Technik | 09.11.2009
Ricoh überrascht mit Aufnahmemodul-System: Die GXR wechselt das Objektiv samt Sensor
Ein völlig neuartiges Wechselmodul-Kamerasystem hat Ricoh in Form der GXR vorgestellt. Über einen Schiebeanschluss wird an das kleine Kameragehäuse nicht nur ein Objektiv angesetzt, sondern eine komplette Aufnahmeeinheit, bestehend aus Objektiv, Sensor und Bildprozessor. Die ersten zwei dieser revolutionären Aufnahmemodule – ein Zoom und ein Makroobjektiv – wurden jetzt präsentiert
Die verschiedenen Aufnahmemodule werden bei der GXR einfach aufgeschoben. Das Design lehnt sich an die GR-Linie an
© Ricoh International
Als kleinste und leichteste Digitalkamera der Welt mit eingebautem Blitzgerät und der Fähigkeit zum Objektivwechsel bezeichnet Ricoh seine neue GXR. Dahinter verbirgt sich weit mehr als nur ein Schrumpfen der Maße. Anstatt wie bisher bei Systemkameras die Trennlinie zwischen Kamera und Objektiv zu ziehen, packt Ricoh den Bildsensor samt Bildprozessor zum Objektiv in ein geschlossenes Gehäuse, genannt Aufnahmemodul. Dieses wird über einen so einfachen wie schlauen Schiebeanschluss an die Kamerabasis angesetzt, in der ein weiterer Prozessor sowie die übliche Kamera-Grundausstattung und Bedienelemente stecken. Der Wechsel der Aufnahmemodule gelingt durch simples Entriegeln eines Hebels zum Abnehmen des einen und anschließendes Einschieben des anderen Moduls bis zum Einrasten sehr schnell, wie unser kurzer
Film in der Mediathek zeigt. Bereits Anfang Dezember sollen Kamera und die ersten beiden Aufnahmemodule erhältlich sein.
Preise nach dem Baukastenprinzip
Das alles passt in ein hochwertig verarbeitetes und kompaktes Magnesium-Druckgussgehäuse. Als unverbindliche Preisempfehlung nennt Ricoh 459 Euro für die GXR ohne Aufnahmemodul. Die GXR lehnt sich an die GR-Digital-Serie an und baut auf deren Stärken, wie die Haptik, die Bedienung oder Funktionen wie die „elektronische Wasserwaage“. Das Kamera-Display besitzt eine Diagonale von drei Zoll mit 920.000 Anzeigepunkten. Durch den großen Farbraum (100 Prozent sRGB) sollen die Farben der Aufnahmen wirklichkeitsgetreu wiedergegeben werden.
Objektiv, Bildsensor und Bildverarbeitungsprozessor sind jeweils Bestandteil der Aufnahmemodule, sodass jeweils eine optimale Anpassung aufeinander geschehen kann. Daher gibt es im Kameragehäuse selbst keinen Bildsensor. Ein großer Vorteil dieser Abkapselung der Aufnahmeeinheit ist zudem die Tatsache, dass beim Objektivwechsel kein Staub auf den Sensor gelangen kann.
Das eingebaute und ausklappbare Blitzgerät (links) lässt sich sowohl automatisch als auch manuell steuern. Der elektronische Aufstecksucher (rechts) ist optional
© Ricoh International
Zwei Aufnahmemodule hat Ricoh vorgestellt: Das Ricoh-Objektiv 2,5-4,4/24-72 mm VC (KB-äquivalent; ca. 370 Euro) hat einen Sensor mit einer Auflösung von 10,0 Millionen Pixel (maximal 3648 x 2736 Pixel, 1/1,7-Zoll-CCD). Der Sensor ist mit dem der GR Digital III identisch. VC steht für Vibration Control, den Bildstabilisator über Sensorausgleichsbewegungen. Die Nahgrenze beträgt einen Zentimeter. Filmen ist maximal mit VGA-Auflösung (30 B/s) möglich.
GR-Objektiv 2,5/50 mm Macro
Aufnahmemodul Nummer zwei ist das GR-Objektiv 2,5/50 mm Macro (ca. 670 Euro) mit 12,3 Megapixeln (maximal 4288 x 2848 Pixel). Zum Vergleich: Der 23,6 mm x 15,7 mm große CMOS-Sensor ist größer als ein APS-C-Sensor der Canon-EOS-Digitalen! Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt 1:2 bei einer kürzesten Aufnahmedistanz von sieben Zentimetern. Mit dem Macro lassen sich höher auflösende Filme aufnehmen (1280 x 720 Pixel, 24 B/s).
Je nach gewähltem Aufnahmemodul kostet die aufnahmefähige GXR etwa 830 Euro (mit dem 24-72 mm) oder rund 1130 Euro mit dem 50-mm-Macro.
Ein drittes Objektiv mit der Brennweite 28-300 mm wurde für 2010 angekündigt. Neben Aufnahmemodulen ist auch der Anschluss anderer Geräte wie zur Bildausgabe (Drucker, Projektor), als Datenspeicher oder Bildbetrachter denkbar.
GXR mit angesetztem Zoom (rechts), das Aufnahmemodul GR-Objektiv 2,5/50 mm Macro (links) und das Magnesium-Druckgussgehäuse
© Lars Theiß
Wichtigstes Zubehör zur GXR dürfte der elektronische Aufstecksucher VF-2 (ca. 250 Euro) sein. Mit etwa 920.000 Bildpunkten löst er sehr hoch auf und zeigt dabei 100% Bildinhalt. Der VF-2 kann um 90 Grad nach oben geschwenkt werden und zeigt die gleichen Informationen wie der Monitor an. Ein selbst öffnender und schließender Objektivdeckel wird für die GXR in der neuen Version LC-2 angeboten. Weiterhin gibt es Weitwinkel- und Televorsätze, Gegenlichtblenden, das TTL-Blitzgerät GF-1, Auslösekabel und Taschen.
Mehr Informationen von Ricoh gibt es
hier
Die wichtigsten technischen Daten der Ricoh GXR (mit 50 mm Macro/mit 24-72 mm)
AUTOFOKUS: 9-Feld-Multi- und Spot-Kontrast-AF, manuell, Fixfokus, automatische Vorfokussierung, AF-Speicher.
BELICHTUNGSMESSUNG: 256-Zonen-Mehrfeldmessung, mittenbetonte Integral-, Spotmessung; Messwertspeicherung.
BELICHTUNGSARTEN: Programm- (mit Shift), Blenden-, Zeitautomatik, Auto, manuelle Nachführmessung, 5 Motivprogramme, Individualeinstellungen; Belichtungsreihenautomatik, Belichtungskorrektur, Weißabgleichsreihe.
BLITZBELICHTUNG: TTL-Blitzmessung, automatischer/manueller Blitz, Langzeitsynchro, Rote-Augen-Korrektur, Blitzbelichtungskorrektur in 1/3 EV-Stufen, Reichweite abhängig von Aufnahmemodul.
BELICHTUNGSZEITEN: 1/3200 (50 mm)/1/2000 (24-72 mm) – 180 s, B.
BLITZSYNCHRONISATION: 1/180 s; 1/4000 s (Super-FP-Modus).
EMPFINDLICHKEIT: ISO 100 (24-72 mm)/200 (50 mm) – 3200.
SERIENBILDFUNKTION: Serie, M-Serie Plus, Intervall; abhängig vom Aufnahmemodul max. 3/1,6 Bilder/s, max. 4/5 RAW oder 15 JPEG in Folge.
STROMVERSORGUNG: Lithium-Ionen-Akku DB-90.
SENSORAUFLÖSUNG: abhängig vom Aufnahmemodul.
BILDGRÖSSE: abhängig vom Aufnahmemodul.
DATEIFORMATE: JPEG, RAW (DNG); Filme AVI (OpenDML).
KB-BRENNWEITENFAKTOR: abhängig vom Aufnahmemodul.
SPEICHER: SD-/SDHC-Karte, interner Speicher 86 MB.
MONITOR: 3 Zoll, 920000 Bildpunkte.
ABMESSUNGEN: Gehäuse 113,9 x 70,2 x 28,9 mm, mit 24-72 mm 113,9 x 70,2 x 44,4 mm.
GEWICHT (Gehäuse ohne Akku, Speicherkarte): ca. 160 g.
Ricoh GXR – weitere Bilder
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