Stereokarten Sammeln
Frühe Fotos in 3D
Stereoeffekt und Fotografie wurden praktisch zeitgleich gefunden oder
erfunden. Aus der Allianz beider wuchs das Stereobild als eines der
bemerkenswertesten, faszinierendsten Phänomene des 19. Jahrhunderts,
das sammelnd zu verfolgen immer noch ein Erlebnis ist.
Wer
sich heute auf das Thema Stereokarte einlässt, sammelt zumindest eines
nicht: „große“ Kunst. Zwar hat es immer wieder Künstler gegeben, die
sich auf verfahrenstechnisch recht unterschiedliche Weise mit dem
Raumbild auseinander gesetzt haben. Man denke etwa an Jacques Robin
oder den Amerikaner Stephen Sack, der in seiner „Landscapes“-Serie zu
den Ursprüngen der Stereoskopie zurückkehrt. Doch dies bleiben
Ausnahmen.
„Bemerkenswerterweise hat die Stereoskopie im Verlauf ihrer Entwicklung die Fotografen nie als künstlerisches Medium gereizt“, schreibt
Beaumont Newhall. „Gerade ihr besonderer Vorzug, dass sie nämlich eine
verblüffende Tiefenillusion erzeugte, wurde von ihnen offenbar als zu
realitätsnah empfunden“, so der Autor in seiner „Geschichte der
Fotografie“. Womit er nur einen von mehreren Gründen nennt. Sicher hat
auch das von Anfang an kleine Format stereoskopischer Bilder eine nicht
unerhebliche Rolle gespielt.
Von den frühen Veduten über die
Bildschöpfungen der Kunstfotografie bis hin zu den Arbeiten
zeitgenössischer Fotografen war das um künstlerische Legitimation
bemühte Lichtbild stets an möglichst großen, dem Tafelbild wenigstens
angenäherten Formaten interessiert. Und schließlich das Handling: Nur
mit entsprechenden Apparaturen, Brillen, Spiegel- oder
Linsenstereoskopen konnte das Raumbild seine Wirkung entfalten. Was
ungestörtem Kunstgenuss nicht eben dienlich ist. „Das Raumbildwesen“,
bringt es Dieter Lorenz auf den Punkt, „hat einen gewaltigen Haken. Man braucht zur Betrachtung der Bilder stets die (...) ‘Vorrichtung zur
Bildtrennung’. Für diese ist nicht nur ein mehr oder weniger großer
zusätzlicher Aufwand erforderlich, man muss auch Unbequemlichkeiten und
unter Umständen sogar Einschränkungen in Kauf nehmen, zum Beispiel die
Beschränkung auf einfarbige Bilder und vielleicht sogar
Qualitätsverluste. Das ist wohl der Grund, warum sich die Stereoskopie auf Dauer nie durchgesetzt hat.“