparaturanfällig?
KG: Das kann man so nicht sagen. Es gibt defekte Kameras, die man zwar reparieren kann, was aber sehr aufwändig ist und sich daher nicht lohnt. Kodak-Retina-Modelle sind beim Kauf oft beschädigt, da muss man vorsichtig sein. Schwierig ist auch Robot, die Kameras sind mit viel Aufwand zu reparieren, es gibt aber kaum Teile dafür.
fM: Andersherum gefragt: Gibt es weit verbreitete Marken, die bei Ihnen kaum auftauchen?
KG: Leider nein, bei uns kommt alles vor.
fM: Oder Kamerareihen?
KG: Leider auch nicht. Allerdings gehören alte Leicas, Contax- und Alpa-Modelle zum Robustesten auf dem Markt, die sind im normalen Gebrauch kaum kaputt zu kriegen.
fM: Wie sieht es in dieser Hinsicht mit Digitalkameras aus?
KG: Canon- und Nikon-Spiegelreflexkameras sind okay. Schwierig wird es bei digitalen Kompaktkameras, bei ihnen ist eine Reparatur selten lohnenswert. Bei HP und Kodak wird nicht repariert und fast immer ein Tausch angeboten.
fM: Aus Ihrer täglichen Erfahrung heraus: Worauf sollte der Käufer eines gebrauchten Kameramodells besonders achten? Gibt es Unterschiede zwischen Analogen und Digitalen?
KG: Bei analogen Kameras sollte man den sauberen Ablauf des Verschlusses insbesondere der Langzeiten und den Zustand der Verschlusstücher kontrollieren. Weiterhin die Funktionen von Belichtungsmesser und des Entfernungsmessers auf Deckung und Gang. Bei Digitalen kann man Testaufnahmen machen und auf die Sensorsauberkeit achten, wenn man eine weiße Fläche fotografiert. Auch Objektive sollte man sich genau anschauen: Sind die Linsen in der Durchsicht sauber? Befindet sich Pilzbefall in der Optik?
fM: Bieten Sie einen Kamera-Check zum Pauschalpreis an?
KG: Der Check für ein analoges Gerät beträgt 13 Euro, für ein digitales 40 Euro, inklusive Objektiv.
fM: An welchen Kameras tüfteln Sie am liebsten herum? Und welche sind am unangenehmsten?
KG: Gerne arbeiten wir an mechanischen Kameras und Sucherkameras wie zum Beispiel Leicaflex, Hasselblad, Rolleiflex, Leica-M-Modelle und alte Schraubgewinde-Leicas. Deutlich weniger gerne haben wir Kameras, die mit Elektronik überfrachtet sind.
fM: Was war der größte oder spektakulärste Schaden, den Sie bisher behoben haben?
KG: Vor einiger Zeit haben wir einen Brandschaden an einer kompletten Studioausrüstung mit Kameras von Hasselblad, Mamiya und Linhof behoben. Alles war verrußt und feucht, zwei amerikanische Großformatkameras waren sogar angesengt und benötigten neue Teile, die wir auf unseren Dreh- und Fräsmaschinen anfertigen konnten. Die Geräte mussten wir komplett auseinandernehmen und reinigen. Damit waren wir vier, fünf Tage beschäftigt. In manchen Fällen fertigen wir auch Tücher für ältere Studio-Großformatkameras an.