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Startseite › Galerie › Fotografen
Fotografen • 24.06.2010
JeongMee Yoon
Seowoo and Her Pink Things
© Jeong MeeYoon
Die frühe Kindheit der Mädchen ist heute wirklich oft ziemlich rosig, entdeckte die südkoreanische Fotokünstlerin JeongMee Yoon eines Tages und inszeniert seitdem in ihrer Serie „The Pink & Blue Project“ die
Farbschemen im Kinderzimmer von Jungen und Mädchen als Farbrausch des Konsumzeitalters
Mädchen Pink, Jungs Hellblau. Das schlichte Farbschema der frühen Kindheit ist hinlänglich bekannt und sowohl die Babyausstatter, als auch die globale Spielzeugindustrie leben prächtig vom stereotypen Kaufverhalten der Eltern, das sich hierzulande wie anderswo erstaunlich schnell auf den Geschmack des Nachwuchses überträgt.
Die koreanische Fotokünstlerin JeongMee Yoon hat sich in ihrem „Pink & Blue-Projekt“ über fünf Jahre den kindlichen Farbpräferenzen und überhaupt der Coloratur der Geschmäcker gewidmet.
Seit 2005 besucht sie in Südkorea und den Vereinigten Staaten Familien mit Kleinkindern und arrangiert in durchaus geordneter Sisyphos-Arbeit vor Ort die bunten Besitztümer des Nachwuchses als eine Art Bestandsaufnahme des heimischen Farbrausches. Plüschtiere, Plastikeimer, Zahnputzbecher: was pink ist und dem Mädchen gehört, gehört auch aufs Bild. Dann bittet JeongMee die Kinder, inmitten dieses kurzzeitigen Alltags-Ensembles zur Portraitsitzung.

Was dabei herauskommt, wirkt in seiner Anordnung wie ein Schaufenster der Kindheit im Konsumzeitalter. Die Knaben posen inmitten bläulicher Superhelden und weiteren Action-Toys, die Mädchen in einem schrillen Reich der Hello Kitty-Miezen, Barbie-Klamotten, rosa gewandeten Püppchen und Prinzessinnen. 
Jeeyo and Her Pink Things
© Jeong MeeYoon
Im strukturiert arrangierten Chaos des zeitgenössischen Kinderzimmers sehen wir Gegenstände frühkindlicher Prägung, die die Künstlerin während ihrer Fotosession selbst an den Wänden befestigt hat und dabei selten Resträume jenseits dieses in erstaunlicher Sammelleidenschaft angehäuften Farbspektrums belässt. Die Kinder scheinen in diesem Umfeld fast zu verschwinden. Stolz sitzen die Mädchen im „pinken Paradies“, doch Charakter und Individualität gehen inmitten der doch sehr uniformen Konsumware fast verloren.

Plötzlich wollte die Tochter nur noch rosa Kleidung

Alles begann natürlich mit der eigenen Tochter. Eines Tages – das Kind war damals sechs Jahre alt – scheint das Pink für das Auge der Mutter einfach zu präsent. 2006 schildert JeongMee in einem Künstler-Statement die Situation im Kinderzimmer: „Sie wollte nur noch rosa Kleidung tragen, rosa Spielsachen besitzen und Gegenstände in Pink.“ Mehr noch: die Fotografin stellt plötzlich fest, dass sich die meisten anderen Mädchen in ihrem Umfeld nicht viel anders verhalten. „Das Phänomen scheint unter verschiedensten ethnischen Gruppen unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund weit verbreitet. Diese Vorliebe ist das Ergebnis kultureller Einflüsse und der Macht der Werbung, beispielsweise für Barbie und Hello Kitty“, analysiert die Künstlerin, für die Pink Lieblichkeit und Feminität symbolisiert.

Mit ihrem Projekt will JeongMee Yoon aufzeigen, wie stark Kinder und Eltern heute von Werbung und Populärkultur beeinflusst werden. Gleichzeitig zeigt sie uns ein gesellschaftlich vermitteltes Bild von Femininität. „Bewusst oder unbewusst tragen diese Mädchen Pink, um feminin auszusehen“, sagt die Künstlerin und macht darauf aufmerksam, dass dies nicht immer so gewesen ist. Yoon zitiert einen Aritkel der US-Tageszeitung The Sunday Sentinel aus dem Jahr 1914, in dem Müttern, die Wert auf Konventionen legen, empfohlen wird, Rosa für Knaben und die Farbe Blau für Mädchen auszuwählen.
Seohyun and Her Pink Things
© Jeong MeeYoon
Die Kehrtwende im Farbkonzept kam nach ihren Recherchen erst nach dem  Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit der Idee der Gleichheit der Geschlechter hat sich auch unser Blick auf die Farbe verändert, ja sogar komplett umgekehrt. Heute ist die strikte Farbtrennung schon im Kaufhaus vorgegeben. „Die Unterschiede zwischen Gegenständen für Jungen und Mädchen sind frappant und wirken sich auf ihr Denken und ihr Verhalten aus“, erkennt die Fotografin. „Viele Spielsachen und Bücher für Mädchen sind rosa, lila oder rot und haben einen Bezug zu Make-up, Kochen und Haushaltsarbeit.“

Die Rollenidentifikation und Präferenz von poppigem Pink wird zunächst über das Elternhaus vermittelt. Doch wie entwickelt sich dieses Farbspektrum der Mädchenwelt, wenn der individuelle Charakter und Wille stärker wird? Die Koreanerin hat ihr Projekt als Langzeitstudie angelegt und besucht die Kinder im Abstand von vier Jahren erneut. In der Fortsetzung ihrer Serie schleichen sich plötzlich blaue Farbtöne ins Pink, verändert sich das Schema. Lila wird bei den Mädchen beliebt, dann kommen verstärkt andere Farben hinzu. JeongMee Yoon arbeitet weiter an ihrem Pink & Blue-Project, das sie nun auch auf die Welt der Erwachsenen ausgeweitet hat.

Die Farbmuster der Erwachsenen

Welche Farbmuster gibt es hier? Einen kleinen Einblick vermittelt die Künstlerin während ihrer Portfolio-Präsentation am Meeting Place des Houstoner Fotofests 2010. In einem dominant schwarzen Umfeld hat sich JeongMee Yoon selbst fotografiert. Um sie herum liegen Kameras, Objektive, Kleidung, Designartikel. Steht das Selbstportrait stellvertretend für die unbewusste Flucht vieler Erwachsener aus dem geschlechtsspezifischen Farbdiktat? Manfred Zollner
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