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Startseite › Test & Technik › Gebrauchtmarkt
Gebrauchtmarkt • 13.10.2009
Gebrauchtkauf: Expertentipps aus der Kamerawerkstatt
Klaus Grah in seiner Duisburger Werkstatt: Reparaturaufträge von digitalen und analogen Kameras halten sich die Waage – die digitalen Patienten sind allerdings deutlich jünger
© Klaus Grah
Seit mehr als 40 Jahren ist Grah Optik eine Institution. Nach außen hin ein Fachgeschäft für Augenoptik in Duisburg, verbirgt sich im Inneren eine über die Grenzen des Ruhrgebiets bekannte feinmechanische Werkstatt für Fotogeräte, Projektion, Ferngläser und Mikroskope. fotoMAGAZIN sprach mit Inhaber Klaus Grah über seine Erfahrungen mit defekten Kameras, die Reparaturmöglichkeiten bei Digitalkameras und seine Ratschläge für den Gebrauchtkamera-Kauf
fotoMAGAZIN: Welche Kamerasysteme können Sie reparieren?
Klaus Grah: Wir reparieren analoge Kameras und Objektive von sämtlichen Herstellern, soweit bei Altgeräten alle Ersatzteile vorhanden sind, von der Plattenkamera bis zur Kompakten. Bei den Digitalkameras sind es Canon, Casio, Minolta, Nikon und Pentax, aber keine Modelle von Sony oder Kodak.
fM: Reparieren Sie alles vor Ort oder senden Sie bestimmte Fälle an den Kundendienst der Hersteller?
KG: Zu 90 Prozent reparieren wir hier in unserer Werkstatt. Den Rest leiten wir weiter an den Hersteller. Es empfiehlt sich, bei etwas außergewöhnlicheren Schadensfällen vorher anzurufen, um das Problem zu klären, bevor man das Gerät an uns schickt. Das spart unter Umständen unnötige Versandkosten. Ist es hier eingetroffen, machen wir einen Kostenvoranschlag.
fM: Welche Kameratypen tauchen am häufigsten bei Ihnen in der Werkstatt auf?
KG: Im analogen Bereich sind dies Leica, Contax, Yashica, Hasselblad und Mamiya. Von den Digitalen sind es Canon, Minolta und Nikon.
fM: Wie verteilen sich mittlerweile analoge und digitale Gehäuse auf die Reparaturfälle? Sind Digitalkameras anfälliger als Analoge?
KG: Bei uns kommen in etwa die gleichen Zahlen von analogen und digitalen Kameras zur Reparatur. Dennoch ist die Anfälligkeit von Digitalkameras größer. Sie sind deutlich jünger als die eingelieferten Analogen. Insbesondere die Mechanik von digitalen Kompaktkameras geht schnell kaputt. Zum Beispiel die winzigen Fokussiergetriebe mit ihren Kunststoffzahnrädern, deren Lebensdauer ist von Natur aus begrenzt. Auch die ausgefahrenen Objektive mit ihren Kunststofftuben sind empfindlich und bei einem Stoß schnell beschädigt und dejustiert. Die Digitalen reagieren auch empfindlicher auf Feuchtigkeit oder salzhaltige Luft am Meer.
Messgerät zur Kontrolle der Verschlusszeiten einer analogen Spiegelreflexkamera
© Klaus Grah
fM: Ist eine bestimmte Marke besonders reparaturanfällig?
KG: Das kann man so nicht sagen. Es gibt defekte Kameras, die man zwar reparieren kann, was aber sehr aufwändig ist und sich daher nicht lohnt. Kodak-Retina-Modelle sind beim Kauf oft beschädigt, da muss man vorsichtig sein. Schwierig ist auch Robot, die Kameras sind mit viel Aufwand zu reparieren, es gibt aber kaum Teile dafür.
fM: Andersherum gefragt: Gibt es weit verbreitete Marken, die bei Ihnen kaum auftauchen?
KG: Leider nein, bei uns kommt alles vor.
fM: Oder Kamerareihen?
KG: Leider auch nicht. Allerdings gehören alte Leicas, Contax- und Alpa-Modelle zum Robustesten auf dem Markt, die sind im normalen Gebrauch kaum kaputt zu kriegen.
fM: Wie sieht es in dieser Hinsicht mit Digitalkameras aus?
KG: Canon- und Nikon-Spiegelreflexkameras sind okay. Schwierig wird es bei digitalen Kompaktkameras, bei ihnen ist eine Reparatur selten lohnenswert. Bei HP und Kodak wird nicht repariert und fast immer ein Tausch angeboten.
fM: Aus Ihrer täglichen Erfahrung heraus: Worauf sollte der Käufer eines gebrauchten Kameramodells besonders achten? Gibt es Unterschiede zwischen Analogen und Digitalen?
KG: Bei analogen Kameras sollte man den sauberen Ablauf des Verschlusses insbesondere der Langzeiten und den Zustand der Verschlusstücher kontrollieren. Weiterhin die Funktionen von Belichtungsmesser und des Entfernungsmessers auf Deckung und Gang. Bei Digitalen kann man Testaufnahmen machen und auf die Sensorsauberkeit achten, wenn man eine weiße Fläche fotografiert. Auch Objektive sollte man sich genau anschauen: Sind die Linsen in der Durchsicht sauber? Befindet sich Pilzbefall in der Optik?
fM: Bieten Sie einen Kamera-Check zum Pauschalpreis an?
KG: Der Check für ein analoges Gerät beträgt 13 Euro, für ein digitales 40 Euro, inklusive Objektiv.
fM: An welchen Kameras tüfteln Sie am liebsten herum? Und welche sind am unangenehmsten?
KG: Gerne arbeiten wir an mechanischen Kameras und Sucherkameras wie zum Beispiel Leicaflex, Hasselblad, Rolleiflex, Leica-M-Modelle und alte Schraubgewinde-Leicas. Deutlich weniger gerne haben wir Kameras, die mit Elektronik überfrachtet sind.
fM: Was war der größte oder spektakulärste Schaden, den Sie bisher behoben haben?
KG: Vor einiger Zeit haben wir einen Brandschaden an einer kompletten Studioausrüstung mit Kameras von Hasselblad, Mamiya und Linhof behoben. Alles war verrußt und feucht, zwei amerikanische Großformatkameras waren sogar angesengt und benötigten neue Teile, die wir auf unseren Dreh- und Fräsmaschinen anfertigen konnten. Die Geräte mussten wir komplett auseinandernehmen und reinigen. Damit waren wir vier, fünf Tage beschäftigt. In manchen Fällen fertigen wir auch Tücher für ältere Studio-Großformatkameras an.
Informationen
Grah Optik GmbH
Goldstraße 4-6
47051 Duisburg
Telefon (02 03) 2 13 27
Telefax (02 03) 2 75 12
www.grah-optik.de
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