10 Tipps für On Location-Shootings

Praxis-Tipp der Woche
02.09.2016

Unser Autor Tilo Gockel hat 10 Tipps für Sie parat, damit Ihre On Location-Shootings noch besser gelingen

Aufnahmen außerhalb des Studios lassen sich schwerer kontrollieren und stellen besondere Anforderungen – bieten aber auch Chancen.

Tipp Nr. 1: Auch draußen sollten Sie indirekt blitzen

tipp1_tilogockel_01.jpg

Tipp 1: Indirekt blitzen, auch draußen

Draußen über Bande geblitzt: Aufnahme mit Canon EOS 5D Mark III, EF 1,8/85 mm USM bei f/2,2, 1/200 s, ISO 320

© Tilo Gockel

Manchmal hat man nichts dabei außer der Kamera und einen Aufsteckblitz. Vermeiden Sie dennoch das direkte Blitzlicht und probieren Sie doch mal, den Blitz auch im Freien zur Seite zu richten und zu bouncen.

tipp1_tilogockel.jpg

Tipp 1: Indirekt blitzen, auch draußen

Als Reflexionsfläche für den Blitz dient eine Fensterscheibe

© Tilo Gockel

Abends in der Stadt, mit der Kamera im hohen ISO-Bereich gelingt das erstaunlich gut. Die benötigten Flächen, über die Sie den Blitz „über Bande“ spielen können, finden sich überall – im Beispiel war es eine Fensterscheibe. Achten Sie aber stets darauf, dass der direkte Lichtweg zum Modell unterbunden sein sollte. Ein Flag, Abschatter oder einfach auch die Hand helfen hierbei (im Beispiel sehen Sie das „Black Foamie Thing“ nach der Idee von Neil van Niekerk, www.tiny.cc/ges83x). Wichtig ist eine erste Bildaufnahme ohne Blitzlicht, um die Kamera zuerst auf das Umgebungslicht einzustellen.

Tipp Nr. 2: Suchen Sie sich außergewöhnliche Locations für Ihren Shoot

tipp2_tilogockel.jpg

Tipp 2: Außergewöhnliche Locations

Diese Szene wurde mit mehreren Blitzen ausgeleuchtet. Aufnahme mit Canon EOS 5D Mark III, EF 1,8/85 mm USM bei f/2,2, ISO 100, 1/200 s

© Tilo Gockel

Wer draußen fotografiert, der sollte sich auch interessante Umgebungen suchen. Es muss nicht immer das Kornfeld sein, auch Locations wie ein Flughafen, ein Museum, oder – wie in diesem Beispiel – eine Parkanlage mit einem Riesenschachspiel haben ihren Reiz.
Belebt haben wir diese abendliche Szene mit mehreren, teils farbigen Blitzen (Porty und Beautydish von vorne, Speedlight von rechts, Speedlight und Rotfolie von hinten).
Bedenken Sie aber, dass Sie unter Umständen eine Genehmigung benötigen. Häfen (auch im Freien), Bahnhöfe und Flugplätze unterliegen nicht der Panoramafreiheit. Bei städtischen Parks ist die Regelung von Stadt zu Stadt verschieden. Die Stadt Frankfurt spricht bei solchen Projekten von einer „Sondernutzung“ und verlangt 50 Euro, zahlbar an das Grünflächenamt.

Häfen, Bahnhöfe und Flugplätze
unterliegen nicht der Panoramafreiheit.

Tipp Nr. 3: Bei gutem Wetter sollten Sie den ND-Filter nicht vergessen

tipp3_tilogockel_01.jpg

Tipp 3: Neutraldichtefilter

Blitzen bei geöffneter Blende: Canon EOS 5D Mark III mit EF 2,8/24-70 mm L II USM, bei 67 mm, f/3,2, 1/200 s, ISO 100

© Tilo Gockel

Für offenblendige Fotos im Sonnenlicht mit Blitz sind im Moment High-Speed Sync/
Focal-Plane Sync und Hypersync/Supersync angesagt, aber Geräte mit dieser Technik sind nicht ganz billig und auch nicht unproblematisch im Einsatz.

tipp3_tilogockel_02.jpg

Tipp 3: Neutraldichtefilter

Hier das Ergebnis

© Tilo Gockel

Nehmen Sie doch einfach einen Aufsteckblitz und einen Schirm und setzen Sie einen ND-Filter vor das Objektiv (im Beispiel: vier Blenden). Bei hochwertigen ND-Filtern von B&W oder Hoya werden Sie kaum einen Qualitätsverlust feststellen, und auch der Autofokus wird – zumindest bei Werten bis 4 EV – noch problemlos funktionieren. Wie Sie im Making-of-Foto sehen, waren wir hier mit minimalem Equipment unterwegs: Der Schirmneiger samt Mini-Durchlichtschirm von Walimex ist einfach an einem handgehaltenen Kamerastativ befestigt. Es geht aber sogar noch schlanker: Wer an einen der raren weißen „Microbrella“-Mini-Taschenschirme kommt und dazu einen (handgehaltenen) Nissin i40 verwendet, der hat ein Blitzbesteck, das sogar in eine Damenhandtasche passt.

Tipp Nr. 4: Engagieren Sie einen Make-up-Artist

tipp4_tilogockel.jpg

Tipp 4: Make-Up-Artist

Aufnahme mit Canon EOS 5D Mark II, EF 2,8/70-200 mm L IS II USM, bei 123 mm, f/3,2, 1/200 s, ISO 125

© Tilo Gockel

Wenn Sie nur ab und an einmal Menschen fotografieren, dann können Sie den Make-up-Service Ihrer Douglas-Filiale vor Ort nutzen (20 bis 40 Euro). Wenn Sie aber häufig People- und Fashion-Aufnahmen machen oder auch aufwendigere Projekte wie die Meerjungfrau in unserem Beispiel planen, dann lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Make-up-Artist. Hier werden Sie zum Beispiel in der Model-Kartei fündig (bei uns: Jana Salawa).
Im Beispielbild kam ein entfesselter Aufsteckblitz von oben links als kleine Gegenlichtsonne zum Einsatz. Von vorne dient ein zweites Speedlight als Hauptlicht (beide Blitze ohne Lichtformer).

Tipp Nr. 5: Setzen Sie mehr Blitze für mehr Blitzkraft ein

tipp5_tilogockel_02.jpg

Tipp 5: Mehr Power

EOS 5D Mark III, 2,8/70-200 mm bei f/4, 190 mm, 1/200 s, ISO 50

© Tilo Gockel

Manchmal liefert ein einzelner Aufsteckblitz draußen einfach zu wenig Blitzenergie. Bevor Sie dann direkt in einen Hensel-Porty investieren, verwenden Sie doch einmal mehrere Speedlights parallel. Das kann eine  preiswerte und portable Lösung sein, die dennoch Licht satt bietet. Im Beispiel haben wir zwei Yongnuo-YN-560-Blitze parallel in einem weißen Schirm verwendet und dabei den zweiten am  ersten Blitz mit Tape befestigt. Eine elegantere Lösung ist eine Blitzschiene wie in der Abbildung. Unsere ist selbstgebaut, aber natürlich kann man solche Schienen auch fertig kaufen (Quenox, Walimex u. a.).

Tipp Nr. 6: DIY – Bauen Sie sich Ihren Ringblitz doch einfach selbst

tipp6_tilogockel_02.jpg

Tipp 6: Ringblitz fast geschenkt

Für dieses Bild wurden drei Blitze auf einem Ring montiert

© Tilo Gockel

Wenn Sie schon drei Blitze angeschafft haben, dann setzen Sie diese doch einmal anstatt auf eine gerade Leiste auf einen Ring, durch den Sie dann hindurchfotografieren können. Der Effekt kommt einem Ringblitz sehr nahe. Kommerzielle Lösungen hierfür sind rar, aber auch der Selbstbau ist nicht schwer. Sie benötigen nur ein Stück Aluflachmaterial, drei Blitzklemmen, Fotoschrauben und ein Spigot. (detaillierte Anleitung: www.tiny.cc/17x83x).

Tipp Nr. 7: Nutzen Sie vorhandenes Fensterlicht

Keinen Blitz zur Hand? Das ist nicht schlimm, wenn ein Fenster in der Nähe ist. Probieren Sie mit Winkel und Position des Models, bis Sie einen schönen Schattenwurf gefunden haben.

tipp7_tilogockel.jpg

Tipp 7: Fensterlicht

Canon EOS 5D Mark III, EF 1,8/85 mm, bei f/2,2, 1/320 s, ISO 400

© Tilo Gockel

Im Beispiel sehen Sie übrigens ein Panorama aus acht einzelnen Aufnahmen (ein „Bokehrama“, siehe fM 10/15). Der Lohn ist eine besonders geringe Schärfentiefe bei dennoch großem Bildwinkel. So können Sie selbst mit der Kleinbildkamera einen Look erzeugen, der sonst der Mittelformatklasse vorbehalten bleibt. Unsere Location für die Aufnahmen mit Fensterlicht hat es uns außerdem zugegebenermaßen einfach gemacht – das Künstlerhaus Kurus in Heidelberg ist per se sehr fotogen!

Keinen Blitz zur Hand?
Kein Problem, solange ein Fenster in der Nähe ist.

 

tipp8_tilogockel.jpg

Tipp 8: Einfach einmal Sonne, ohne alles

Canon EOS 5D Mark II mit EF 2,8/70-200 mm L IS II USM, bei 200 mm, f/2,8, ISO 250

© Tilo Gockel

Tipp Nr. 8: Machen Sie sich direktes Sonnenlicht  & harte Schatten zunutze

Wer gezwungen ist, am frühen Nachmittag in der harten, hellen Sonne zu shooten, der kann auch aus der Not eine Tugend machen. In unserem Beispiel blickt das Modell direkt in die Sonne und hat dabei die Augen geschlossen. Der Trick bei diesen Aufnahmen ist die Sonnenbrille, die dem Bild den coolen Look gibt.

Tipp Nr. 9: Fotografieren Sie gegen die Sonne

tipp9_tilogockel.jpg

Tipp 9: Gegen die Sonne

EOS 5D Mark III, 2,8/70-200 mm, bei 200 mm, f/4, 1/3200 s, ISO 400

© Tilo Gockel

Später am Tag kann man die tiefstehende Sonne auch als Gegenlicht verwenden. Selbst wenn Sie keinen Reflektor zum Aufhellen zur Hand haben, können stimmungsvolle Aufnahmen gelingen. Der Boden und das Umfeld reflektieren normalerweise ausreichend Licht, und die eventuell noch fehlende Aufhellung geschieht in Lightroom. Im Beispiel haben wir den Blickwinkel so gewählt, dass möglichst viele glänzende Bootrelings zu sehen waren. Diese erscheinen dann als Bokeh-Bubbles im Bild und helfen, die maritime Atmosphäre am Yachthafen zu vermitteln.

Tipp Nr. 10: Nutzen Sie abends die Lichter der Stadt

tipp10_tilogockel_02.jpg

Tipp 10: Lichter der Stadt nutzen

Tipp 10: Lichter der Stadt nutzen

© Tilo Gockel

Auch wenn die Sonne untergegangen ist, können tolle Fotos entstehen. Beziehen Sie die Lichter der Stadt als Bokeh-Kreise in Ihre Fotos ein. Moderne Kameras können auch mit ISO-Werten bis 3200 umgehen und Ihnen so stimmungsvolle Fotos auch aus der Hand ermöglichen. Im Beispiel haben wir von vorne ein Speedlight in einem Reflexschirm und von hinten als Gegenlicht ein Speedlight ohne Lichtformer eingesetzt.
Wichtig ist, dass man bei solchen Shootings wieder zuerst die Belichtung aufs Umgebungslicht einstellt. Erst dann kommen die Blitze hinzu.

Dieser Praxis-Artikel ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 12/2015 erschienen.

Hier haben wir außerdem ein paar Tipps für alle, die den Tücken der Winter-Fotografie den Garaus machen wollen.

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
fotoMAGAZIN

1949 erschien die erste Ausgabe der ersten Fotozeitschrift im deutschsprachigen Raum. Seither begleiten wir die Fotogeschichte. Unsere Kamera- und Objektivtests unter Labor- und Praxisbedingungen helfen Einsteigern und Profis seit jeher bei der Kaufentscheidung. Mancher Fotograf wurde von uns entdeckt. Und seit Steven J. Sasson 1975 für Kodak die erste Digitalkamera entwickelte, haben wir die digitale Fotografie auf dem Schirm. Unsere Fotoexpertise ist Ihr Vorteil.

Artikel unter dieser Autorenzeile sind Gemeinschaftsprojekte der Redaktion.