Das perfekte Studio - Teil 2: Portrait-Studios für Einsteiger

19.01.2012

Knappes Budget und hohe Gestaltungsansprüche? Wir zeigen Ihnen im zweiten Teil unserer Studioserie, dass manches Kleinstudio weniger kostet, als eine gute Kompaktkamera

Davon träumen viele Fotoamateure: die erste Studioblitzanlage. Endlich die Freiheit genießen, mit verschiedenen Lichtformern kreative Ausleuchtungen zu bauen. Schon für rund 250 Euro lässt sich seriös mit Portraitfotografie starten mit nur einem Softboxblitz plus Reflektor am Stativ. Allerdings bieten die meisten Hersteller Sets mit zwei oder drei Blitzgeräten und viel Zubehör an. Solche Setpreise von 500 bis 600 Euro liegen teils 20 Prozent unter der Summe der Einzelpreise. Der listige Spruch Wer mehr ausgibt, spart Geld stimmt hier ausnahmsweise. Eine veritable Studioblitzausrüstung zum Preis einer guten Kompaktkamera? Das klingt doch verlockend. Größere Softboxen lassen sich meist auch später nachrüsten, hier droht keine technische Sackgasse. 

Wer sich erstmals mit Studioblitzen beschäftigt, stolpert über die Angabe von Wattsekunden (Ws) oder Joule (J). Während bei Aufsteckblitzen die bekannte Leitzahl über Blende und Reichweite informiert, macht diese Angabe bei Studioblitzen wenig Sinn. Denn bei gleicher elektrischer Leistung ändert sich die Lichtleistung je nach Lichtformer. Engstrahlende Reflektoren liefern viel Licht auf kleiner Fläche, bei Schirmen und Softboxen ist es umgekehrt. Deshalb beschränken sich die Herstellerangaben meist auf die elektrische Leistung. Ob Joule oder Wattsekunden der Zahlenwert ist gleich. Bleibt die Frage: Wieviele Wattsekunden braucht der Portrait-Einsteiger?
Für eine praxisnahe Antwort haben wir tatsächliche Blendenwerte der vier Einsteigergeräte von CF Photo + Video, Walimex und Elinchrom ermittelt  und auch die Farbtemperaturen ausgemessen. Die Ergebnisse stets mit einer 60x60-cm-Softbox bei einem Meter Abstand bei ISO 100 ermittelt finden Sie in der Tabelle. Hier nur soviel: Unsere ermittelten Maximalblenden zwischen 13 und 18 (exakt: 11,5 und 16,5) klingen üppig. Zumal für Portraits, die ja eher mit offenen Blenden entstehen. Dennoch können die exakten Zahlen nur als Anhaltspunkte gelten. Diverse Praxisbedingungen, für deren Ausführung hier der Platz fehlt, verringern die Werte um ein bis zwei Blenden.
Damit nicht genug. Unerbittlich schlägt die Abstandsregel für Beleuchtung zu: Die Lichtstärke nimmt mit der Entfernung der Lichtquelle quadratisch ab. Für die Fotopraxis bedeutet das: Eine Verdoppelung der Entfernung von ein auf zwei Meter reduziert das Licht um den Faktor vier, was zwei Blenden entspricht. Im ungünstigsten Fall liefern 200 Ws dann nur Maximalblenden um 5,6. Das ist fraglos Magerstufe und der Grund, warum in Profistudios Blitzleistungen von 600 bis 2400 Wattsekunden üblich sind.
Portraitfotografen muss das nicht bekümmern. Denn kleine Softboxen erzeugen nur aus kurzer Distanz diffuses Licht, ein Abstand von 80 cm bis 1,3 m dürfte praxisgerecht sein. Zudem hat der Portrait-Einsteiger mit dem ISO-Wert noch ein Booster-Ass im Ärmel. Für Brustportraits ist die unterste Leistungsklasse von 150 bis 200 Ws also voll ausreichend. Bei Ganzkörperportraits kann es mit der Schärfentiefe (z. B. bei Blende 5,6) etwas knapp werden.

Unterschätzter Regelbereich

Neben der maximal erreichbaren Blende ist die minimal mögliche Blende ein ebenso wichtiges Kaufkriterium. In der Tat kann zuviel Licht auch bei schwächeren Kompaktblitzköpfen ein Problem werden. Portraits, die sich mit selektiver Schärfe durch Blende 4 oder 2,8 auf die Augen konzentrieren, brauchen wenig Helligkeit. Auch in der Einsteigerklasse ist die Leistung über vier, fünf und gar sechs Blenden regelbar, was 1/8, 1/16 und 1/32 der Vollleistung entspricht. Ein großer Regelbereich eröffnet mehr Freiheit in puncto knapper Schärfentiefe.

 

Einstelllicht viel hilft viel

Das Einstelllicht ist ein Hauptmerkmal von Studioblitzgeräten. Damit kann der Schattenwurf beurteilt (oder Reflexe an Brillengläsern) und die Gesamtausleuchtung eingerichtet werden. Auf Neudeutsch heißt das: Licht-Setup. Bei Profiblitzköpfen liegt die Untergrenze bei etwa 250 Watt, 600 Watt sind komfortabel. Was Einsteigergeräte im Vergleich dazu bieten ist fraglos kümmerlich. Die Walimex-Geräte mit 150 Watt und Elinchrom mit 100 Watt liefern etwa gleiche Helligkeit. Die Krypton-Birne bei Elinchrom strahlt mehr nach vorne als zur Seite, ist also effektiver. Im abgedunkelten Raum lässt sich ein Licht-Setup noch erahnen. Mischt sich Tageslicht dazu, fällt eine genaue Beurteilung völlig flach. Das Geizen mit den Wattzahlen hat konstruktive Gründe. Etwa 90 Prozent der Dauerlicht-energie wird in Wärme umgewandelt. Kräftiges Einstelllicht würde Einsteigergeräte regelrecht grillen. Hitzebeständige Auslegung von Elektronik und Gehäuse geht drastisch ins Geld das macht den Unterschied zur Mittel- und Profiklasse aus, weniger die Blitzleistung. Andererseits: Der Grundaufbau gelingt auch mit wenig Watt, an die exakte Ausleuchtung kann man sich heranblitzen.

Schnelle Ladezeiten

Wer jemals einem Workshop für Fotoamateure beiwohnen durfte, wird dem Thema Ladezeit nicht viel Bedeutung beimessen. Es geht gemächlich zu. Walimex gibt 0,8 - 1,5 s (VE-150) und 0,8 - 1,8 s (VC 200 Plus) an. Beim CF FE-180D dauert es einen Wimpernschlag länger, nur Elinchrom fällt mit professionell kurzen 0,6 Sekunden bei Vollleistung auf. Wichtiger ist die Farbkonstanz bei Minimal- und Maximal-Blitzleistung. Unsere Messung mit Softboxen war nicht norm-,  aber praxisgerecht. Herstellerangaben beziehen sich auf die Farbtemperatur der nackten Blitzröhre. Eine Differenz von 500° Kelvin kann unter Umständen sichtbar werden. Allerdings vermischt sich das bei einem Meter Abstand bereits mit Boden- und Deckeneinflüssen und darf nicht überbewertet werden. Abschließend noch zu dem praktischen Eindruck, den die Geräte hinterlassen haben.

FE-180D CF Photo + Video Technik

Nur 50 Watt Einstelllicht, keine Gebläsekühlung. Nach ca. 30 Minuten spricht der Überhitzungsschutz an und schaltet das Gerät ab. Ohne Einstelllicht kann man jedoch stundenlang arbeiten. Gut bedienbar (Tasten wie Elinchrom), sehr leichte, einfache Gehäuseverarbeitung in Kunststoff. Statt integriertem von außen klemmbares Bajonett. 60-cm-Softbox bei den Nähten dürftig verarbeitet, gut dagegen der 95-cm-Octogon. Preisgünstiges Zubehör. Insgesamt Leichtbauweise, kaum für härtere Einsätze gedacht. Rein für Portraitzwecke durchaus okay.

Walimex VE-150/VC 200 Plus

Diese neuen Blitzköpfe ergänzen das umfangreiche Walser-Programm. Gute Anfassqualität, generell guter Eindruck bei Kunstoff- (VE) oder Metallgehäuse (VC). Einfache Bedienung bei VE-150, bei VC 200 Plus weniger intuitiv. Leise, aber ständige Gebläsekühlung. Ins Bajonett passt auch Zubehör anderer Walimex-Gerätelinien, sehr ausbaufähig für Aufstocker. 60 cm-Softbox an hinteren Kletten nur mit männlicher Körperkraft schließbar. Preisgünstiges Zubehör in recht brauchbarer Qualität. Durchaus für härteren Betrieb ausgelegt.

Elinchrom D-Lite 2 it

Hier gibt es Profi-Features. Auto-Dump: beim Runterregeln wird die überschüssige Leistung intern vernichtet, statt durch Abblitzen. Integrierter Empfänger für Fernauslösung, schnelle Zeiten und intuitive Bedienbarkeit. Gute Gehäusequalität. Automatisch temperaturgeregeltes  Gebläse, aber deutlich hörbar. Elinchrom-Bajonett bedeutet Anschluss an Profizubehör in Topqualität, aber kostspielig. Walimex bietet Zubehör mit Elinchrom-Anschluss. Interessant sind die Sets, auch mit D-Lite 4 mit 400 Ws (kaum teurer) oder gemischt als D-Lite 2/4. Solche Sets reichen den Meisten für lange Zeit.
Abschließend der Hinweis, dass ein Online-Kauf das Recht beinhaltet, ein Gerät kurz auszuprobieren. Ein Wochenend-Shooting ist damit jedoch nicht gemeint.  hjk

Weitere Anbieter:

Mettle MT-160A für 96 Euro, 2er-Set mit viel Zubehör bei Best of Technic für 299 Euro. Falcon Eyes SS 150F 150Ws für 139 Euro (über Bilora), 2er-Set 399 Euro. Proxistar PS-300B mit 300 Ws bis 1/32 für 220 Euro. Foto Brenner Helios 300P mit 300 Ws für 249 Euro.

 

Messergebnisse für Lichtgestaltung und Farbtemperatur

 

 Modell  Blende bei maximaler
 Leistung/Farbtemperatur
 Blende bei minimaler
 Leistung/Farbtemperatur
 CF FE-180D  Blende 13
 6600° Kelvin
 Blende 2,8
 6200° Kelvin
 Elinchrom
 D-Lite 2 it
 Blende 18
 5500° Kelvin
 Blende 5
 5300° Kelvin
 Walimex pro
 VE-150
 Blende 13
 6400° Kelvin
 Blende 1,8
 5800° Kelvin
 Walimex pro
 VC-200 Plus
 Blende 18
 6600° Kelvin
 Blende 2,4
 6000° Kelvin

Messverfahren:
Abgedunkelter 24 qm-Raum mit hellen Wänden, Blitzmessung aus 1 m Abstand zentral in eine 60 x 60 cm Softbox mit 1/250 s Torzeit.
Farbmessung aus 50 cm Abstand zentral in eine 60x60-cm-Softbox, Torzeit 1/250 s

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.

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