"Bus Stop" und "Parking Lot", Staten Island, 2004
© Juliane Eirich
Man hält und wartet auf dem Weg von A nach B. Und ist dann schnell wieder weg. Nachts, wenn die Busse in den öffentlichen Depots und die Autos der Parkenden längst in den Garagen der Suburbs stehen, bleibt hier die pure Struktur zurück und zeigt ihr nacktes Gerüst. Beton, Parkstreifen, Straßenlaternen, No-Go-Bereiche der Nacht. Funktionale, kalte Bauten im unwirklichen Licht einer Abendbeleuchtung, die jugendliche Vandalen fernhalten und möglichst niemanden zum Verweilen einladen soll. Juliane Eirich hat diese beiden Motive als Teil ihrer Serie „Nowhere“ 2004 auf Staten Island fotografiert, dem hierzulande wohl unbekanntesten Bezirk New Yorks. „Während meines eineinhalb jährigen Aufenthaltes in New York sehnte ich mich nach Ruhe und Freiraum in dieser Stadt“, erzählt die Münchnerin. „Ich versuchte fotografisch, der Dichte New Yorks zu entkommen und fand auf Staten Island, wonach ich suchte.“ Auf den ersten Blick sind das schlicht und einfach zementierte Großflächen. Doch „Nowhere“ zeigt uns menschenleere Architektur, die zugleich auch immer etwas von der Gegenwart des Menschen erzählt. Wir haben es hier mit einem architektonisch klar strukturiertem Raum zu tun, mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Gesehenen und dessen sonstiger, eigentlicher Funktion. Und plötzlich bekommt das Künstliche auf diesen nächtlichen Panoramen etwas Kunstvolles, wird der beleuchtete Stadtraum skulptural. Nirgendwo ist überall. Die Metropole New York leuchtet fern im Hintergrund, vor uns liegt eine skurrile Ruhezone. Juliane Eirich verschmilzt in ihren Werken einen ausgeprägten Sinn für die Schönheit und die Absonderlichkeiten zeitgemäßen Bauens mit der Sensorik für die surrealen
Stimmungen der Nacht. „Ich lege mein Augenmerk auf vom Menschen beeinflusste Orte“, sagt Eirich. „Das beinhaltet Archi- tektur im weitesten Sinne.“ Die 27-jährige Preisträgerin des New Talent Awards 2007 von fotoMAGAZIN und der Firma Voigtländer bezeichnet ihre Bilder als Architekturportraits. Diese seltsam aufgeladenen, beseelten Architekturportraits geben dem Werk der jungen Fotokünstlerin bereits jetzt ihren speziellen „Signature Style“, eine ausgeprägt individuelle Handschrift.
maz