„Ja, ich will!": Deutschlands 
beste Hochzeitsfotografen

06.02.2017

Viel zu oft sind Hochzeitsbilder austauschbar, stereotyp, kitschig. Deutschlands beste Hochzeitsfotografen und Sieger des neuen Fotowettbewerbs „Masters of German Wedding Photography“ zeigen, dass es auch anders geht

 

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Raman el Atiaoui: türkisch-marokkanische Hochzeit

Schminkzeit: Generationenbild bei einer türkisch-marokkanischen Hochzeit

© Raman el Atiaoui

Das Paar steht auf einer kleinen Brücke, Arm in Arm vor einem knorrigen Baum, Hand in Hand in einer grünen Allee. Der Anzug sitzt, das Hochzeitskleid strahlt. Da wird gezupft und perfektioniert, Köpfe millimetergenau geneigt. Und jetzt bitte mal kurz verliebt schauen! Das mögen vielleicht vorzeigbare Hochzeitsbilder werden, aber keine, die bei den Masters of German Wedding Photography gewinnen. Denn beim seit letztem Jahr in Deutschland ausgetragenen Wettbewerb geht es um die neue Hochzeitsfotografie, die auch mal schrill, überraschend, entlarvend oder humorvoll sein darf. Dieser Award will helfen, das Genre auf ein höheres Level zu heben. „Hochzeitsfotografen beschäftigen sich heute stärker mit Fotojournalismus als damit, all die Posing-Fotos zu schießen“, sagt Christiaan de Groot, der Organisator des Wettbewerbs, selbst Profifotograf im Metier.

„Für mich ist Hochzeitsfotografie die Königsklasse“
Raman el Atiaoui

Es geht um echte Momente, wahre Emotionen, vielleicht auch Missgeschicke. Um die Aufreger des Events, aber auch die kleinen Szenen am Rande, die vielleicht nur der Fotograf mitbekommen hat, bestimmt nicht das ständig im Mittelpunkt stehende Paar. So kann es vorkommen, dass der Fotograf beim Tortenanschnitt mal auf etwas Überraschendes im Hintergrund fokussiert, die Hauptattraktion nur unscharf im Vordergrund hat. Außerdem will man inzwischen den ganzen Tag einfangen, nicht nur die zentralen Ereignisse – und dann gehen, wenn es authentisch wird.

Der Jahressieger des Awards: Raman el Atiaoui. Für ihn ist eine Hochzeit ein 5-Tage-Auftrag: die Vorbesprechungen, der große Tag komplett, die After-Wedding-Shootings, die Nachbearbeitung. Seit 19 Jahren arbeitet er als Hochzeitsfotograf und spielt in der obersten Liga, arbeitet auf 25 bis 30 Hochzeiten im Jahr, für mehrere tausend Euro pro Auftrag.

„Früher hatte es einen komischen Ruf, Hochzeitsfotograf zu sein. Jeder coole Fotograf wollte Werbefotograf werden, Mädels aufnehmen und in der Welt herumfliegen.“ Belächelt, dazu noch unlukrativ: Was konnte man schon nehmen für zwei Stunden Fotos im Park, den Handkuss im Rosengarten oder im Studio vor einem drögen Papierhintergrund? Doch mit mehr Esprit und Kreativität fotografiert stellt sich das Genre ganz anders dar: „Für mich ist Hochzeitsfotografie die Königsklasse“, sagt el Atiaoui. Es ist alles dabei. Von Still bis Eventfotografie, Portrait und Makro bis zur Reportage. Ins Ausland kommt er auch: Allein in Venedig hat er sechs oder sieben Mal Hochzeiten aufgenommen. Immer mehr junge Fotografen drängen ins Genre: Gefühlt zehn neue am Tag.

„Es geht um das, was zwischen Menschen passiert“
Marco Schwarz

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Marco 
Schwarz: Paar in Beirut

Dieses Paar sollte in Beirut für ein Foto zu dem Balkon gegenüber eilen. Schwarz fotografierte sie schon auf dem Weg dorthin

© Marco 
Schwarz

Bis zu dreißig Hochzeitspaare pro Jahr hat auch Marco Schwarz im Sucher. Er ist der zweite Sieger bei den Masters of German Wedding Photography. So lokal, wie man es der Hochzeitsfotografie nachgesagt hatte, ist sie lange nicht mehr. „Im Umkreis von 100 Kilometern habe ich wenig.“ Dafür in Kanada, USA, Libanon, Italien und auf den Seychellen. Paare wollen an Traumdestinationen heiraten, nehmen ihn dahin mit, oder die Aufträge kommen gleich aus dem Ausland.

Auf seinen Fotos sieht man Menschen im Hochzeitsdress an einer Bushaltestelle in Beirut stehen, man erspäht sie durch das Loch im Regenwaldblätterdach oder als kleinen Fleck in den Hügeln der Toskana. Auch ein Trend der Wedding Photography: das Paar als Teil der Landschaft. Schwarz trennt zwischen gestellten Portraitaufnahmen und den Reportagebildern von der Feier. Am Tag der Hochzeit versucht er, im Geschehen zu verschwinden. Er stellt sich nicht vor, er greift nicht ein, er arrangiert nicht. Er beobachtet und schießt: und zwar mit einer von zwei umgehängten Kameras mit Festbrennweiten im Gehen, offenblendig. Er zieht rum, löst aus, geht weiter. „Meist merkt das nicht mal jemand.“ Den 43-Jährigen interessiert, was zwischen Menschen passiert, will Geschichten erzählen.

Auch beim Russen Georgij Shugol, der den dritten Platz belegt, sollen die Fotos erzählen, wie der Hochzeitstag gelaufen ist, und zwar am besten in einer Bilderserie: „Wenn die Emotionen und Atmosphäre vermitteln kann, dann ist sie gut“, sagt Shugol.    

Die Masters of Wedding Photography sind in den Niederlanden vor drei Jahren gestartet. Inzwischen gibt es den Wettbewerb in Italien, Deutschland und bald auch in Großbritannien. Was Christiaan de Groot bei den deutschen Award-Gewinnern als besonders charakteristisch aufgefallen ist: „Die Kombination aus guter Portraitfotografie und gutem Fotojournalismus auf einer Hochzeit.“ In die Art der Hochzeitsfotos spielt auch die jeweilige Kultur hinein. In den Niederlanden hätten die Teilnehmer keine Angst, auch die hässlichen Dinge zu zeigen, hat de Groot beobachtet. „Sie haben viel Humor, auch Emotion. Zeigen oft, was nicht klappt.“ In Deutschland seien die Aufnahmen generell ein wenig gestylter. „Selbst im fotojournalistischen Part soll alles gut aussehen.“ In Italien dagegen dominiere die Perfektion. Es geht um den Glamour der Hochzeiten, die oft in wundervollen Settings stattfinden – landschaftlich und architektonisch.

„Ich achte immer auf das Licht und die Emotion“
Georgij Shugol

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Georgij Shugol: Braut

Die Braut steht im Mittelpunkt, wenngleich ihr Gesicht im Schatten bleibt. Das macht das Bild geheimnisvoll. Und lenkt unseren Blick auf Details wie Schmuck und Kleidung

© Georgij Shugol

Der Wettbewerb soll vor allem Spaß machen, und die Fotografen weiterbringen. Sie können mehrmals im Jahr Bilder beitragen und sammeln übers Jahr Awards. Das bedeutet, Fotografen gehen bewusst durch ihre Arbeiten, betrachten sie kritisch, im Vergleich mit anderen. „Wir sehen auch Fotografen, die beim Auswählen zusammenarbeiten“, erzählt de Groot. „Da ist nicht nur Konkurrenz, sondern auch eine Community, die sich entwickelt.“ Und auch in diesem Punkt hat sich der Stil geändert: „Vor zehn Jahren wäre es unmöglich gewesen, mit seinem Konkurrenten zusammenzuarbeiten.“ Vielleicht hilft die gemeinsame Initiative auch, die Sehgewohnheiten der Kunden weiter zu verändern. Denn sie sind es schließlich, denen die Fotos in erster Linie gefallen müssen.

Ist die Hochzeitsfotografie auf dem Höhenflug? In den Niederlanden beobachtet Christiaan de Groot, dass die Qualität gestiegen ist. Der beste Beweis: Die Zahl der niederländischen Fotografen, die bei internationalen Contests gewinnen, ist heute hoch. Vor drei Jahren gab es nur einen oder zwei niederländische Hochzeitsfotografen, die Awards gewannen. Jetzt sind es zwanzig bis dreißig. „Das hat ein Feuer in der Hochzeitsfotografie entzündet. Wir sehen das auch in Deutschland kommen.“ Doch neuer Stil, Turn zur Reportage, alles schön und gut. Echte Emotionen sind essentiell, das ist angekommen. Trotzdem bleiben auch die klassisch-schönen Aufnahmen ein Teil des Ganzen. „Von „old-school“ kommt man nie ganz weg“, sagt Raman aus Erfahrung. Er mag diese Mischung aus alt und neu. Und er weiß: Hat man das klassische Bild nicht, fehlt es spätestens, wenn das Brautpaar die Aufnahme für die Danksagungskarte aussucht.

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Anja Martin - Journalistin
Über den Autor
Anja Martin

Die langjährige fotoMAGAZIN-Autorin Anja Martin lebt in Berlin, wenn Sie nicht gerade irgendwo an einer exotischen Location am anderen Ende der Welt unterwegs ist. Denn Reisereportagen sind der zweite große Schwerpunkt der Journalistin, die sonst unter anderem auch für die Süddeutsche Zeitung, die taz oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt.