Russische Romantik

Russische Romantik
Foto: Tanya Putyatina

Aktfotografie: Russische Romantik

Soft, schwarzweiß und sinnlich
01.06.2015

Die Moskauerin Tanya Putyatina inszeniert die Frau in sinnlich-verträumten Softfokus-Akten

Putyatina Kurzsichtig

Putyatina Kurzsichtig

"Ich bin kurzsichtig, und ehrlich gesagt sehe ich die Welt gerne so", sagt die Fotografin über ihre Softfokus-Bilder

Foto: Tanya Putyatina

Sie verstehe ihre Aufnahmen als Skizzen eines kreativen Prozesses, die sie bei der anschließenden Bildbearbeitung vollende, sagt Tanya Putyatina, die ansonsten am liebsten ihre fragilen Softfokus-Bilder ohne große Worte für sich sprechen lässt. Körnig, bisweilen wie mit Tusche gepinselt, kommt bei ihr manches Motiv daher. „Ich bin noch immer dabei, an meinem Stil zu feilen“, sagt die bescheidene Russin. „Jedes Jahr finde ich neue Wege und Methoden und lerne aus meinen Fehlern.“ Ein typisches Putyatina-Foto hat einen sehr selektiven Softfokus, schält einzelne Körperpartien aus einem traumhaft verschwommenen Unschärfebereich voll tiefer Schwärzen und gleißender Lichtpunkte. Bilder wie diese entstehen bei der Moskauer Fotokünstlerin meist mit offener Blende, die eingesetzten Weichzeichnereffekte resultieren unter den gegebenen Lichtbedingungen ganz automatisch. Und sie entsprechen völlig der Sichtweise dieser ambitionierten Bildermacherin: „Ich bin kurzsichtig, und ehrlich gesagt sehe ich die Welt ganz gerne so“, berichtet Tanya.

Die 32-jährige Künstlerin fotografiert ihre überwiegend schwarzweißen Akte mit einer Nikon D700, auf die sie vorzugsweise ein 85-mm-Objektiv schraubt. „Die Frauen in meinen Bildern mögen manchmal fast wie Heilige erscheinen“, sagt diese bekennende Romantikerin. „Meine Aufgabe ist es, die Leute dazu zu bringen, gerne hinzusehen. Ich packe in diese Arbeit angenehme Emotionen, die sich von den üblichen Plattitüden und dem sonstigen Verständnis des weiblichen Körpers entfernen.“
Nacktheit ist in diesen Aufnahmen stets in sehr feminine, zarte Momente eingebettet. Tanya Putyatinas Models zeigen uns sehr fragile, sinnliche Seiten, während ein sanftes Licht auf ihren Körper fällt. Was bedeutet Schönheit für diese Frau, die in ihrem Werk ein selbstbewusstes, natürliches Körperbild wie den Blick einer frisch Verliebten in den Spiegel ablichtet? Schönheit sei etwas völlig Natürliches, sie finde sich in allem und würde doch oft nicht wahrgenommen, weiß Tanya: „Erkennen wir sie, bereichert

Putyatina Emotionen

Putyatina Emotionen

"Ich packe in diese Arbeit angenehme Emotionen, die sich von den üblichen Plattitüden um den weiblichen Körper unterscheiden." - Tanya Putyatina

Foto: Tanya Putyatina

sie uns und entfaltet ihren ganzen Zauber.“ Die Russin kann sich ihre sinnlichen, charismatischen Models mittlerweile aus vielen Bewerbungsschreiben von Frauen aussuchen, die sie per Mail erreichen. Einige fotografiert sie seit Jahren und aus der Zusammenarbeit haben sich echte Freundschaften entwickelt. Tanya Putyatinas Seiten bei Fotosharing- Plattformen wie Flickr oder 500px.com erreichen heute eine große internationale Fangemeinde.

Für ihre Inszenierungen wählt die Künstlerin meist ganz schlichte Settings: dezente florale Muster von Gardinen oder Tapeten, das Dickicht von Büschen und Bäumen in Wäldern. Ihr Anspruch bei allen Arbeiten: stets neue Dimensionen erschließen. „Ruhe dich nie mit dem Erreichten aus“, sagt die Kämpfernatur.

Was macht jemand, der am Set gerne mal sechs bis acht Stunden ohne Pause fotografiert, wenn er wirklich entspannen möchte? „Am wohlsten fühle ich mich mit meinem Gatten und meinem Hund.“

Dieses Portfolio ist in unserer Ausgabe fotoMAGAZIN 04/2014 erschienen. 

 

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.