Alexander Nieswandt über das Großlabor WhiteWall

17.02.2014

Alexander Nieswandt ist Gründer und Geschäftsführer von WhiteWall. fotoMAGAZIN sprach mit ihm über Europas größtes Fotofachlabor, die Überlebenschancen lokaler Profi-Labs und das wachsende Qualitätsbewusstsein der Kundschaft.

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Geschäftsführer von WhiteWall/Lumas

Erst im Jahr 2007 gestartet, entwickelte sich das Fachlabor WhiteWall rasant zu einem der größten seiner Art in Europa. Qualität ist das Credo des Unternehmens und das zeigt, dass auch im Digitalzeitalter trotz vielfältiger Billig-Konkurrenz oder Homeprinting im Bildermarkt die Kasse klingeln kann. Das Labor produziert nicht nur für Lumas alle Aufträge, sondern zählt über 9000 professionelle Fotografen und Galerien zu seinen Kunden.

Im Juni 2013 wurde in Frechen eine über 5000 Quadratmeter große Produktionshalle bezogen, in der 100 gut ausgebildete Fachkräfte vom Fotolaboranten über den Drucktechniker bis hin zum Schreiner arbeiten.

Erschwingliche Baryt-Abzüge in großem Format
 
Pünktlich zur Eröffnung des neuen Standorts gab es eine kleine Sensation: den digitalen Foto-Abzug auf Barytpapier. Baryt wird normalerweise wegen des hohen, manuellen Arbeitsaufwands nur für äußerst hochwertige Arbeiten verwendet. WhiteWall ist es gelungen, erstmalig präzise Laserbelichtung und traditionelle fotochemische Schwarzweiß-Entwicklung in einem automatisierten Prozess zusammen zu führen. So sind Abzüge auf Baryt nun selbst in großen Formaten möglich, die der Kunde auf den Zentimeter genau selbst festlegen kann.

fotoMAGAZIN: Herr Nieswandt, WhiteWall hat im Juni Europas größtes Fachlabor eröffnet. Hat das Konzept des kleinen, lokalen Fotofachlabors heute überhaupt noch eine Überlebenschance?
Alexander Nieswandt: Das würde ich mir sehr wünschen! Ein kleines, lokales Fachlabor kann intensiv beraten und den Kunden an die Hand nehmen. Wir sind ja für kleine lokale Fotolabore auch keine Konkurrenz. Diese Institutionen leben überwiegend von langjährigen Stammkunden, zu denen ein intensiver Kontakt gepflegt wird.

fM: Wo liegen die Wettbewerbsvorteile des WhiteWall-Labs gegenüber kleinen Fachbetrieben?
Nieswandt: WhiteWall hat ja ebenfalls als kleines Labor angefangen und ist organisch gewachsen. 2007 haben wir mit nur fünf Mitarbeitern angefangen, sind dann aber relativ schnell gewachsen. Unser Vorteil ist sicher der, dass wir größere Materialvorräte einkaufen und lagern können und so bessere Endpreise anbieten können. Wir hinterfragen und optimieren fortlaufend unsere Prozesse und Arbeitsabläufe, was ebenfalls dem Kunden zu Gute kommt.

fM: Für welche Auslastung ist Ihr neues Labor konzipiert?
Nieswandt: Wir verfügen über acht hochauflösende High-End-Printer für unterschiedlichste Druckverfahren, sieben Hochpräzisions-CNC-Fräsen, eine vollautomatische Beleistungsmaschine und sechs Rollen-Laserbelichter sowie zwei Dunkelkammern. Mit über 5000 Quadratmetern Arbeitsfläche und einer Produktionssteigerung um mehr als ein Drittel sind wir eines der größten und leistungsfähigsten Fachlabore in Europa. Für die Belieferung von europäischen Kunden in Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden sind wir also bestens gerüstet.

fM: Worauf sollte ein Kunde mit Qualitätsbewusstsein bei der Bestellung seiner Laborprints heute unbedingt achten?
Nieswandt: Jeder Kunde hat bei uns die Möglichkeit, nach individuellen Wünschen zu bestellen. Wir verarbeiten Dateien von 0,25 bis 625 Megapixel und einer Maximalgröße von 250 MB. Bei der Berechnung des Maximalformates berücksichtigen wir außerdem den wahrscheinlichen Betrachtungsabstand zum Bild, insofern können auch mit geringer Auflösung gute Ergebnisse erzielt werden.

fM: Wie sieht der typische WhiteWall-Kunde aus wie Ihre Zielgruppe?
Nieswandt: Der typische WhiteWall-Kunde ist professioneller oder semiprofessioneller Fotograf oder ein Amateuerfotograf mit hohem Qualitätsanspruch. In der Regel besitzt er eine Kameraausrüstung zwischen 500 und 2000 Euro, d. h. er investiert auch gerne in sein Equipment. Viele unserer Kunden organisieren auch eigene Ausstellungen und bestellen große Aufträge.

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WhiteWall-Labor in Frechen

fM: Was bieten Sie diesen Kunden Besonderes?
Nieswandt: Für professionelle Fotografen bieten wir zum Beispiel professionelles Color Management an, d.h. es stehen ICC-Profile zum Herunterladen zur Verfügung. Häufig kommt es vor, dass Monitordarstellung und Druckerzeugnis keine exakte Übereinstimmung aufweisen. Ein zu hell eingestellter Monitor, eine ungeeignete Kalibrierung oder eine ungenaue Profilierung können, ebenso wie unzureichende Hardware, zu einer Fehldarstellung führen. Um eine möglichst hohe Übereinstimmung der Monitordarstellung mit Druckerzeugnissen sicherzustellen, ist eine genaue Justierung der Monitordarstellung unerlässlich. Diese Einstellung erfolgt am besten mit einem Monitorkalibriergerät (Colorimeter oder Spektralfotometer) oder unter Zuhilfenahme eines Referenzbildes. Die Einstellungen, die während des Messvorgangs vorgenommen werden, sind entscheidend für ein funktionierendes Farbmanagement und richten sich nach Helligkeit und Farbtemperatur der Farbmusterumgebung und dem bevorzugt verwendeten Arbeitsfarbraum. Ist der Monitor richtig eingestellt, ist eine Simulation der Druckausgabe bereits vor dem Bestellvorgang möglich. Diese Simulation wird in farbmanagementfähigen Programmen als Soft-Proof bezeichnet. Unter Soft-Proof versteht man die farbmetrisch korrekte Ausgabe von digitalen Druckdaten auf einem kalibrierten und/oder profilierten Monitor. Dieses Verfahren benötigt ICC-Ausgabeprofile, die das zu bedruckende Substrat in den Material- und Farbdarstellungseigenschaften beschreiben und so eine Simulation am Monitor ermöglichen. Durch optionale Aktivierung der Papierweißsimulation kann der Farbton des unbedruckten Papiers zusätzlich in die Darstellung eingerechnet werden. Diese Darstellung erfordert eine Adaption an Helligkeit und Weißpunkt auf das simulierte Papierweiß, was am Besten im Vollbildmodus bei ausgeblendeten Menüs erreicht werden kann. Bei aktiviertem Soft-Proof ist nicht nur eine Vorschau auf das zu erwartende Druckergebnis möglich, es können auch, falls nötig, Farbkorrekturen zur Anpassung an das Druckmedium vorgenommen werden.

fM: Steigt das Qualitätsbewusstsein der Laborkunden in den letzten Jahren?
Nieswandt: Auf jeden Fall. Das ist deutlich spürbar, da besonders unsere Premiumprodukte, wie Lumasec oder Fine Art-Prints auf Hahnemühle-Papier immer gefragter werden. Unsere Kunden schätzen gute Qualität, die wir zu fairen Preisen anbieten können.

fM: Wird WhiteWall und die ebenfalls zu Avenso AG gehörende Firma Lumas den Expansionsschwerpunkt künftig verstärkt ins Ausland verlegen?
Nieswandt: Die Expansion ins Ausland ist für uns natürlich ein Thema, das wir ausbauen möchten. Wir sind relativ schnell mit WhiteWall und Lumas ins Ausland gegangen, um zu testen, wie unsere Konzepte hier ankommen. Mit Lumas sind wir bereits in London, Paris, Wien und auch in New York vertreten. Auch mit WhiteWall sind wir seit dem letzten Jahr nicht mehr nur in den deutschsprachigen Ländern, Großbritannien und den USA vertreten, sondern haben unser Angebot in die Niederlande, nach Frankreich, Italien und Spanien ausgeweitet. Über unsere Webseiten ist es bereits jetzt möglich, weltweit zu bestellen. Wir reagieren insofern auf die Nachfrage unserer Kunden, die aus der ganzen Welt kommen.

fM: Zu Lumas wie reagieren Sie im Segment der Editionsgalerien auf die Expansionsoffensive von Yellow Korner, in deren inzwischen 60 Standorten sich jeder Prints von Profifotografen für das eigene Wohnzimmer kaufen kann?
Nieswandt: Die Konzepte von Yellow Korner und Lumas unterscheiden sich meiner Meinung nach erheblich. Lumas verkauft Kunst, das heißt handsignierte Editionen in kleinen Auflagen. Die Limitierung unserer Editionen ist für uns und die Gründer von Lumas einer der wichtigsten Faktoren, da sie die Exklusivität der Serie sichert und erst eine spürbare Wertsteigerung ermöglicht. Ohne eine Limitierung ist es unmöglich, sich im Kunstmarkt zu etablieren. Schließlich erwarten dies auch die Künstler.

fM: Wie sehen Sie heute das zunächst noch schwierige Verhältnis zwischen Editionsgalerien wie Lumas und klassischen Fotogalerien?
Nieswandt: Lumas gibt es mittlerweile seit fast zehn Jahren. Natürlich waren einige Fotogalerien skeptisch oder hatten sogar Angst, als wir damit an den Start gegangen sind. Es hat aber nicht lange gedauert, bis die Galerien verstanden haben, dass wir eher eine Ergänzung als ein Konkurrent sind. Viele Menschen, die nie mit Kunst in Berührung gekommen sind oder kommen würden, werden durch Lumas an die Hand genommen. Klassische Galerien bieten in der Regel großformatige Unikate oder Werke mit Auflagen von drei bis fünf Exemplaren zu hohen Preisen für erfahrene Sammler, Institutionen und Museen an. Unsere Kunden haben überwiegend auch die Kaufkraft, gleich in eine teure Galerie zu gehen aber ohne uns würden sie dort gar nicht landen. Die etablierten Galerien sehen Lumas mittlerweile als das, was wir sind: als Wegbereiter für Fotokäufer.

fM: Wieviel Geld geben Lumas-Kunden heute durchschnittlich für einen Fine Art-Print aus?
Nieswandt: Wir bieten mehr als 1400 Werke als handsignierte Original-Fotografien in limitierten Auflagen von meist 75 bis 150 Exemplaren an. Diese Auflagen ermöglichen erschwingliche Preise zwischen 120 und 800 Euro. Im Durchschnitt geben unsere Kunden zwischen 500 und 800 Euro für einen gerahmten oder kaschierten Fine Art-Print aus.

fM: Welche Trends bzw. Moden gibt es derzeit bei der in Lumas-Galerien verkauften Fotokunst, bezogen auf Fotogenres und Künstler?
Nieswandt: Wir richten uns bei der Auswahl unserer Künstler und Werke nicht nach Trends oder Moden. Das Motiv muss nachhaltig faszinieren. Eine gute Fotografie, die man sich an die Wand hängen möchte, sollte auch ohne bestimmten Kontext nur für sich selbst funktionieren.

fM: Wo sehen Sie künftig die größten Wachstumsmärkte Ihrer Firma?
Nieswandt: Wir werden zukünftig Europa weiter erschließen, aber auch Asien und Amerika rechnen wir ein hohes Potenzial zu. 

> www.Lumas.de

Sie können bis zu drei Kameras vergleichen, um eine andere auszuwählen, entfernen Sie eine aus dem Vergleich.
Über den Autor
Manfred Zollner

Unser stellvertretender Chefredakteur Manfred Zollner gilt in der Fotoszene als "Anwalt des guten Bildes." Sein thematischer Schwerpunkt liegt in der professionellen Fotografie, seine Vorliebe gilt der Fotokunst. Die jährlich erscheinende fotoMAGAZIN EDITION mit herausragenden Fine Art-Portfolios ist sein Projekt. 1991 kam der Münchner als Director of Photography zum fotoMAGAZIN, von 2004 bis 2006 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift Photo Technik International.