Verkaufsstand für Erfrischungsgetränke auf der Chinesischen Mauer. Aus der Serie „Imperial Awakenings„, 2009, ©Stefen Chow
Reich des Wandels: Stefen Chows China-Portraits zeigen Maos Erben in einem Land zwischen Tradition und Moderne. Stimmungsbilder einer Nation
Die Chinesische Mauer ruht verlassen im sanften Grün der Bergwelt. Das größte je von Menschen errichtete Bauwerk, archaisch, imposant, ein bedeutendes Stück Geschichte inmitten der Natur. Wäre da jetzt nicht jener Sonnenschirm, dieser kleine bunte Klecks, der Kontrapunkt im historischen Ambiente. Ein findiger Händler hat auf dem alten Schutzwall seinen Verkaufsstand für Erfrischungsgetränke errichtet und wartet inmitten seiner kleinen Konsuminsel auf durstige Touristen. Stefen Chow hält mit einem Tilt&Shift-Objektiv auf der Spiegelreflexkamera diese Situation fest. Dabei situiert er das Jahrhunderte alte Gemäuer fast komplett im Unschärfebereich und zelebriert so das Unwirkliche dieses Augenblicks. Alles hier soll wirken wie in einem diffusen Traum, den jemand vor langer Zeit und zugleich irgendwann in ferner Zukunft träumen könnte. Dies ist aber auch das Foto eines Kontrastes, der sinnbildlich für vieles im heutigen China stehen könnte. Chows Bildserie „Imperial Awakenings“ greift eine Welt der Gegensätze auf, sie zeigt uns das Leuchten der Moderne hinter Pekings Verbotener Stadt und moderne Wohnklötze neben Chongqings meisterhafter Architektur der Ming-Dynastie. „Mich hat immer schon Chinas Verhältnis zu seiner Kaiserzeit interessiert, da ich selbst ein Nachfahre jenes Kaisers bin, der einst die Song-Dynastie begründet hat“, berichtet Chow. „Zudem glaube ich an das Konzept der Unbeständigkeit und wollte hier das Gefühl einer Zeit wecken, die es so weder in der Zukunft geben wird, noch in der Vergangenheit gegeben hat. Er beobachte das heutige China mit gemischen Gefühlen, sagt Chow.