Gnu-Bogen, Masai Mara 2006
© Nick Brandt
fM: Sie arbeiten in Afrika unter anderem mit Infrarot-Filmmaterial: Wie sind Sie dazu gekommen und wann greifen Sie darauf zurück?
NB: Ich verwende diesen Film jetzt immer weniger. Ich habe tatsächlich schon seit zwei Jahren nicht mehr damit gearbeitet, da mein Blick auf den Ort weniger romantisch geworden ist, realistischer. Zunächst half mir der Film, eine verträumte Schönheit und Lyrik der Landschaft rüberzubringen, wie ich sie damals sah, auf eine Art, die normaler Schwarzweißfilm nicht zeigt.
fM: Sie sagten mal, wie würden „versuchen, die Integrität des Negativs zu bewahren“, als man sie fragte, wie weit sie bei der Photoshop-Bearbeitung gingen. Was bedeutet das konkret?
NB: Was ich da etwas umständlich zum Ausdruck bringen wollte ist Folgendes: Was auf dem Negativ ist, taucht auch im fertigen Foto auf. Ich füge keine Tiere und Bäume hinzu, der Himmel bleibt der gleiche. Manchmal mag er vielleicht aus Aufnahmen ausgeschnitten sein, die ich ein paar Sekunden davor oder danach gemacht habe. Was mir die Natur gibt, wenn ich nur lange genug warte, ist besser, als alles, was ich mit Photoshop machen könnte.
fM: Sie arbeiten mit Ansätzen der Portraitfotografie beim Wildlife-Foto. Haben Sie auch ästhetische/technische Einflüsse der Modefotografie gefunden?
NB: Nein. Eine gute Form, eine gute Pose ist gut in jedem Genre und mit jeder Kreatur, seien es Menschen oder Tiere. Ich fotografiere die Tiere so wie ich Menschen fotografieren würde.
fM: Sie gehen beim Fotografieren sehr nah an die Tiere ran. Riskieren Sie bei diesem Ansatz nicht sehr viel?
NB: Ich bin sehr vorsichtig und traue mir hoffentlich nie zu viel zu. Und meine Guides passen ganz genau auf mich auf.
fM: Warum beschlossen Sie, sich dem Thema Wildlife mit sepia-getönten Schwarzweißaufnahmen zu nähern – geschah das instinktiv oder war das etwa pure Nostalgie?
NB: Zum einen gefällt mir einfach die damit verbundene Ästhetik besser. Bei Schwarzweiß bist Du gezwungen, Dich mehr auf die graphischen, fast schon ikonenhaften Formen der Tiere zu konzentrieren. Darüber hinaus hat Schwarzweiß eine zeitlose Anmutung und ein Teil der ästhetischen Entscheidung dafür macht aus, dass es dem Betrachter das Gefühl vermittelt, die Bilder seien aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Epoche – als ob diese Tiere schon verschwunden wären. Farbe hat mir eine zu moderne Anmutung.
fM: Würden Sie sich selbst als Romantiker bezeichnen?
NB: Ja, aber ich bin ein melancholischer Romantiker, der immer auch die düstren Seiten sieht. Verdammt.
Interview: Manfred Zollner