Spurwechsel bei Minus 12 Grad am Messezentrum: das verschneite Frankfurt in den frühen Morgenstunden. Biederbick macht fünf Langzeitbelichtungen, die Lichtspuren festhalten
© Marina Biederbicks
Der erste Eindruck: „Mein Gott, ist das hier alles grau!” Marina Biederbicks erstes Date mit Frankfurt im Winter 2009 war etwas ernüchternd. Das Location-Scouting in der Stadt bei tristem, bedecktem Himmel verlangte ihr etwas Vorstellungskraft ab. Überhaupt war in der Fotografie der letzten Jahre vieles sehr gedämpft. Die Düsseldorfer Becher-Schule zelebrierte den neutral-grauen Himmel. „Städte dürfen auch bunt sein“, findet jetzt Biederbick. Sie mag es, wenn frühmorgens die Gebäude im ersten Sonnenlicht zu leuchten beginnen. Und das sollten sie doch bitte auch in Frankfurt. Sie wollte die Mainmetropole in intensiven Farben portraitieren.
„Sweet Spots“ sollte ihr Stadtportrait doppeldeutig heißen. Der Begriff bezieht sich auf einen Bereich mit optimaler Wirkung. In der Fotografie kann das die Zone optimaler Abbildungsschärfe sein, oder sich einfach nur auf die optimale Wirkung eines Bildes beziehen.
„In den letzten Jahren waren die Farben in der Fotografie reduziert. Stadtbilder dürfen auch mal richtig bunt sein“
Die 23-Jährige Wahl-Münchnerin suchte sich Perspektiven, die deutlich von den Ikonen und Postkartenmotiven abweichen. Selektive Schärfe durch das Verschwenken des Objektivs (Fachbegriff: Tilten) gibt ihren Sweet Spot-Aufnahmen eine unwirkliche Anmutung und großflächige Unschärfebereiche, in denen die Farbe zerrinnt wie feucht auf Aquarellpapier gepinselt.