"Der brodelnde Kessel"

Wildlife Photographer of the Year
Foto: Sergey Gorshkov/Wildlife Photographer of the Year 2013

Archiv: Wildlife Photographer of the Year 2013

Abenteuer Wildnis
22.05.2015

Surf-Affen im Weltall oder einfach nur Naturfotos wie von anderen Sternen? Die Siegerbilder des bedeutensten Wettbewerbs für Wildlife-Fotografie sind in diesem Jahr so spektakulär wie nie zuvor. Hier stellen wir Ihnen die besten aus 2013 vor

Der Termin hätte nicht besser gewählt sein können. Gut zwei Wochen nachdem das Stockholmer Klima-Komitee IPCC seinen aktuellen Bericht zum Zustand der Erderwärmung vorgelegt hatte, wurden in London die Gewinner des 49. Wettbewerbs zum Wildlife Photographer of the Year bekanntgegeben. Und so wie der Klima-Bericht abermals auf die Gefährdung unserer Lebensräume hinwies, so zeigen auch viele der Wettbewerbsbilder, dass die Erde eben nicht nur schön und erhaben, sondern leider auch extrem bedroht ist. 43.000 Einreichungen hat es in diesem Jahr zu dem international bedeutenden Award gegeben.

Die Besten werden derzeit im Londoner Natural History Museum ausgestellt. Da ist etwa das Eisbären-Foto des Amerikaners Paul Souders, das den ersten Preis in der Kategorie „Animals in their Environment“ gewinnen konnte. Das Portrait des Bären-Weibchens dokumentiert nicht nur einen grandiosen Augenblick mit dem stolzen Einzelgänger; es symbolisiert ebenso den schmelzenden Boden, auf dem diese stehen. Der Fotograf Luis Javier Sandoval wiederum hat in der Kategorie „Behaviour: Cold-Blooded Animals“ eine vom Aussterben bedrohte grüne Schildkröte aus den Touristengebieten rund um die mexikanische Halbinsel Yucatán ins Bild gesetzt. „Die Tiere haben sich mittlerweile so daran gewöhnt, Menschen im Wasser zu sehen, dass sie vermutlich denken, wir sind Teil der Umgebung“, erzählt Sandoval.

Gewinner über alle Kategorien aber ist in diesem Jahr der südafrikanische Fotograf Greg du Toit geworden. Mit seinem bläulichen Bild „Die Essenz der Elefanten“ hat er sich einen lang gehegten Traum erfüllt. Seit zehn Jahren wollte du Toit angeblich das perfekte Portrait einer Elefantenherde aufnehmen. Gelungen ist es ihm schließlich im Northern Tuli Game Reservat in Botswana. „Dieses Foto spielt auf die besondere Energie an, die ich spüre, wenn ich in der Nähe von Elefanten bin.“ Eine Nähe, die sich der Fotograf dank eines im Boden eingelassenen Verstecks erlaubt hat. Denn das ist die Paradoxie dieses Genres aus Tierliebe und Abenteuerlust: Die Bedrohten sind eben zuweilen durchaus auch eine Bedrohung.

Dieses Portfolio ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 01/2014 erschienen.

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Journalist Ralf Hanselle
Über den Autor
Ralf Hanselle

1972 in Detmold geboren, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Bonn. Nach Hospitanzen und Tätigkeiten bei diversen deutschen Tages- und Wochenzeitungen arbeitet er seit 2000 als freier Publizist. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen Foto- und Kunstkritik sowie Reportagen aus den Bereichen Kultur und Geistesleben.