Bilder aus dem Klenz-Projekt "Nummianus" (2006-2007)
© Steffi Klenz
„Mich interessiert die Stadt und wie wir sie beleben“, sagt Klenz. Was wir bei „Nonsuch“ entdecken, ist seelen- und herzloses Bauen. Der historisierende Baustil weist nicht in die Zukunft, sondern zitiert lediglich die Vergangenheit. Klenz sagt, es ginge ihr nicht um einen Kommentar zu spezifischen Orten, dies seien keine Dokumentationen, sondern visualisierte Fragen, auf die es keine eindeutige Antwort gebe. Ihr Projekt „Nummianus“ (2006-2007) hat sich aus „Nonsuch“ entwickelt. Im Großraum von Manchester fotografierte sie leerstehende Häuserzeilen. Hier verrottet der Prototyp des Reihenhauses der britischen Arbeiterklasse, eine britische Architektur-Ikone. „Nummianus“ zeigt in sequenzieller Darstellung den Zerfall einer Kommune, die soziale Isolation der letzten verbleibenden Einwohner, in einer Gegend, die politisch abgeschrieben wurde. Diese uniformen Häuser stehen heute entwurzelt an einem Un-Ort. „Ich glaube, ich habe die Kamera noch nie für Schnappschüsse verwendet, sondern immer, um eine Erinnerung an etwas Gelesenes festzuhalten“, sagt Steffi Klenz. „Mit meiner Fotografie belebe ich meine Notizen“. Bereits im Alter von 19 Jahren hat die Tochter eines Architekten Deutschland verlassen, später am Royal College of Art in London studiert und lebt seitdem in Großbritannien. Ist in ihrer Sicht der Dinge noch etwas deutsches geblieben? Klenz verneint, wenngleich der Vergleich mit den Bechers und die Auseinandersetzung mit der Tradition der Romantik nahe liegt. „Die Referenzen sind klar: Der graue (Becher-)Himmel ist hier nicht grundlos, aber typisch Deutsch ist diese Sicht nicht“, sagt die New Talent Award-Gewinnerin 2008. Die Auseinandersetzung mit dem urbanen Raum prägt ihr konzeptionelles Schaffen. Ihre hintergründigen Bilder bereichern den sozialen Diskurs, unsere Wahrnehmung des Öffentlichen und den Diskurs um das ideale Bauen. Sie sind komplexe Gedankengerüste urbanen Strebens und Scheiterns. Am 24. September wurde Klenz auf der photokina mit dem mit 5000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet.
Manfred Zollner