Schmuddelwetter am Bach

Schmuddelwetter am Bach
Foto: Radomir Jakubowski/ Naturfotocamp.de

Fotografieren am Bachlauf: 7 Tipps für stimmungsvolle Fotos

Tipps vom Naturfoto-Profi
18.01.2017

Warum erst bei richtig schlechtem Wetter richtig gute Aufnahmen von Bachläufen gelingen und was Sie beim Fotografieren am Bachlauf beachten sollten, erklärt Ihnen Radomir Jakubowski

 

Making of...

Making of...

Ein stabiles Stativ und eine gewisse Leidensfähigkeit helfen beim Komponieren des richtigen Bildausschnitts

Foto: Radomir Jakubowski/naturfotocamp.de

​Immer wieder wird in Internetforen geschrieben, dass man für Fotos von Bächen lange Verschlusszeiten und deshalb unbedingt einen Graufilter benötigt. Das ist nur bedingt richtig. Viel wichtiger sind das richtige „Bachwetter“ und ein Polfilter. „Bachwetter“ – das ist bedecktes, niederschlagsreiches Wetter. Am besten sollte es schon einige Tage zuvor stark geregnet haben und – wenn man aufbricht – immer noch leicht regnen. Doch warum soll man sich als Fotograf absichtlich in den Regen stellen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Erst wenn es regnet, offenbaren uns Baumstämme, Blätter und Steine ihre wunderbaren Farben. Der Niederschlag befeuchtet die Oberflächen, wodurch weniger Licht reflektiert wird. Die Bildelemente werden abgedunkelt und erscheinen bei Einsatz eines Polfilters gesättigter. Wichtig hierbei ist jedoch, dass Sie Ihre Ausrüstung schützen. Was Sie noch beachten sollten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

1. Benutzen Sie einen Polfilter

​Hat man erst einmal die richtige Stellung des Filters gefunden und die Spiegelungen auf den nassen Flächen getilgt, zeigt sich darunter die wahre Farbenpracht. Grün-, Orange- und Rottöne sind plötzlich viel lebendiger und wirken extrem gesättigt. Zudem verlängert der Polfilter die Verschlusszeit, was bei Aufnahmen von fließendem Wasser zu einer weichen Anmutung führt.

Und der bedeckte Himmel hat noch einen weiteren Vorteil: Er ermöglicht dem Fotografen eine sehr ruhige und gleichmäßige Ausleuchtung aller Bildelemente. Die starke Bewölkung wirkt wie ein riesiger Diffusor über der Landschaft, der das Licht weicher werden lässt. Ein positiver Nebeneffekt der Niederschläge ist auch, dass die Bäche viel mehr Wasser führen und dadurch wilder und beeindruckender sind. Schmale Rinnsale können so binnen Stunden zu stattlichen Bächen anschwellen. 

2. Tragen Sie wettergerechte Kleidung

Wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv an einem Bach fotografieren möchten, sollten Sie sich möglichst frei bewegen können. Hohe Gummi­stiefel oder Badesandalen und Badehose sind daher sehr zu empfehlen.

3. Machen Sie sich vorab Gedanken über den Bildaufbau

Nichts ist ärgerlicher, als den besten Kamerastandort an einer Stelle im Bach zu sehen, die man nicht erreichen kann. Immerhin sorgt erst der richtige Standort, gepaart mit einem durchdachten Bildaufbau, für eine idyllische Wirkung eines Landschaftsfotos. Vergessen Sie beim Gestalten nicht die Randbereiche des Bildes. Analysieren Sie nach jeder Aufnahme die Bildränder und überlegen Sie sich, ob der Abschluss, den Sie gewählt haben, schlüssig ist oder ob Sie beispielsweise unabsichtlich einen Stein oder Baum angeschnitten haben. Diese Details entscheiden im Nachhinein darüber, ob Ihnen Ihr Bild dauerhaft gefallen wird oder ob Sie es als Schnappschuss in den Weiten Ihrer digitalen Speichermedien verschwinden lassen.

4. Achten Sie auf die Bewegung des Wassers und kombinieren Sie diese mit langen Belichtungszeiten

​Ein wichtiger Aspekt bei der Bildgestaltung an Bächen ist die Linienführung: Uferkanten und Strömungen können als natürliche Linien – die den Blick ins Bild führen – verwendet werden. Das Auge des Betrachters folgt diesen Linien instinktiv. Legen Sie die Komposition so an, dass diese Bildelemente möglichst nahe den Ecken des Bildes entspringen. Insbesondere lang belichtete Strömungswirbel lassen sich sehr gut als blickleitende Elemente einsetzen. Diese nimmt man oftmals erst auf dem Kameradisplay wahr, denn bei längeren Verschlusszeiten verwischt die Strömung und es entstehen helle, kreisende Strukturen, deren Ausprägung man im Vorfeld nur schwer erahnen kann und die auf jedem Bild ein wenig anders aussehen.

Als Faustregel gilt: Verschlusszeiten zwischen 0,3 und 2,5 Sekunden erhalten die Struktur und die Dynamik, gleichzeitig wirkt das Wasser aber bereits angenehm ruhig. Verschlusszeiten, die länger sind, machen das Wasser weicher und strukturloser, hierbei geht die Dynamik allerdings ein wenig verloren.

Wer noch längere Verschlusszeiten bevorzugt, der kann zu einem so genannten neutralgrauen Filter (ND-Filter, Englisch für Neutral Density) greifen. Dieser verlängert die Verschluss­zeit um den angegebenen Wert. Beispielsweise wird die Verschlusszeit 64 mal so lang beim Einsatz eines 64fachen Graufilters. In den letzten Jahren wurden so genannte Vario-ND-Filter entwickelt. Mit diesen Filtern wird die Belichtungszeit durch Drehen des Filters quasi beliebig verlängert und somit die Verschlusszeit frei wählbar.

Wildbach

Wildbach

An Wildbächen bilden sich des öfteren Wasserstrudel. Diese sind mit dem bloßen Auge häufig kaum zu erkennen. Durch das Herbstlaub, das im Strudel rotiert, wird dieser besonders gut sichtbar. Das erreicht man durch eine längere Verschlusszeit, die auch von der Fließgeschwindigkeit abhängt

Foto: Radomir Jakubowski/ Naturfotocamp.de

​5. Gestalten Sie das Bild aktiv mit der Hilfe von Linienführung

Betrachtet man das Beispielbild mit dem Wasserstrudel auf dieser Seite, ist die ausgeprägte Linienführung deutlich zu erkennen. Bereits vor Ort habe ich die im Strudel kreisenden Blätter gesehen, doch erst durch die lange Verschluss­zeit konnte ich die lang gezogene Linie sichtbar machen, die mit ihr erzeugt wurde. Ich habe sie so angeordnet, dass sie aus der unteren linken Ecke in das Bild hinein zum eigentlichen Bachlauf führt. Gleichzeitig verläuft eine zweite, eher unauffällige Linie aus lange belichteter Wasserströmung aus der rechten unteren Ecke in das Bild hinein. Beide schneiden sich und führen dann entlang des Baches weiter bis an die Stelle, an welcher der umgestürzte Baum die Linienführung stoppt. Abschließend kann dann der Blick des Betrachters im vom Nebel verhangenen Wald verweilen.

6. Details am Rande

Neben den offensichtlichen, großen Motiven, findet der Fotograf zusätzlich auch sehr viele kleine Details im und am Bach. Auf der einen Seite bieten Details wie Stromschnellen, Steine und Reflexionen bereits auf der Wasseroberfläche eine unglaubliche Vielfalt an Motiven. Auf der anderen Seite findet man entlang der Bäche wegen der stark erhöhten Luftfeuchtigkeit viele tolle Möglichkeiten, mit Pflanzen wie Moosen oder Farnen zu arbeiten. Ein kleiner Fliegenpilz, der seinen Kopf aus dem Moos streckt, ein mit Wassertropfen benetzter Sporophyt, der im Laub versteckte Frosch oder auch einfach ein Herbstblatt auf einem Moosbett. Alles denkbare Motive, Sie müssen diese nur entdecken! Für diese Bilder eignet sich ein Telezoomobjektiv oder ein Makroobjektiv hervorragend. Nehmen Sie diese neben dem Weitwinkel­objektiv unbedingt mit an den Bachlauf.

7. Fazit: Den Schutz der Kamera nicht vergessen!

Um die Kamera vor Feuchtigkeit zu schützen, verwende ich eine simple Einweg-Duschhaube, die ich über das Gehäuse stülpe. In den dünnen Kunststoff reiße ich ein kleines Loch, um durch den Sucher schauen und fotografieren zu können. Was beim Bachlauf in keiner Kameratasche fehlen sollte ist ein Lappen und Ersatzakkus. Achten Sie auch darauf, dem Wetter entsprechend gekleidet zu sein, sonst ist die Foto-Tour schneller beendet, als Ihnen lieb ist.

 

Dieser Praxis-Beitrag is in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 05/2014 erschienen. 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Radomir Jakubowski

Seine Leidenschaft gehört der Naturfotografie: Radomir Jakubowski bekam schon als Elfjähriger Vaters Pentax in die Hand gedrückt. Heute ist er als Naturfotograf renommiert und Mitglied in der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen. Sein erstes Buch ist "Die Fotoschule in Bildern. Naturfotografie". Für das fotoMAGAZIN erklärt er einige seiner Tricks.